Die sich sonst gern ins Theatralische versteigende Stimme ist auf dem Alten Markt kaum hörbar: Architekt Peter Kulka gibt sich beim Eröffnungsakt des Brandenburger Landtags ungewöhnlich zurückhaltend. „Es darf gemeckert werden, aber seien Sie gnädig. Bedenken sie, wie komplex die Aufgabe war“, appelliert er an die Besucherschar.

Zahme Töne vom Designer, der das neue Parlament in den Mantel des Hohenzollern-Schlosses gehüllt hat. Finanzminister Helmuth Markov (Linke) regt den Nobelpreis für Architektur für den Dresdner Gestalter an, „wenn es den gäbe“. Viel Beifall von den Honoratioren, doch vor den Kritikern aus dem Volk musste Kulka am Sonnabend beim Tag der offenen Tür Farbe bekennen.

Das Fehlen von Farbe allerdings bemängeln die Gäste. „Zu grell, zu weiß“, kommentiert Inge Ismer. Die Frau aus Burg klopft auf den Sims der Treppe. „Kein Beton“, raunt sie Ehemann Gerhard zu. „Wirkt aber solide“, antwortet er. „Ziemlich steril“, ist sein Eindruck, der nicht verfliegt, als sich die Ismers bis zur vierten Etage durchkämpfen.

Das Potsdamer Herz schlägt wieder hörbar

Tulpen im Büro von Landtagspräsident Gunter Fritsch. Keine Chance zu überprüfen, ob die echt sind. Eine Kordel hindert Besucher am Schritt in die Tiefe des Raumes. Beruhigt kann Fritsch die Lesebrille auf dem Schreibtisch liegen lassen. Keine Gefahr auch für das Abbild des Adlers, der die Wand beherrscht. „Der stammt aus dem alten Landtag“, sagt Landtagssprecherin Katrin Rautenberg. Ein Wappentier in kräftigem Rot. Im Plenarsaal muss Fritsch darauf verzichten, sich dem Willen des Architekten beugen, der den Vogel in schlichtem Weiß kreiert hat. „Der wird von ganz allein rot, wenn er hier die ersten Reden hört“, nimmt es Fritsch mit Humor.

„Die Plätze der Abgeordneten sind eng bemessen“, findet Anja Horstmann, 46. Die Neuruppinerin engagiert sich in der kirchlichen Kinderarbeit. Ehemann Peter hat derweil die Plakate des Berliner Künstlers Lutz Friedel ins Visier genommen. „Ich als Helge Schneider als Hitler“, liest er. Den Eklat um die abgebildeten Köpfe – darunter Goebbels und Stalin – findet er unverständlich. „Es ist das deutsche Trauma, dass wir uns es nicht erlauben, solche Bildnisse zu zeigen.“ Für Horstmann ein Fehler. Auseinandersetzung und Aufklärung täten gut – „angefangen bei den Kindern“.

Gelassen lässt Günther Vandenhertz den Strom der Besucher vorbeiziehen. Der Architekt hat vor zehn Jahren selbst einen Entwurf zum Landtagsneubau präsentiert. „Gelungen“, kommentiert er das Ergebnis des Kollegen aus Sachsen. „Es ging darum, dass Potsdam wieder eine Mitte erhält.“ Jetzt höre er es schlagen, das Potsdamer Herz.

Autogrammjäger vor Platzecks Büro

Der Zwei-Stunden-Takt gerät ins Wanken. Auch wegen der Autogrammjäger, die sich vor Büro 1017 drängen. Die Landkarte der Uckermark enttarnt denjenigen, der am Schreibtisch sitzt: Matthias Platzeck. Handys werden gezückt, Kugelschreiber gezogen. Jeder will etwas mitnehmen vom ehemaligen Ministerpräsidenten. Der lächelt souverän.

Steffen Zwickirsch und Arnold Düring haben sich vorgekämpft, sie tragen die Kluft der Bergarbeiter. Einen Blick auf die 300 Kilogramm schwere Kalksteinplatte wollen sie werfen, die im Besprechungsraum des neuen Ministerpräsidenten Dietmar Woidke (SPD) hängt. „Mit Muscheln versetzt, die 240 Millionen Jahre alt sind.“ Das war ihr Geschenk – „eigentlich an Platzeck“. Manchmal sei Politik eben schneller.

Am Sonntag ist der Landtag von 10 bis 18 Uhr für Besucher geöffnet. Die Eintrittskarten sind jedoch vergriffen. Im Infopunkt Landtag am Marktplatz werden eventuell Restkarten vergeben.