Einst tanzte hier UFA-Star Zarah Leander. NS-Propagandaminister Joseph Goebbels traf sich mit der tschechischen Schauspielerin Lida Baarova zu Liebesstunden. 100 Meter weiter lauschte zwei Jahrzehnte später der junge Egon Krenz den Vorträgen von FDJ-Chef Erich Honecker. Nebenan ließen es im Kultursaal junge Kommunisten bei Feten krachen. Mehr Gegensätze gibt es selten an einem Ort. Nun will Berlin das Areal am Bogensee (Landkreis Barnim) verkaufen – doch wird es nicht los.
Das Gebäude-Ensemble ist der Ladenhüter des Liegenschaftsfonds. Nun hat Berlin den dritten Versuch unternommen, die Geschichtsruine im Dornröschenschlaf zu verkaufen. Seit 15 Jahren steht sie leer. Bis Ende März lief das weltweite Bieterverfahren für das 16,8 Hektar große und waldreiche Gelände am Rande eines idyllischen Naturschutzgebietes, nur 15 Kilometer vom nördlichen Stadtrand Berlins entfernt. Ende noch unbekannt.
„Es gab mehr Interessenten, das Ergebnis ist erfreulich“, zieht Marlies Masche, die Sprecherin des Liegenschaftsfonds, Bilanz. Wie viele Bieter Gebote abgaben, aus welchen Teilen der Erde, werde aus Wettbewerbsgründen nicht vor Abschluss verraten, sagt sie. Auf jeden Fall sei das Interesse wesentlich größer als 2006 und 2008, als die Ausschreibungen mangels Nachfrage eingestellt werden mussten.
Man lasse sich Zeit, die Gebote und Konzepte zu prüfen, sagt die Sprecherin. Zudem seien daran der brandenburgische Landkreis Barnim und die Gemeinde Wandlitz beteiligt, in deren Grenzen das Areal am Bogensee liegt. „Wir sind uns einig: Entscheidend ist nicht der Höchstpreis, sondern das Nutzungskonzept“, erläutert Masche. Denn die Beteiligten möchten vermeiden, dass die einstige Goebbels-Villa mitten auf dem Gelände zu einer neuen Wallfahrtsstätte für Neonazis wird.
dpa



