Anschuldigungen

Fixiergurte und Drill - Ex-Insassin zeigt Kinderheim an

Im Kinderheim vom Schwielochsee sollen einem Bericht zufolge Kinder so brutal behandelt werden, dass Frakturen entstanden sind. Auch Fixiergurte würden eingesetzt. Eine Betroffene erstattete Anzeige.

Foto: Roland Mühlanger / picture alliance / Roland Mühlan

In den Heimen der Haasenburg GmbH soll brutaler Drill herrschen. Nach Angaben der Tageszeitung „taz“ sollen Kinder und Jugendliche dort mit so brutalen Antiaggressionsmaßnahmen behandelt worden sein, dass Frakturen entstanden sind. Im Antiaggressionsraum habe man mit Fixiergurten gearbeitet. Außerdem sollen Medikamente verabreicht worden sein, die erhebliche Nebenwirkungen haben und die Entwicklung der Kinder und Jugendlichen irreversibel gefährden.

Die Haasenburg GmbH ist eine Firma, die geschlossene Kinderheime betreibt und dafür Geld vom Staat bekommt. Eines dieser Heime befindet sich am Schwielochsee im Osten Brandenburgs, in Jessern. Die dort und in den anderen Heimen eingewiesenen Jungen und Mädchen sind laut „taz“ meist zwischen zwölf und 16 Jahre alt.

Viele stammten aus Familien, in denen Alkohol, Arbeitslosigkeit und sexueller Missbrauch zum Alltag gehörten, heißt es. Die Kinder seien irgendwann so auffällig, dass der Paragraf 1631b des Bürgerlichen Gesetzbuches greife, das heißt Freiheitsentzug bei Kindern. Eine ehemalige Insassin soll wegen der brutalen Behandlung nach ihrer Entlassung Anzeige erstattet und sich an das Bundesfamilienministerium und das Landesjugendamt gewandt haben. Bislang erfolglos.

In Hamburg warnte die Ver.di-Fachgruppe Soziales, Kinder und Jugendhilfe (SKJ) im April die dortigen Jugendämter. Angesichts der bekannt gewordenen „kindeswohlgefährdenden Zustände“ dürfen die Behörden keine Kinder mehr in die Heime der Firma schicken.