Baupläne

Studenten können bald täglich Hollywood-Luft schnuppern

Auf dem Areal des Filmparks Babelsberg soll ein Campus mit bis zu 400 Wohnungen entstehen. Auch ein Themenhotel, Einkaufsmöglichkeiten und Büros sind geplant. Rund 50 Millionen Euro soll das kosten.

Foto: Patrick Pleul / dpa

Rund eine halbe Million Menschen hat es allein im vergangenen Jahr in den Filmpark Babelsberg gezogen, um dort zu sein, wo es ganz großes Kino gibt. Schon bald könnten die Filmfans den Stars und Sternchen noch viel näher sein. Denn auf dem Gelände des Filmparks sollen jetzt auch noch Wohnungen und ein Hotel entstehen. Am Dienstag stellte Filmpark-Geschäftsführer Friedhelm Schatz Einzelheiten des Millionen-Projekts vor, das unter dem Namen „Campus am Filmpark“ vermarktet wird.

Demnach soll im Norden des Geländes auf einer 2,5 Hektar großen Fläche ein Campus mit bis zu 400 Studentenwohnungen sowie Apartmenthäuser für wissenschaftliche Mitarbeiter entstehen. Schatz plant auf dem Areal zwischen Stahnsdorfer Straße und Marlene-Dietrich-Allee zudem einen Gewerbebereich mit Büros, Konferenzräumen sowie Einkaufsgelegenheiten für die aktuell etwa 2500 Mitarbeiter der Medienstadt Babelsberg. Schatz kalkuliert die dafür notwendigen Investitionen auf etwa 50 Millionen Euro.

Investoren gesucht

Der Geschäftsführer, der seit 2003 gemeinsam mit seinem Berliner Geschäftspartner Ekkehard Streletzki Eigentümer von etwa der Hälfte der Flächen im insgesamt 44 Hektar großen Film- und Medienstadt Babelsberg ist, will das Geld für das neue Campus-Areal allerdings nicht selbst aufbringen. „Wir sind da in konkreten Verhandlungen mit mehreren Investoren“, sagte der Münchner der Berliner Morgenpost. Am weitesten sei die Suche bereits für den Wohnungsbau gediehen. „Ich rechne da mit einem Vertragsabschluss bis Ende des Jahres“, sagte Schatz. Offen ist hingegen noch, wer das Hotelprojekt realisiert. Ein Vorteil bei den Verhandlungen sei, dass das Baurecht bereits besteht. „Seit 2004 gibt es einen Bebauungsplan“, so Schatz. Wenn alles gut läuft, könnten alle Neubauten in zwei bis drei Jahren stehen.

Wichtig ist Schatz bei den Gesprächen mit den Investoren, dass die neuen Wohn- und Geschäftsbauten, aber auch das Hotel zum Umfeld passen: „Es muss da klare Bezüge zum Filmpark geben, ich will keine 08/15-Architektur.“ So wünscht sich Schatz etwa für das Wohnquartier große Stellwände, auf denen Filmplakate angebracht werden könnten. Noch konkreter sind seine Vorstellungen für das gleichfalls geplante Gästehaus. „Es muss ein Themenhotel sein – das könnte etwa einen Nosferatu-Room oder eine Miss-Piggy-Suite haben“, so der Filmparkchef. Für das Campusprojekt muss indes eine der berühmtesten Filmkulissen des Studios Babelsberg weichen. An der „Berliner Straße“ hatte Regisseur Leander Haußmann Ende der 90er-Jahre die vielfach preisgekrönte Komödie „Sonnenallee“ gedreht. „Am Jahresende läuft die Baugenehmigung aus und kann auch nicht mehr verlängert werden“, bestätigte Studio-Sprecher Eike Wolf. „Die Gespräche laufen, an anderer Stelle ein modernes Außenset neu zu errichten, wo Green-Screen- und Virtual-Backlot-Aufnahmen möglich sind.“

„Medienstandort Nummer Eins“

Der Filmpark knüpft an die lange Tradition des Medienstandorts an. Er liegt auf dem Gelände des mehr als 100 Jahre alten Filmstudios Babelsberg, wo einst Filme wie „Der blaue Engel“ mit Marlene Dietrich entstanden. Auf dem Gelände befindet sich auch der Außenset der RTL-Serie „Gute Zeiten, Schlechte Zeiten“ (GZSZ), Deutschlands erster täglich ausgestrahlter Seifenoper.

„Für mich ist Babelsberg Deutschlands Medienstandort Nummer Eins“, sagt Schatz voller Selbstbewusstsein. Danach sah es lange nicht aus. Nach der deutschen Wiedervereinigung hatte der französische Konzern Vivendi das geschichtsträchtige Studiogelände von der DDR-Filmgesellschaft Defa übernommen. Vor zehn Jahren zog sich Vivendi jedoch aus Babelsberg zurück. Schatz und sein Geschäftspartner Ekkehard Streletzki (unter anderem Betreiber des Estrel-Hotels in Neukölln) ergriffen 2003 die Chance und kauften den Franzosen rund 20 Hektar Flächen. Beinahe nebenbei gründete Schatz 2005 den Kinder-Sender „Radio Teddy“ und kaufte 2006 die in Konkurs geratene Westernstadt El Dorado im uckermärkischen Templin auf. Offenbar, ohne sich finanziell dabei zu übernehmen.

„Wir sind jetzt an dem Punkt, in Babelsberg die nächsten Entwicklungsschritte gehen zu können“, sagt Schatz. Mit dem durchaus erfolgreichen Nebeneinander von Filmpark, Hochschule für Film und Fernsehen, Ufa-Produktion, Studio Babelsberg und den Einrichtungen des Rundfunks Berlin-Brandenburg (RBB) bestehe ein Potenzial, das noch nicht vollständig erschlossen ist. Nachholbedarf sieht der Babelsberg-Visionär Schatz längst nicht nur bei den Themen Wohnen und Hotellerie. „Ich kann mir da noch ganz andere Dinge vorstellen: Etwa Neu-Ansiedlungen im IT-Bereich oder bei den Medien.“