Ein 13-Jähriger hat am Bahnhof Rathenow (Havelland) einen Stromschlag bekommen und ist lebensgefährlich verletzt worden. Der Junge war vermutlich bei einer Mutprobe am Samstagabend in die Nähe oder sogar an eine 15.000 Volt-Oberleitung gekommen, wie ein Sprecher der Bundespolizei in Berlin am Sonntag sagte. Ein Rettungshubschrauber habe den 13-Jährigen mit schweren Verbrennungen in ein Berliner Krankenhaus gebracht. „Der Zustand ist nach wie vor kritisch“, sagte der Bundespolizeisprecher.

Der 13-Jährige war mit zwei Freunden unterwegs. Diese hätten gesagt, dass er bei einer Mutprobe auf einen Kesselwagen geklettert sei. Dort kam es dann zu dem Unglück. Wegen Funkenschlags habe es zudem einen leichten Brand an dem Kesselwagen gegeben. Um einen lebensgefährlichen oder sogar tödlichen Stromschlag zu erleiden, reicht es schon aus, in die Nähe einer Oberleitung zu kommen.

Erst im Juni starb ein Jugendlicher auf einem Kesselwagen

In diesem Jahr haben sich bereits mehrere solcher Fälle ereignet. Im Juni war ein 14-Jähriger aus Lübbenau auf einen Kesselwagen geklettert und wurde durch einen Stromschlag tödlich verletzt. Der jüngere Bruder des getöteten Jugendlichen hatte mit ansehen müssen, wie dieser qualvoll starb. Den Ermittlungen zufolge waren die Jungen gemeinsam an einer Nebenstrecke der Pressnitztalbahn unterwegs, als der 14-Jährige auf einen Kesselwagen kletterte und dabei die Oberleitung berührte.

Schwerste Verbrennungen bei 9-Jährigem in Prenzlauer Berg

Mitte Mai hatte sich in Berlin ein Neunjähriger am Bahnhof Greifswalder Straße in Prenzlauer Berg schwerste Brandverletzungen zugezogen, als er ebenfalls auf einem Kesselwagen gespielt hatte. Im Juli 2010 hatte der Tod eines Graffiti-Sprayers in Rathenow (Havelland) für Aufsehen gesorgt. Der 15-Jährige war von einem ICE-Zug erfasst und getötet worden, als er sich mit seinen Farbdosen an einem Güterzug zu schaffen gemacht hatte.

Immer wieder passieren solche Unglücke – mitunter enden sie tödlich. Die Opfer tragen schwere Verbrennungen davon. Deutsche Bahn und Bundespolizei warnen davor, sich auf sorglose Weise in Lebensgefahr zu bringen. Nach früheren Angaben der Bahn gab es von 2011 bis Anfang 2013 bundesweit rund 20 Unfälle beim Klettern auf Waggons und Strommasten – jeder dritte Fall endete demnach tödlich.

dpa/BM/seg