Potsdam droht als einer der wenigen Städte in Ostdeutschland eine Überhitzung des Wohnungsmarktes. Dies ergab eine Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW). „Die Wahrscheinlichkeit für eine spekulative Entwicklung ist recht hoch“, bestätigte Mitautor Dirk Ulbricht der Berliner Morgenpost. In der Brandenburger Hauptstadt hätten sich die Kaufpreise für bestehende Wohnungen von 1996 bis zum Jahr 2013 explosionsartig erhöht, wohingegen die Mieten weniger gestiegen seien. „Die Preise haben sich also losgelöst von den zu erwartenden Einnahmen erhöht“, sagte Ulbricht. Für Neubauten gelte das nicht.

In den vergangenen drei Jahren stiegen in Potsdam die Kaufpreise für Bestandsbauten im Schnitt um fünf Prozent pro Jahr und die Mieten um jährlich 4,9 Prozent. In der bayerischen Hauptstadt München als Spitzenreiter verteuerten sich die Kaufpreise um 14,9 Prozent pro Jahr, die Mieten stiegen aber nur um 3,8 Prozent.

In Berlin kletterten die Preise beim Wiederverkauf von Wohnungen um 8,7 Prozent, während die Mieten nur um 7,3 Prozent stiegen. Die Forscher fanden in 40 von 127 untersuchten Städten Anzeichen für spekulationsgetriebene Preisblasen auf Teilmärkten: In 31 Städten scheinen die Kaufpreise am relativ kleinen Markt für Neubauten überhitzt, in neun – darunter Potsdam – sind die Bestandswohnungen betroffen.

Stadtverwaltung sieht die Entwicklung kritisch

Die Käufer spekulieren offenbar darauf, das Objekt wieder zu einem höheren Preis verkaufen zu können, auch wenn die Miteinnahmen derzeit noch niedriger sind. Eine Folge der überhöhten Kaufpreise könnte auch sein, dass die Mieten weiter stark steigen. In Potsdam gibt es derzeit rund 52.000 Wohnungen in privatem Besitz. Die Datenerhebung des DIW steht im Widerspruch zum Ergebnis einer Studie der Postbank. Sie hatte dem Potsdamer Immobilienmarkt jüngst nach Jena die zweitbesten Wertsteigerungschancen in Ostdeutschland prognostiziert.

Der Sprecher der Stadtverwaltung Potsdam, Stefan Schulz, sagte der Berliner Morgenpost: „Wir sehen die Entwicklung durchaus kritisch.“ Je höher die Kaufpreise, desto teurer auch die Mieten. Er versichert: „Wo wir Einfluss haben, versuchen wir, einer Blase entgegenzuwirken.“ So gebe nicht die Höhe des angebotenen Preises den Ausschlag beim Verkauf von stadteigenen Grundstücken, sondern das Konzept. Das gelte auch für die Filetgrundstücke wie an der Alten Fahrt. Entscheidend seien Architektur und Nutzung. „Auf keinen Fall wollen wir einem Spekulationsgewinn Vorschub leisten“, sagte Schulz.