Die Zeugin hat die Szene noch genau in Erinnerung: „Es gab einen furchtbar lauten Knall und eine große Qualmwolke über dem Nachbargrundstück“, sagt die 49-Jährige. Sie sei sofort losgerannt. „Dann sah ich Dana im Teich sitzen, wie erstarrt, als wäre sie eine Statue, vermutlich stand sie unter Schock.“
Es geht um einen versuchten Mord in diesem Prozess vor einem Potsdamer Schwurgericht. Angeklagt ist der 50-jährige Friedhelm R. Im Juni 2013 hat er seine Ehefrau in ihrem Haus Blankenfelde-Mahlow (Teltow-Fläming) angezündet. Die 36-jährige Dana R. rannte wie eine brennende Fackel zum Teich. Ihr ganzer Körper ist jetzt von den Brandnarben schwer gezeichnet.
Kennengelernt hatten sich bei beiden im Juli 2012 in Rostock. Dana R. ist ausgebildete Krankenpflegerin und betreute die querschnittsgelähmte Tochter der Schwester von Friedhelm R. Sie trafen sich zufällig. Beide sagen vor Gericht, dass es zwischen ihnen „schnell gefunkt“ habe. Und Dana R., die schon zwei Kinder von anderen Partnern hatte, war dann auch schnell bereit, den so fürsorglich wirkenden Mann zu heiraten.
Viel Frust über erzwungene Enthaltsamkeit
Es sei anfangs auch alles gut gelaufen, beschreibt sie die Beziehung mit Friedhelm R. vor Gericht. Begonnen habe die Krise, als sie im Herbst 2012 eine Fehlgeburt hatte und sich einige Zeit nicht in der Lage gefühlt habe, mit Friedhelm R. ins Bett zu gehen.
Wie sehr ihn das störte, habe sie aber erst im Februar mit dem Umzug nach Blankenfelde-Mahlow gemerkt. Ihre Eltern wohnten auf dem Nebengrundstück. Und Friedhelm R. habe bei der Begrüßung sofort seinen aufgestauten Frust herausgelassen: dass ihre Tochter nicht mit ihm schlafe und dass sie andere Männer habe.
Diese Vorwürfe hätten sich ständig wiederholt, sagt Dana R. „Er hat offenbar meine Situation nach der Fehlgeburt nicht verstanden. Er wollte jede Minute Sex, am liebsten zehnmal am Tag.“
Friedhelm R. fiel immer wieder durch Eifersuchtsanfälle auf
Für Friedhelm R. wurde der Gedanke, seine junge Frau habe andere Männer, zu einer Obsession. Er wurde zunehmend aggressiver, kontrollierte sogar ihre Unterwäsche und war sicher, darin Spermareste von Nebenbuhlern entdeckt zu haben. „Sie wollte von mir nur den Umzug von Rostock nach Blankenfelde-Mahlow bezahlt haben“, sagte er am ersten Prozesstag bitter. „Danach wurde ich nicht mehr gebraucht. Der Mohr hatte seine Schuldigkeit getan.“
Dana R. beteuert vor Gericht, dass sie Friedhelm R. nicht ein einziges Mal untreu geworden sei. „Ich würde das niemals machen. Wenn ich einen Partner habe, dann brauche ich keinen anderen.“ Gleichzeitig war sie von den Eifersuchtsanfällen ihres Mannes zunehmend genervt. Sie versuchte, sich mit Provokationen zu wehren: „Ja doch, ich treibe es mit allen Männern der Umgebung“, sagte sie zu ihm, wenn er sich mal wieder wie ein Rasender aufführte. Sie stellte Bedingungen: „Du bist krank. Geh zu einem Psychiater und lass dir helfen – sonst ist mit uns Schluss!“
Er versprach, einen Arzt aufzusuchen. Als sie nachfragte, erklärte er, in der Praxis habe es bei seiner telefonischen Anfrage nur einen Anrufbeantworter gegeben, deswegen habe er noch keinen Termin. Dana R. prüfte das und stellte fest, dass er log.
Nachbarin leistete Brandopfer sofort Erste Hilfe
Sie habe ihm dann gesagt, dass es nicht mehr gehe. Er solle sich eine eigene Wohnung suchen. „Mitte Juni hat er gefragt, ob wir es nicht vielleicht doch noch mal versuchen sollten. Aber ich konnte nicht mehr. Ich habe ihm ganz ruhig geantwortet, dass ich nicht mehr möchte.“ Wenige Tage später, sie saß auf der Veranda des Hauses, wurde sie von Friedhelm R. unvermittelt mit Benzin übergossen. Anschließend setzte er sie mit einer Signalrakete in Brand.
Dana R. wird wohl nie wieder in ihrem Beruf arbeiten können. Anfangs, sagt sie, habe sie es kaum ertragen können, wenn die Leute sie wegen ihres entstellten Gesichtes anstarrten. Aber inzwischen habe sie sich daran gewöhnt. Am meisten belastet sie derzeit, dass der leibliche Vater ihres siebenjährigen Sohnes das Kind nicht mehr herausgeben will. Der Junge war nach dem Brandanschlag bei ihm untergebracht worden. Und der Vater argumentiert jetzt, es sei dem Sohn nach diesen Geschehnissen nicht zuzumuten, zur Mutter zurückgebracht zu werden.
Die Nachbarin, die nach dem Brandanschlag als Erste auf das Grundstück stürzte, arbeitete 15 Jahre auf der Intensivstation eines Krankenhauses. Sie leistete für Dana R. sofort Erste Hilfe. Das rettete dem Brandopfer vermutlich das Leben. Als die Zeugin den Gerichtssaal verlassen will, steht Friedhelm R. auf: „Ich möchte mich bei Ihnen dafür bedanken, dass sie die Erstversorgung gemacht haben“, sagt er. Weder die Zeugin, noch Dana R., die auf dem Platz der Nebenklägerin sitzt, würdigen ihn eines Blickes. Der Prozess wird fortgesetzt.




