Interview

Wie das Museum Barberini zum Publikumsmagnet werden soll

Peter Joch wird künstlerischer Direktor des neuen Potsdamer Kunstmuseums im Palast Barberini. Ein Gespräch über Traumprojekte, die Konkurrenz in Berlin und die Zusammenarbeit mit Hasso Plattner.

Foto: André Hirtz

„Das Museum Barberini ist mein Traumprojekt. Unwiderstehlicher kann ein Ausstellungshaus kaum sein“, sagt Peter Joch, der künftige künstlerische Direktor. Der 50-Jährige wird im November seine Arbeit in Potsdam aufnehmen. Seit zwölf Jahren leitet der promovierte Kunsthistoriker die Kunsthalle Darmstadt.

Berliner Morgenpost: Herr Joch, als Künstlerischer Direktor werden Sie das von Hasso Plattner gestiftete neue Museum Barberini in Potsdam aufbauen – und dann nach dessen geplanter Fertigstellung Ende 2016 auch leiten. Was erwartet die künftigen Besucher?

Peter Joch: Oft zu sehen sein wird im Museum Barberini garantiert Hasso Plattners Sammlung ostdeutscher Kunst, die sich im Aufbau befindet. Die Sammlung umfasst sowohl Werke der DDR-Zeit als auch Arbeiten, die nach der Wende entstanden. Gerade dieser Zeiten übergreifende Charakter macht den Werkblock so interessant. Zu den Künstlern gehören unter anderem Wolfgang Mattheuer, Werner Tübke, Bernhard Heisig, Willi Sitte und Arno Rink. Das Haus soll aber auch mit spannenden Wechselausstellungen Besucher anziehen. Bei der Eröffnungsschau beispielsweise werden wir herausragende Werke des europäischen Impressionismus präsentieren. Gemälden von Claude Monet und Camille Pissarro werden Sie dort genauso begegnen wie den lichtdurchfluteten Welten von Pierre-Auguste Renoir.

Hasso Plattner hatte nach dem Streit über den Standort anstelle des Hotel-Betonklotzes „Mercure“ ja erwogen, die Kunsthalle auf seinem Privatgrundstück am Griebnitzsee aufzubauen. Jetzt wird es doch die Stadtmitte und keine moderne Kunsthalle, sondern ein Museum im bis dahin wiederaufgebauten Palais Barberini.

Ja, und das ist wunderbar. Das Konzept ist meines Erachtens städtebaulich optimal. Wenn man derzeit auf dem Alten Markt am wiederaufgebauten Potsdamer Stadtschloss steht, geht der Blick in Richtung Wasser ja fast verzweifelt ins Leere. Bald aber wird dort der rekonstruierte Palast Barberini, den Friedrich der Große einst nach italienischem Vorbild errichten ließ, die Geschlossenheit des Platzes wiederherstellen. Das Gebäude mit zwei Seitenflügeln wird an der originalen Stelle zur Alten Fahrt hin errichtet, mit Freitreppen zum Wasser. Ich freue mich dabei besonders über unseren Nachbarn am Alten Markt, das Potsdam-Museum mit seinen vielfältigen Angeboten.

Sie sind seit zwölf Jahren Direktor der Kunsthalle Darmstadt. Wie kamen Sie zu der neuen Aufgabe? Kennen Sie Hasso Plattner schon länger?

Wir lernten uns aufgrund einer Ausschreibung kennen, die zunächst vor allem den Sammlungsaufbau betraf. Herr Plattner und ich entdeckten in ausführlichen Gesprächen, dass seine Vorstellungen als Stifter beziehungsweise Sammler und meine programmatischen Ansätze sehr gut harmonieren. Das hat mich ungeheuer gefreut. Mir war sehr rasch klar: Das Museum Barberini ist mein Traumprojekt. Unwiderstehlicher kann ein Ausstellungshaus kaum sein.

Inwiefern stimmen Ihre Vorstellungen überein?

Wir sind uns darin einig: Das Barberini soll ein Museum werden, das thematisch Brücken schlägt. An einem Ort wie Potsdam ist es unumgänglich, über Geschichte nachzudenken. Und Geschichte soll auch einer der zentralen Motivkreise der Themenausstellungen werden. Zudem weist die Historie des Baus selbst ja nun auch merkwürdige Pointen genug auf: Eine 1771 bis 1772 vom Preußenkönig errichtete Kopie des Palazzo Barberini in Rom, im Nazi-Weltkrieg halb zerstört, vom DDR-Regime abgeräumt, wird nun wieder aufgebaut – und dieses Haus zeigt mehr als zwei Jahrzehnte nach der politischen Wende DDR-Kunst. Das ist für mich ein rasanter Zickzacklauf in der Geschichte, der wirklich zum Nachdenken anregen kann.

Wer werden Ihre Besucher?

Wir wollen nicht nur Leute in der Kunstszene erreichen, sondern möglichst viele Menschen für unser Museum interessieren. So planen wir spannende Themenausstellungen. In Darmstadt waren beispielsweise „Baby Body“ – das Motiv Säugling in der zeitgenössischen Kunst, Märchen – oder „Mensch Maschine“ genauso erfolgreich wie unsere großen historischen Ausstellungen zum Werk von Ernst-Ludwig Kirchner, Andreas Feininger oder zur Fotografie des Bauhauses.

Wohin kommt Mattheuers „Jahrhundertschritt“?

Im Museum Barberini werden wir auf drei Stockwerken und 4000 Quadratmetern viel Spielraum haben, unterschiedliche Programmlinien zu entwickeln. Unser Ziel, spannende Begegnungen mit Kunst zu vermitteln, werden wir schon im Außenbereich ankündigen. Wolfgang Mattheuers fünf Meter hohe Monumentalskulptur „Der Jahrhundertschritt“ mit Hitlergruß und geballter Faust soll im Innenhof zwischen den Seitenflügeln des Barberini aufgestellt werden und auf die Paradoxien der Geschichte, den gehetzten Lauf Deutschlands zwischen politischen Extremen, verweisen.

Im Inneren soll das Palais Barberini modern gestaltet sein, äußerlich wird es original aufgebaut?

Es wird wohl auch äußerlich einige Abweichungen vom historischen Original geben. Diskutiert wurde in der Presse ja bereits ausführlich über eine Einfahrt zum Markt hin für die Anlieferung der Exponate.

Wie ist der Zeitplan?

Wir rechnen mit drei Jahren Bauzeit. Mitte November 2016 soll das Gebäude schlüsselfertig sein.

Fürchten Sie die Konkurrenz in Berlin?

Nein. Je lebendiger eine Kulturszene ist, desto besser können sich die Institutionen gegenseitig unterstützen. Eine quirlige kulturelle Szene bietet einfach viele spannende Möglichkeiten der Vernetzung. Wir planen deshalb auch Kooperationen mit Berliner Häusern – genauso aber auch mit bekannten Institutionen anderer Metropolen.

Woran denken Sie da?

Es ist leider noch zu früh, Einzelheiten zu nennen. Aber ich werde sobald wie möglich berichten …

Werden Sie nach Potsdam ziehen?

Ja, unbedingt. Ich trete Mitte November dieses Jahres offiziell meine Stelle in Potsdam an. Meine Frau und ich suchen für uns und unseren dreijährigen Sohn jetzt in gegebener Eile nach einer Wohnung. Geboren bin in Krefeld am Niederrhein, habe in Aachen, Rom, Berlin, Basel und eben in Darmstadt gelebt. Meine Zeit in Darmstadt empfand ich als sehr positiv. In den zwölf Jahren meiner Tätigkeit dort konnte ich wirklich spannende Projekte verwirklichen. Jetzt freuen wir uns aber auf Potsdam. Seit ich vor vielen Jahren Urlaub in Potsdam gemacht habe, bin ich begeistert von dieser Stadt.