Erstochene Schülerin

Mörder schrieb 14-jähriger Alyssa B. Liebesbriefe

Nach der Bluttat von Eichwalde werden immer mehr Details über den mutmaßlichen Mörder von Alyssa B. bekannt: Der 20-Jährige soll keine Freunde gehabt und die Tat im voraus geplant haben.

Das Blumenmeer an der Heinrich-Heine-Allee in Eichwalde wird jeden Tag größer. Es scheint, als hätten fast alle Bürger der 6000-Einwohner-Gemeinde im Südosten Berlins persönlich Abschied von der 14-jährigen Alyssa B. genommen. Die Schülerin war am Montagnachmittag erstochen worden. Mittlerweile werden auch immer mehr Informationen über den 20 Jahre alten, mutmaßlichen Täter bekannt. Maurice M. soll ein Einzelgänger sein, der sich in die Jugendliche verliebt hatte und deren Abweisungen nicht ertragen konnte. Inzwischen sind im Internet Hinweise darauf aufgetaucht, dass sich die beiden vor der Tragödie getroffen hatten.

Mitschülerinnen von Alyssa B. haben Spuren im Netz gefunden. So schrieb Maurice M. am 28. Oktober um 22.54 Uhr in seinem Account: „Ein wundervolles Wochenende mit Schatz verbracht, das tollste das ich je hatte. Jede Sekunde war so wundervoll. Ich freu mich so sehr auf Freitag dann bin ich wieder bei dir. Alice ich liebe dich über alles.“ An anderer Stelle heißt es: „Das Wochenende nicht Online. Bin bei meinem Schatz. Alice ICH LIEBE DICH ÜBERALLES.“ Nach Angaben von Freunden war Alice der Spitzname des Opfers.

Mutmaßlicher Mörder soll Einzelgänger gewesen sein

Nach Morgenpost-Informationen soll Maurice M. allerdings kaum andere Bekanntschaften gehabt haben. Eine Schulfreundin von Alyssa sprach oft mit ihr über den jungen Mann, der in Nordrhein-Westfalen lebte und offenbar mehrfach in Eichwalde war. „Sein Vater hat ein Baufachgeschäft, die Mutter ist Hausfrau und Maurice ein absoluter Einzelgänger“, berichtet der Teenager. „Er hat den Erzählungen von Alyssa nach den ganzen Tag lang nur vor dem Computer gesessen und in seiner virtuellen Welt gelebt.“ Echte Freunde, mit denen er beispielsweise am Wochenende ausgegangen wäre, soll es nicht gegeben haben. Maurice M. habe die Hauptschule nach der 8. Klasse verlassen.

Eine der besten Freundinnen der Getöteten ist Franzi, die beiden kennen sich seit der Grundschule. „Die beiden waren kein Paar, und sie hätten auch gar nicht zusammengepasst. Maurice hatte nicht den Intellekt wie Alyssa. Und wahrscheinlich hat er das auch gespürt“, berichtet die 16-Jährige. „Alyssa lernte autodidaktisch die japanische Sprache. Sie träumte davon, dieses Land einmal zu bereisen, vielleicht sogar dort zu studieren. Das passt nicht zu einem erfolglosen Hauptschüler. Sie hat mir auch erzählt, dass sie Maurice lediglich als eine Internet-Bekanntschaft ansah, für die sie eigentlich nur Mitleid empfand.“

Alyssa B. soll gegen Willen ihrer Mutter Kontakt gehalten haben

Dennoch hielt die 14-Jährige offenbar den Kontakt. Und das gegen den Willen ihrer Mutter. Denn diese soll nicht gewollt haben, dass ihre Kinder in sozialen Netzwerken unterwegs waren. Sie hatte Angst um ihre Tochter und ihren Sohn, nachdem sich ihr Stiefsohn vor zwei Jahren vor einen Zug geworfen hatte.

Wie die Berliner Morgenpost erfuhr, soll sie eines Tagen entdeckt haben, dass Alyssa einen Account im Netz hatte. In der Folge wurde die 14-Jährige dort gesperrt. Deswegen habe Alyssa vom Computer einer Freundin aus mit anderen Menschen gechattet. Warum sie sich offenbar mehrfach und heimlich mit Maurice getroffen hat, wird ihr Geheimnis bleiben. Fest steht nur, dass sie die Verbindung beenden wollte und Maurice M. ihr in ihrer Heimatstadt auflauerte. Er scheint die Tat geplant zu haben – schließlich hatte der 20-Jährige ein Messer und einen Abschiedsbrief dabei.

Begleiter von Alyssa B. liegt verletzt im Krankenhaus

Ein Begleiter von Alyssa, der mit ihr den gleichen Heimweg hatte, wollte ihr helfen – und wurde selbst verletzt. Er liegt im Krankenhaus. Während des lautstarken Streits soll der 20-Jährige gerufen haben: „Wenn nicht mir mit, dann mit keinem. Sonst bring ich uns beide um.“ Nach der Tat wollte er sich vor einen Zug werfen. Beamte nahmen ihn vorher fest. Eine Mordkommission ermittelt, ein Richter erließ Haftbefehl wegen Heimtücke und niederen Beweggründen.

Seit der Tat ist Seelsorger Klaus Scholz an der Seite der Hinterbliebenen. Nicht zum ersten Mal. „Ich habe der Familie bereits vor zwei Jahren beigestanden, als sie ihren Sohn verloren haben. Es war schlimm. Und schlimm ist, dass ich wieder hier sein muss.“ Der Mann hatte sich sofort auf den Weg gemacht, als er von der Tragödie hörte. Und sah noch die Leiche des Mädchens unter einer Buche liegen – keine 400 Meter von ihrem Zuhause entfernt.