Trotz der Misshandlungsvorwürfe gegen Mitarbeiter der Haasenburg-Heime in Brandenburg ist am Mittwoch ein ausgerissener Jugendlicher aus Hamburg in eine der umstrittenen Einrichtungen zurückgeschickt worden.
Das Amtsgericht Bergedorf habe entschieden, dass der Jugendliche in der Brandenburger Einrichtung bleiben solle, sagte ein Sprecher der Hamburger Sozialbehörde. Scharfe Kritik an Sozialsenator Detlef Scheele (SPD) kam von Linken und Grünen.
Am Dienstag waren nach Angaben des Brandenburger Bildungsministeriums drei Haasenburg-Mitarbeiter suspendiert worden, weil die Vorwürfe gegen sie noch nicht ausgeräumt werden konnten. Die Heime waren in die Kritik geraten, weil Kinder und Jugendliche drangsaliert worden sein sollen.
Die Staatsanwaltschaft Cottbus ermittelt. Die Hamburger Sozialbehörde hatte erklärt, sie könne nicht bestätigen, dass es aktuell zu Übergriffen des Personals gegen Hamburger Minderjährige gekommen sei.
Den Jungen „zu seinen Peinigern“ in das geschlossene Heim zurückbringen, sei „absolut unverständlich und grausam“, sagte die innenpolitische Sprecherin der Linken in der Hamburgischen Bürgerschaft, Christiane Schneider.
Nach Angaben des rbb hat ein aus dem Heim geflohener Junge die Vorwürfe mittlerweile zurückgezogen. Das habe die Hamburger Sozialbehörde mitgeteilt.
Drei geflüchtete Jugendliche hatten die drei Mitarbeiter belastet, die Brandenburgs Jugendministerin Martina Münch (SPD) am Dienstag suspendiert hatte. Dem rbb sagte Münch am Mittwoch, wenn dieser Jugendliche sage, er habe das wieder zurückgenommen, dann müsse sie das zur Kenntnis nehmen. Sollten sich die Vorwürfe gegen die betroffenen Erzieher nicht bestätigen, dann werde das Beschäftigungsverbot auch nicht aufrecht erhalten, so Münch.
Jugendhilfe-Träger wehrt sich mit Offenem Brief
Nach dem Belegungsstopp des Landes Brandenburg für die umstrittenen Haasenburg-Heime hat der Jugendhilfe-Träger in einem Offenen Brief das Vorgehen des Bildungsministeriums kritisiert. Offizielle Weisungen der zuständigen Behörden zu dem am Dienstagabend bekannt gegebenen Belegungsstopp und einem vermeintlichen „Beschäftigungsverbot“ für mehrere Mitarbeiter lägen bislang nicht vor, heißt es in dem am Mittwoch in Hamburg im Internet verbreiteten Brief.
Die Beschäftigten der Haasenburg GmbH empfänden „diese Form von öffentlichen Verlautbarungen als Vorverurteilung auf Druck der Presse, gegen die sie sich nicht wehren können“, heißt es weiter in dem Offenen Brief. Die Behörden seien zu jedem Zeitpunkt über Vorkommnisse in den Einrichtungen informiert gewesen. Die Berichterstattung in den Medien habe jedoch inzwischen eine Dynamik erreicht, „bei der eine sachliche Auseinandersetzung offenbar nicht mehr möglich“ sei.
Seit Wochen und teilweise bereits seit Monaten werde immer wieder über die gleichen Vorwürfe berichtet, die „auf den Aussagen der gleichen Heimbewohner und des gleichen ehemaligen Mitarbeiters“ basierten, heißt es weiter. Die Vorwürfe seien allen Behörden seit einiger Zeit bekannt, die Geschichten würden jedoch immer wieder anders erzählt.
Für ein Verbot von Neuaufnahmen durch das Land Brandenburg gebe es derzeit „keine Grundlage“, sagte Haasenburg-Sprecher Hinrich Bernzen am Mittwoch in Hamburg. Der Jugendhilfe-Träger setze auf die inzwischen eingesetzte unabhängige Untersuchungskommission in Brandenburg. Alle Vorwürfe gegen die Einrichtungen müssten „schnell und umfangreich“ aufgeklärt werden.
Brandenburgs JugendministerinMünch hatte am Dienstagabend bekannt gegeben, dass die Haasenburg-Einrichtungen vorläufig keine neuen Kinder und Jugendlichen mehr aufnehmen dürfen. Aufgrund der aktuellen Vorwürfe, täglich neuer Hinweise und wegen der Schwere der Vorwürfe könne sie derzeit nicht verantworten, weitere Kinder und Jugendliche dort unterzubringen, erklärte Münch.
70 Minderjährige aus 14 Bundesländern
Die derzeit in der Haasenburg untergebrachten mehr als 70 Minderjährigen aus 14 Bundesländern sollen jedoch nicht aus den Heimen herausgenommen werden, betonte Münch. Es sei wichtig, sie nicht „aus einer laufenden Hilfe- und Unterstützungsmaßnahme abrupt“ herauszureißen. FDP, Grüne und Linke im brandenburgischen Landtag forderten am Mittwoch, die Einrichtungen bis zur Klärung der Vorwürfe zu schließen.
Zur Suspendierung von drei Mitarbeitern der Haasenburg-Heime im Zusammenhang mit Misshandlungsvorwürfen Jugendlicher sagte Bernzen, dies sei „ein normaler Vorgang“, der vom Träger selbst veranlasst worden sei. Eine vorübergehende Freistellung von der Arbeit bis zur abschließenden Klärung der Vorwürfe diene sowohl dem Schutz der Jugendlichen als auch der Mitarbeiter unter anderem vor „eskalierenden Konfliktsituationen“ und sei in solchen Fällen üblich.
Ob der vorläufige Belegungsstopp unmittelbare Auswirkungen auf die Haasenburg-Heime haben werde, sei noch offen, hieß es. „Es ist ja nicht so, dass täglich neue Jugendliche ankommen“, sagte Bernzen.
Die Haasenburg-Einrichtungen würden bereits jedes Jahr unter anderem durch mehrere hundert Besuche von verschiedenen Jugendämtern kontrolliert, sagte Bernzen. Es seien „praktisch täglich“ Vertreter von Behörden aus verschiedenen Bundesländern vor Ort. Dabei seien keine Kindeswohlgefährdungen festgestellt worden.
dpa/EPD/sei





