So ganz kann Achim Bednorz dem Alten Fritz nicht verzeihen. 40 Meter musste sich der Fotograf wegen des dickschädeligen Preußenkönigs per Kran in die Höhe heben lassen. „Nur weil der auf seinem Entwurf bestand. Auch gegen den Willen seines Architekten von Knobelsdorff.“
Sanssouci wollte Bednorz ablichten – „aber ohne die Weinbergterrassen, die die Optik des Gebäudes beschneiden“. Eine echte Bausünde des 18. Jahrhunderts habe sich der Herrscher da geleistet. Hilft nichts, gerade das Vorzeigestück der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten (SPSG) wollte der Fachmann spektakulär in Szene setzen.
Und scheute dafür keinen Aufwand, harrte wegen des richtigen Sonneneinfalls eine halbe Stunde lang hoch über den Baumwipfeln auf der Plattform der mobilen Hebebühne aus. „Mit zitternden Knien und grummelndem Magen“, wie der Kölner gesteht. Der Grund: Bednorz sollte Fotos für einen neuen Bildband über Potsdam abliefern.
Neues Palais, Neuer Garten, Charlottenhof und Café Seerose
Bednorz’ Luftbild vom „Weinbergschloss“ ist prominent in Szene gesetzt. Fontäne, Kupferkuppel und gelbe Fassade breiten sich auf 1,20 Meter ausklappbarem Altarfalz im 180-Grad-Panorama aus. Auf 350 weiteren Fotos ist festgehalten, was die Landeshauptstadt seit ihrer Ernennung zur Residenzstadt der Hohenzollern zu bieten hat.
Neues Palais, Neuer Garten, Charlottenhof, die Schlösser Babelsberg und Glienicke reihen sich neben Bauten auf der Pfaueninsel oder den Schlössern Caputh und Paretz. Geschichte für die Augen im Abriss von zwei Jahrhunderten.
Die Moderne fehlt keineswegs. Ulrich Muthers und Dieter Athings Café Seerose, der am mexikanischen Vorbild orientierte Schalenbau, hat als Beleg der Ostmoderne Anfang der 80-er Jahre ebenso Eingang in den gewichtigen Band gefunden wie das derzeit in der Diskussion stehende, vom Architektenkollektiv Sepp Weber 1966/67 in Plattenbeton gegossene Hotel Mercure.
Die Ausstellung Friederisiko behinderte die Arbeiten
Zwei Jahre hatte Bednorz Zeit, mit seiner Digitalkamera in Potsdam umherzustreifen. Dort, wo gekrönte Häupter lustwandelten, Tee zu sich nahmen oder entspannten. Fotoexkursionen, die nur mit Zustimmung der SPSG möglich wurden. „Die Zusammenarbeit war hervorragend“, schwärmt Herausgeber Rolf Toman. Im Herbst 2011 sei der Verlag an die SPSG herangetreten, habe um Unterstützung gebeten. Und sie bekommen. Trotz mancher Hürde.
„Wegen der im Jubiläumsjahr 2012 laufenden Ausstellung Friederisiko im Neuen Palais konnte der Fotograf dort nur Details ablichten.“ Als Bednorz allerdings das Belvedere auf dem Klausberg in den Zoom nehmen wollte, habe er ungehindert aufs Dach des Neuen Palais steigen dürfen. Selbst die Türen von für die Besucher sonst verschlossenen Gebäuden hätten sich geöffnet.
„Der Blick in die Römischen Bäder ist einzigartig“, so Toman. Noch sind die Räume kontaminiert. Betreten verboten. Das giftige Holzschutzmittel habe auch den Aufenthalt von Bednorz in den Bädern begrenzt. „Gerade einmal 20 Minuten durfte ich dort bleiben. Aber das Ergebnis ist beeindruckend.“
444 Seiten im XXL-Format wiegen fünf Kilo
SPSG-Marketing-Chef Heinz Buri kommentiert es mit einem Lächeln. Bildbände des preußischen Erbes gebe es bereits etliche. „Dieser Band ist etwas Besonderes“, sagt er. Allein schon wegen des XXL-Formats. Immerhin bringen es die 444 Seiten auf fünf Kilo. „Das Buch steckt man sich auf keinen Fall so einfach in die Tasche“, sagt Buri.
5000 Stück des Buches und damit eine eher kleine Auflage wirft der Ullmann-Verlag auf den Markt. Kein reiner Fotoband. Kunsthistorikerin Barbara Borngässer hat in komprimierter Form Fakten und Interpretationen beigesteuert.
„Potsdam – Kunst, Architektur und Landschaft“ von Barbara Borngässer, Rolf Toman und Achim Bednorz, Einführungspreis 79 Euro, ab dem Jahr 2014 dann für 99 Euro












