Die Befragungen zu den Misshandlungsvorwürfen in den Haasenburg-Heimen dauern an. „Wir lassen uns Zeit“, sagte der Sprecher des Bildungsministeriums, Stephan Breiding, am Freitag auf Anfrage. Mit einem Jugendlichen konnte bereits gesprochen werden. Mit den beteiligten Mitarbeitern sei das im Moment nicht möglich, da sie im Urlaub seien. Es gebe derzeit keinen Grund, Druck zu machen. „Wir wollen gründlich aufklären“, sagte er. Drei Jungen waren vergangene Woche nach Darstellung ihres Hamburger Anwalts Rudolf von Bracken vor Gewalttaten und Demütigungen ausgerissen. Einer ist noch auf der Flucht.
Der Anwalt wies unterdessen Darstellungen zurück, die Jugendlichen hätten ihre Vorwürfe gegen Erzieher und Betreuer zurückgenommen, wie Medien das berichtet hatten. „Ich habe am Freitag mit beiden Jugendlichen telefoniert. Sie haben nicht einen Vorwurf zurückgezogen“, sagte von Bracken. Sie seien vor jedem Gericht der Welt bereit, das zu wiederholen.
Junge sagt, er sei von einem Erzieher in die Mülltonne gesteckt worden
Die drei Jungen waren vergangene Woche nach Angaben ihres Anwalts aus Furcht vor Demütigungen und Misshandlungen ausgerissen. Zwei sind wieder zurückgekehrt, einer ist noch auf der Flucht. Er habe unter anderem davon berichtet, dass er von einem Erzieher in eine Mülltonne gesteckt worden sei, schrieb die Tageszeitung „taz“ am Samstag. „Ich bin gefühlskälter geworden“, sagte der Junge demnach zu seiner Zeit in dem Heim. „Ich will auf keinen Fall zurück.“
Der Brandenburger CDU-Landeschef Michael Schierack warnte vor überstürzten Forderungen nach einer Schließung der Heime. Eine geschlossene Unterbringung von Jugendlichen, die sich oder andere gefährdeten, könne im Einzelfall sinnvoll sein, sagte er. „Psychiatrie oder Gefängnis sind für uns keine Alternativen.“ Die Vorwürfe müssten aufgeklärt werden. Das dürfe nicht zur Vorverurteilung genutzt werden.
Ministerin Münch will Haasenburg-Heim erst mal offenhalten
Brandenburgs Bildungsministerin Martina Münch (SPD) lehnt eine sofortige Schließung der Haasenburg-Heime nach den Misshandlungsvorwürfen ab. Die Frage sei, was dann mit den dort untergebrachten jungen Menschen passieren könne, sagte die Ministerin dem Radiosender NDR Info. Der Beitrag wird am Sonntag gesendet.
Eine von Münch eingesetzte Kommission untersucht, wie das Konzept der Heime zu bewerten ist. Ende des Jahres werde mit Ergebnissen gerechnet, so die Ministerin. Sie hoffe, dass an den neuen Vorwürfen nichts mehr dran sei, sagte Münch. Kritik sei überwiegend in den vergangenen Jahren – noch vor 2010 – erhoben worden. Damals seien Auflagen und Beschäftigungsverbote erteilt worden. Die gegenwärtige Suspendierung von Mitarbeitern stünde in Zusammenhang mit neuen Anschuldigungen von drei Jugendlichen.
Nach Angaben von Münch handelt es sich bei den Insassen um junge Menschen, bei deren Leben sehr vieles schiefgelaufen ist. Sie hätten zum Teil eine kriminelle Karriere hinter sich, viele hätten aber auch selbst Gewalt erfahren.
dpa/seg





