Sportschule Potsdam

Missbrauch - Beschuldigte wieder im Unterricht

Zwei 13- und 14-Jährige sollen an der Potsdamer Sportschule von älteren Schülern sexuell missbraucht worden sein. Nun könnten Opfer und Täter wieder aufeinandertreffen. Die Beschuldigten nehmen wieder am Unterricht teil.

Foto: dapd / dapd/DAPD

Nach den Missbrauchsvorwürfen an der Potsdamer Sportschule „Friedrich Ludwig Jahn“ besuchen die beschuldigten Schüler wieder den Unterricht. Die beiden 16-Jährigen kehrten am Freitag an die Eliteschule zurück, wie ein Sprecher des Bildungsministeriums am Samstag sagte. Er bestätigte einen entsprechenden Bericht der „Märkischen Allgemeinen“. Die Nachwuchshandballer waren suspendiert worden, weil sie im Verdacht stehen, zwei 13- und 14-jährige Mitschüler missbraucht zu haben.

Dass Täter und Opfer in der Schule aufeinandertreffen, sei „nicht auszuschließen“, sagte der Sprecher. Die Gefahr sei gering, weil sie in unterschiedlichen Klassenstufen und Trainingsgruppen seien. Zudem gehe man davon aus, dass von den beiden Jugendlichen „keine Gefährdung“ mehr ausgehe. Sowohl sie als auch die Opfer würden von Lehrern betreut, um das Geschehene aufzuarbeiten. Gegen einen Schulverweis der mutmaßlichen Täter hatte sich die Gesamtlehrerkonferenz entschlossen.

Kommende Woche will die Schule festlegen, welche schulinternen Konsequenzen die beiden 16-Jährigen erwarten. Nach Angaben des Ministeriumssprechers kommen etwa eine öffentliche Entschuldigung oder Sozialarbeit infrage.

Konsequenzen könnte der Missbrauchsfall aber auch für die Sportschule „Friedrich Ludwig Jahn“ haben: Der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) behält sich bis zum Abschluss der staatsanwaltlichen Ermittlungen vor, dem Internat den Elitestatus zu entziehen. „Es geht natürlich auch um die Reputation“, sagte ein DOSB-Sprecher der „Märkischen Allgemeinen“.

Die beiden 16-Jährigen sollen sich Ende September in dem Internat an den zwei Mitschülern vergangen haben. Die Jugendlichen waren geständig, die Staatsanwaltschaft Potsdam ermittelt gegen sie. Obwohl sich die Opfer Betreuern anvertrauten, wurde der Vorfall erst zwei Wochen später durch Strafanzeigen der Eltern und des Wohnheimträgers bekannt. Die gesamte Führungsriege des Internats sowie ein Trainer wurden daraufhin zunächst suspendiert und eine Übergangsleitung eingesetzt.