Drei Viertel der Einwohner haben wegen des Hochwassers die Elbestadt Mühlberg im Landkreis Elbe-Elster bis Sonnabendvormittag verlassen. Die Evakuierung des Ortes mit rund 4230 Einwohnern war am Freitag nach Ausrufung des Katastrophenfalles angeordnet worden.

Nach Angaben des zuständigen Dezernenten für Recht, Ordnung und Sicherheit des Landkreises, Dirk Gebhard, kam ein großer Teil der Betroffenen bei Bekannten, Verwandten und Freunden unter.

57 Menschen verbrachten die Nacht in den Notunterkünften, 52 sind in derzeit in Altersheimen und Pflegeeinrichtungen untergebracht. Einige Bürger wollten trotz Warnung weiter in ihren eigenen vier Wänden bleiben.

Doch einige Mühlberger sind auch geblieben. So wie Familie Christen, die die Berliner Morgenpost besucht hat.

Alfred Christen ist Pferdefleischer in der dritten Generation, seit 1975 führt er den Betrieb am Neustädter Markt in Mühlberg. „Unsere zwölf Pferde haben wir schon am Mittwoch nach Altenau in Sicherheit gebracht, zusammen mit den zwei Rindern“, erzählt der 77-Jährige. Die 70 Kaninchen jedoch mussten in Mühlberg bleiben, weil sie Junge haben, die nicht in der Gruppe transportiert werden können. Um die Tiere kümmert sich seine Schwiegertochter Silke (47).

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Ob Sie Angst haben, weil sie deswegen in der Stadt bleiben müssen? „Wissen Sie, wenn man am Wasser groß wird, sieht man das alles nicht so wild. Und: Wenn der Damm bricht, ist es für alle schlimm“, sagt Alfred Christen.

Die bereits produzierten Fleisch- und Wurstwaren wurden von einem befreundeten Kollegen aus Berlin-Heinersdorf mit zwei Kühltransportern weggebracht. Die Produktion steht jetzt still, Familie Christen wartet ab.

Sein Sohn Peter Christen (49) sagt, der „harte Kern“ der Mühlberger sei geblieben. Viele davon müssten wie er bleiben, weil sie ihre Tiere pflegen und versorgen müssen.

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„Andere sind einfach unvernünftig. Dort vorn lebt ein altes Ehepaar, die Frau liegt seit zehn Jahren im Bett, der Mann ist 94 und pflegt sie. Die haben es bisher abgelehnt, den Ort zu verlassen und bekommen einmal am Tag eine Essenslieferung.“

Warum sich das Paar nicht schon am Mittwoch in Sicherheit bringen lassen hat, versteht Christen nicht. Hilfsbedürftige und alte Menschen waren bereits Mitte der Woche mit Bussen in spezielle Notunterkünfte gebracht worden.

cm/sei/dpa