Potsdam

Große Anteilnahme - getötetes Baby beigesetzt

Ein schlichtes Holzkreuz ohne Namen ist das einzige, was auf dem Bornstedter Friedhof an ein kurz vor Weihnachten getötetes Baby erinnert. Unter großer Anteilnahme ist der Säugling beerdigt worden.

Foto: dpa / dpa/DPA

Die Bornstedter Kirche war bis zum letzten Platz gefüllt: Mehr als 100 Menschen haben am Donnerstag Abschied von einem in Potsdam getöteten Baby genommen. Viele legten Blumen nieder.

Der Säugling fand nahe dem Haupteingang auf dem Bornstedter Friedhof seine letzte Ruhe. „Wo bist Du Gott, wenn die Grausamkeit bis zum Himmel schreit“, fragte Pfarrer Friedhelm Wizisla auf der öffentlichen Trauerfeier. „Es zeichnet sich keine Spur ab, die Sinn am Tod des unbekannten, neugeborenen Mädchens macht, das am 23. Dezember 2011 unweit dieser Kirche gefunden wurde.“

Von der Mutter fehlt weiter jede Spur. Die Babyleiche war einen Tag vor Heiligabend bei einem Garagenkomplex in Potsdam-West gefunden worden. Laut Obduktionsergebnis kam das Kind in der Nacht vom 22. auf den 23. Dezember zur Welt und war lebensfähig. Der Leichnam wies Spuren von Gewalt auf, die zum Tod geführt haben könnten. Eine 15-köpfige Mordkommission ermittelt.

Viele Menschen würden noch immer den Kopf schütteln und könnten es gar nicht fassen, was in der Nachbarschaft passiert sei, sagte der Pfarrer. „Wut ist da und viele Fragen: Wie verzweifelt war die Mutter? Gab es keine Familie, Freunde, Bekannte? Lebt sie unter uns oder war sie eine Durchreisende?“, sagte der Geistliche. „Gott, es ist so schrecklich, dass ein Menschenleben durch ein Verbrechen beendet worden ist.“

Elona Müller-Preinesberger von der Potsdamer Stadtverwaltung sagte auf der Trauerfeier, „ich bin noch immer erschüttert über den Tod des Babys und darüber, dass vorhandene Hilfsnetzwerke nicht in Anspruch genommen wurden.“ Auch die Potsdamer Babyklappe unweit des Fundorts der Kinderleiche habe dies nicht verhindern können. „Dieser Tod ist uns Mahnung, noch aufmerksamer, noch sensibler zu sein, damit Signale in der Hektik des Alltags nicht untergehen“, betonte Müller-Preinesberger.

„Es wäre zur Babyklappe nur ein kurzer Weg gewesen“, meinte eine Frau unter den Trauergästen. Sie stellte die Frage, wie verzweifelt die Mutter gewesen sein müsse, ihr Baby einfach wegzuwerfen.