Die Besitzerin des quirligen Rauhaardackels will weiter. Der Hund hat gerade sein Geschäft gemacht. Da stehen eine Frau und ein Mann in blauer Uniform vor ihr. „Haben Sie keine Tüte mit?“, wollen sie wissen. Die Hundebesitzerin kramt in der Tasche. „Oh, ich dachte ...“ Für solche Fälle haben Potsdams Mitarbeiter des Ordnungsamtes eine Kottüte dabei. Dazu gibt es eine ordentliche Belehrung – und den Hinweis, dass es in der Stadt 30 sogenannte Hundetoiletten gibt. Tüten sind dort kostenlos zu entnehmen, und der Hundehaufen kann hier entsorgt werden. Potsdams Hundehalter werden seit Wochen verstärkt kontrolliert.

Ab sofort verteilen die Inspektoren im Außendienst dabei auch einen Info-Flyer für Hundehalter. In dem Faltblatt werden sie unter anderem mit einer Grafik über die Leinenpflicht in der Innenstadt aufgeklärt. Diese besteht auch in den Parkanlagen der Schlösser. Die Beschwerden über die Hinterlassenschaften der Vierbeiner haben in Potsdam zugenommen. „Wir haben aber kein Hundeproblem“, sagt Marina Kluge, Fachbereichsleiterin für Ordnung und Sicherheit.

Ordnungsamt ist auch am Wochenende auf Streife

Seit April kontrolliert von den 48 Mitarbeitern des Ordnungsamtes ein fünfköpfiges Team vor allem die Hundehalter. Ilona Hönes, die für den Bereich Ordnung zuständig ist, sagt: „Die Kollegen sind wochentags zwischen 6 und 22 Uhr und auch am Wochenende auf Streife.“ 80 Tierhalter-Kontrollen am Tag dürften es durchschnittlich sein. Dabei stellten sie auch immer wieder fest, „dass viele Frauchen und Herrchen die notwendigen Dokumente nicht bei sich haben und über den Leinenzwang in der Stadt zu wenig Bescheid wissen“. Ein Bußgeld sei nur in sehr seltenen Fällen zu zahlen. „Uns geht es vor allem darum, mit den Hundehaltern ins Gespräch zu kommen und sie aufzuklären“, betont Eyk Rothe. Er koordiniert die Einsätze und ist auch selbst draußen unterwegs.

Im Jahr 2012 wurden 82 Verstöße gegen die Hundehalterverordnung festgestellt. Viel Geld kommt damit nicht in die Kasse. Nur 3000 Euro. Dagegen nahm die Stadt im vergangenen Jahr knapp 1,2 Millionen Euro durch Knöllchen ein. Aufgrund von 112.000 Verstößen. Allerdings gibt es in Potsdam 67.000 Autos und schätzungsweise höchstens 10.000 Hunde. Derzeit sind in Potsdam etwa 6000 Hunde steuerlich gemeldet. Auch wenn die Einwohnerzahlen in der Landeshauptstadt in den vergangenen zehn Jahren drastisch gestiegen sind, wurden seit 2004 nur 500 Hunde mehr registriert. Anders als Berlin ist Potsdam also keine „Stadt der Hunde“.

Hundesteuer beträgt 108 Euro pro Jahr

Wer einen Hund kauft oder mit ihm nach Potsdam umzieht, muss ihn bis zum 1. des folgenden Monats steuerlich bei der Behörde anmelden. Die Hundesteuer beträgt in Potsdam 108 Euro pro Jahr, für den zweiten Hund sind 144 Euro zu zahlen. Der dritte und jeder weitere Hund kostet 192 Euro an Steuern. Für Kampfhunde müssen 648 Euro Steuern bezahlt werden. Laut Stadtverwaltung sind derzeit weniger als zehn sogenannte gefährliche Hunde in Potsdam angemeldet. Im Jahr 2012 hat die Stadt 560.000 Euro Hundesteuer eingenommen. Da Potsdam sie im Mai 2013 erhöht hat, wird seitdem mit weiteren 170.000 Euro Einnahmen gerechnet. Zudem muss ein Hund, der mindestens 40 Zentimeter hoch ist und 20 Kilogramm und mehr wiegt, bei der Ordnungsbehörde zusätzlich angemeldet werden.

Der Halter muss nach Paragraf 12 der Hundehalterverordnung auch ein Führungszeugnis vorlegen. Wer also einen Dobermann, Rottweiler oder Labrador hat, ist dazu verpflichtet. „Es kann sein, dass ein Vorbestrafter wegen Gewaltdelikten den Hund abgeben muss, weil ihm die charakterliche Eignung für das Führen eines solch großen Hundes abgesprochen wird“, erläutert Marina Kluge. „Meldet jemand seinen Hund nicht an, kann ein Bußgeld in Höhe bis zu 10.000 Euro verhängt werden.“

Zahl der Selbstanzeigen hat zugenommen

Einen Nebeneffekt hatten die verstärkten Kontrollen der vergangenen Wochen bereits. Die Zahl der Selbstanzeigen von Hundehaltern beim Ordnungsamt hat deutlich zugenommen. Haben im gesamten vergangenen Jahr 344 Hundehalter gemäß Paragraf 6 der Hundehalterverordnung ihren Hund angemeldet, sind es bis Juli dieses Jahres bereits 276. „In den vergangenen drei Monaten hat sich die Zahl der monatlichen Anmeldungen verdoppelt“, sagt Ilona Hönes.

Als Potsdam um die Jahreswende 2011/12 eine Hundezählung über eine Firma durchführen ließ, waren die Anmeldungen sprunghaft in die Höhe gegangen. Damals klingelten Mitarbeiter des beauftragten Unternehmens bei den Bürgern zu Hause und fragten: „Haben Sie einen Hund?“ So kam Potsdam innerhalb eines halben Jahres zu offiziell 450 Hunden mehr.