Prozess

Kickbox-Meister soll versucht haben, Rocker zu töten

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In Cottbus wird ein Prozess gegen drei Männer verhandelt, die versucht haben sollen, einen Ex-Hells Angel zu töten. Einer der Angeklagten ist der ehemalige Deutsche Meister im Kickboxen.

Der Angriff auf ein Ex-Mitglied der Rockergruppe Hells Angels wird seit Mittwoch am Landgericht Cottbus unter strengen Sicherheitsvorkehrungen verhandelt. Die drei Tatverdächtigen, darunter ein rechtsradikaler Kickboxer, sollen ihr Opfer Anfang Februar in Cottbus mit Schlägen und Tritten misshandelt und mit Stichen lebensgefährlich verletzt haben. Der Mann konnte nur durch eine Notoperation gerettet werden. Die Verhandlung wurde nach dem Verlesen der Anklageschrift vertagt.

Anlass für die Attacke soll ein Streit um eine Frau gewesen sein. Das spätere Opfer soll den Hauptverdächtigen mit einem Messer aufgefordert haben, sich für eine Beleidigung der Frau zu entschuldigen. Als Antwort bekam er Tritte und Schläge in Kickboxmanier, danach holte der Angreifer Verstärkung. Die mit Messern und Macheten bewaffneten Männer lockten den Ex-Rocker laut Anklage zum Tatort und schlugen und stachen auf ihn ein. Die Anklage wirft ihnen versuchten Totschlag und gefährliche Körperverletzung vor.

Angeklagte verweigern zu Prozessbeginn die Aussage

Zum Prozessauftakt erklärten die drei Angeklagten über ihre Anwälte, sich vorerst nicht zu äußern. Damit scheiterte eine von der Staatsanwaltschaft angestrebte Verständigung. Diese hatte niedrigere Haftstrafen für Geständnisse angeboten. Die Anwälte wollten jedoch Bewährungsstrafen für ihre Mandanten erreichen. Deshalb müssen nun zahlreiche Zeugen gehört werden, die ersten am 16. Oktober.

Vor Beginn der Verhandlung wurden am Eingang die Zuschauer scharf kontrolliert. Darunter waren auch Anhänger der in Cottbus seit vergangenem Jahr verbotenen Hells Angels in ziviler Kleidung. Mehrere Polizisten trennten im Saal die Rocker-Sympathisanten von den anderen Zuschauern.

Der Hauptangeklagte und ehemalige Deutsche Meister im Kickboxen wurde nach dem Angriff auf den Ex-Rocker mit Haftbefehl gesucht. Die österreichische Polizei nahm ihn im Frühjahr fest, als er im Auto in dem Alpenland zu einer privaten Feier unterwegs war. Zuvor fiel er bereits mit Kontakten zu Neonazis auf. So war er im Mai 2011 mit anderen Mitgliedern des Cottbuser Kickbox-Teams bei einer sogenannten Hitler-Gedenkfeier auf der spanischen Ferieninsel Mallorca. Danach musste er wie die anderen Teilnehmer eine Geldstrafe wegen Volksverhetzung zahlen. Er trat 2012 aus dem Kickboxverein aus, der sich später unter öffentlichem Druck von Rechtsextremen distanzierte.

( dpa/alu )