Neugründung

Brandenburg setzt auf Privat-Hochschule gegen Ärztemangel

In Brandenburg fehlen derzeit etwa 170 Klinikärzte und mehr als 70 Haus-und Fachmediziner. Nun will das Land mit einer privaten medizinischen Hochschule für eigenen Nachwuchs sorgen.

Im Land Brandenburg können bald erstmals Ärzte ausgebildet werden. Wissenschaftsministerin Sabine Kunst (parteilos) stimmt nach Informationen der Berliner Morgenpost der Gründung einer privaten medizinischen Hochschule zu. Die „Medizinische Hochschule Brandenburg Theodor Fontane“ soll in Neuruppin und Brandenburg an der Havel an den Start gehen. Bislang hatte Brandenburg allein auf die Ärzteausbildung in Berlin gesetzt.

Die Ruppiner Kliniken in Neuruppin und das Krankenhaus in Brandenburg/Havel hatten gemeinsam schon einmal einen Anlauf unternommen. Der von ihnen überarbeitete und damit zweite Antrag brachte nun den Durchbruch. Die Entscheidung soll am heutigen Dienstag bekannt gegeben werden.

Der geplante Modellstudiengang soll noch stärker als das klassische Medizinstudium in den Klinikalltag integriert und somit noch praxisorientierter ausfallen, heißt es. Mit der Ausbildung im eigenen Land will Brandenburg den Ärztemangel vor allem fernab von Berlin begegnen. Für die Hochschule hat sich vor allem die Oberbürgermeisterin von Brandenburg an der Havel, Dietlind Tiemann (CDU), stark gemacht. Auch die Landesärztekammer kämpft seit Jahren für die Mediziner-Ausbildung im eigenen Land.

In Brandenburg fehlen derzeit etwa 170 Klinikärzte und mehr als 70 Haus-und Fachmediziner.

Charité-Chef warnte vor Gründung einer eigenen Hochschule

Momentan können angehende Mediziner in elf sogenannten akademischen Krankenhäusern ihr praktisches Jahr absolvieren. Die Berliner Charité hatte im vergangenen Jahr überraschend die Kooperationsverträge gekündigt, verlängerte sie dann aber doch.

Charité-Chef Karl Max Einhäupl hat jüngst vor der Gründung einer eigenen medizinischen Hochschule in Brandenburg gewarnt. Nicht, weil sie eine Konkurrenz für die Charité wären. „Ohne umfassende Forschung ist keine qualitativ hochwertige Ärzteausbildung möglich“, so Einhäupl. Würden kleine Krankenhäuser ohne wissenschaftliche Forschung als Universitätskliniken anerkannt, stünde das wissenschaftsorientierte Konzept der Ärzteausbildung in Deutschland auf dem Spiel.

Andere Bundesländer müssten pro Universitätskrankenhaus jährlich zwischen 70 und 240 Millionen Euro staatliche Mittel bereitstellen. Eine private Finanzierung ist nach Einschätzung des Charité-Chefs unrealistisch.

In Brandenburg wird das mittlerweile offenbar anders gesehen.

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