Jugendheim

Haasenburg gibt Standort Jessern erst einmal auf

Nach dem Belegungsstopp für ihr Heim in Jessern hat die Haasenburg GmbH nach eigenen Angaben rund 40 Mitarbeitern gekündigt. Die Jugendlichen sind an anderen Standorten der Haasenburg untergebracht.

Foto: Patrick Pleul / dpa

Die Haasenburg GmbH betreibt das Kinderheim in Jessern (Dahme-Spreewald) nach dem vom brandenburgischen Bildungsministerium verhängten Belegungsstopp vorerst nicht weiter. Wie Haasenburg-Sprecher Hinrich Bernzen der Berliner Morgenpost sagte, sind die dort bislang untergebrachten Kinder und Jugendliche stattdessen in den Heimen in Neuendorf am See (Dahme-Spreewald) und Müncheberg (Märkisch-Oderland) untergebracht worden. „Wir gehen aber davon aus, dass wir alle drei Standorte behalten werden“, sagte Bernzen.

Der Heim-Betreiber hat wegen des Aufnahmestopps eigenen Angaben zufolge rund 40 Mitarbeitern gekündigt. „Nach der Betriebserlaubnis ist die Zahl der Mitarbeiter an die Betreuungszahl gekoppelt“, so Bernzen. Derzeit seien 57 Kinder und Jugendliche in den Haasenburg-Einrichtungen in Brandenburg, 115 könnten untergebracht werden.

Zwei Wochen vor Ablauf des befristeten Belegungsstopps für die umstrittenen Jugendheime mit geschlossenen Unterbringungsplätzen ist weiter offen, ob das Aufnahmeverbot verlängert wird. Die Gespräche mit dem Betreiber würden geführt, sagte Bildungsministerin Martina Münch (SPD) diese Woche im Bildungsausschuss des Landtags in Potsdam. Ein Gerichtsverfahren der Haasenburg GmbH gegen das Land war während der laufenden Gespräche ausgesetzt worden.

Gespräche angesetzt

Der bis Ende August befristete Aufnahmestopp war am 9. Juli nach Misshandlungsvorwürfen Jugendlicher ausgesprochen worden, weil die notwendige Ruhe in der Eingewöhnungsphase neu aufgenommener Jugendlicher nach Auffassung des Ministeriums nicht mehr gewährleistet war.

Für nächsten Dienstag hat das Landesjugendamt bundesweit Vertreter aller Jugendämter zu Gesprächen eingeladen, die Minderjährige in die Haasenburg geschickt haben. Vertreter von rund 20 Jugendämtern aus mehreren Bundesländern haben nach Ministeriumsangaben inzwischen zugesagt. Bundesweit gibt es etwa 500 Jugendämter in den Kommunen, von denen jedoch nicht alle die Haasenburg nutzen. Eine Verlängerung des Aufnahmestopps müsse genau geprüft werden, betonte Münch. Falls der Bescheid vor Gericht verworfen werde, kämen unter Umständen hohe Schadenersatzforderungen des Betreibers auf das Land zu.

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