Mit der Abflugroute des neuen Hauptstadtflughafens über den Berliner Wannsee muss sich nun das Oberverwaltungsgericht Berlin-Brandenburg (OVG) beschäftigen. Die Deutsche Umwelthilfe (DUH) habe mit den Kommunen Kleinmachnow und Stahnsdorf sowie drei Privatpersonen gegen das Bundesaufsichtsamt für Flugsicherung beim OVG Klage eingereicht, sagte Geschäftsführer Jürgen Resch am Mittwoch in Berlin. Direkt betroffen sind Kleinmachnow und Stahnsdorf. Die nicht unmittelbar von den Flügen betroffene Stadt Teltow behält sich die Klage vor.
Die Kläger lehnten die Streckenführung über die Gemeinden im Südwesten Berlins sowohl aus Lärmschutz- als auch aus Umweltschutzgründen ab, fügte Resch hinzu. Alternative sei eine Flugroute entlang des südlich um Potsdam herum führenden Autobahnrings. Lärmschutz sei Gesundheitsschutz. Es sei fahrlässig und unverantwortlich, dass die Fluggesellschaften ihre wirtschaftlichen Interessen über das Wohl der Bürger stellten, nur um mit einer unwesentlich kürzeren Streckenführung ein paar Euro zu sparen, sagte der DUH-Geschäftsführer.
„Wannsee-Route ist komplett unnötig“
Der mit der Einreichung der Klage beauftragte Rechtsanwalt Remo Klinger ergänzte: „Die Wannsee-Route ist komplett unnötig.“ Sie produziere Lärm, der vermeidbar sei. Das werde das Gericht nicht akzeptieren, sagte Klinger. Außerdem sei die Festlegung der Flugroute auch handwerklich fehlerhaft, da grundlegende umweltrechtliche Anforderungen nicht beachtet worden seien. Darüber hinaus sei die Umweltverträglichkeit nicht geprüft worden, was jedoch rechtlich vorgeschrieben sei, führte der Rechtsanwalt weiter aus. Ferner würden nach der europäischen Lärmaktionsplanung als „ruhige Gebiete“ bezeichnete Zonen überflogen, was ebenfalls rechtswidrig sei.
Forschungsreaktor ist nicht gegen Flugzeugabstürze geschützt
Sowohl das Umweltbundesamt als auch die Fluglärmkommission teilten die Einschätzung der Kläger, wonach die Wannsee-Route die südwestlich gelegenen Kommunen unnötig mit Lärm belaste, sagte Klinger. Darüber hinaus führe die Flugstrecke unmittelbar in die Nähe des gegen Flugzeugabsturz weitgehend ungesicherten Reaktors des Helmholtz-Zentrums Berlin, was die Risiken im Falle eines Absturzes massiv erhöhe.
Teltows Bürgermeister Thomas Schmidt (SPD) sagte, auch seinem Ort drohe erhöhte Belastung durch Fluglärm, nachdem die Deutsche Flugsicherung angekündigt habe, Abweichungen von der Route erlauben zu wollen. „Deshalb behalten wir uns eine weitere Klage vor.“





