In Guben hat sich die Hochwasserlage entspannt – das Wasser steigt nicht mehr. Zwei Straßen in der Nähe des Flusses sind jedoch überspült. Das Industriegebiet im Süden der Stadt sei jedoch zunächst gesichert, sagte Ministerpräsident Matthias Platzeck. Auch das Hochwasser der Spree oberhalb von Spremberg geht unterdessen langsam zurück. Dort gilt Alarmstufe drei.

In Grießen, südlich von Guben, hatte ein Deich den Wassermassen der Neiße nicht standgehalten. Der Pegel in Guben stieg, doch weder die Stadt noch Geißen wurden bislang überflutet. In drei kleineren Orte an der Neiße weiter südlich mussten dagegen rund 180 Bewohner in Sicherheit gebracht werden. In Guben ist die Bundesstraße 112 wegen des Hochwassers gesperrt. Einige Uferstraßen wurden geräumt. „Wir haben Glück gehabt, dass durch diesen Deichbruch keine Häuser betroffen sind“, sagte Platzeck bei einer Ortsbesichtigung in Grießen. Das Wasser, das den Deich auf einer Länge von etwa 150 Metern durchbrochen hat, läuft in einen Kanal zu einem kleinen Wasserkraftwerk. An der Stelle ist die Neiße zu einem reißenden Fluss geworden. Das Wasserwerk wurde nach Angaben Platzecks abgeschaltet.

Zur Entspannung der Hochwassersituation hat die Flutung an der Talsperre Spremberg wie geplant begonnen. Seit Dienstagmorgen wird Wasser aus dem Stausee in die Spree abgelassen. Damit soll das Wasser kontrolliert in Richtung Cottbus, Spreewald und Berlin abfließen. Obendrein können zur Flutung bereitstehende Tagebaurestlöcher der Braunkohleregion einiges aufnehmen.

Dammbruchgefahr in Spremberg ist gebannt

An der Talsperre, der eine Schlüsselrolle bei der Bewältigung des Spree-Hochwassers zukommt, läuft bislang alles nach Plan. „Für die Spree hat sich das ganz große Problem denke ich heute geklärt“, sagte Brandenburgs Landesumweltamt-Chef Matthias Freude bei einem Besuch an der Talsperre. Das Bild an dem Bau sei dramatisch. „Von oben fließen 100 Kubikmeter Wasser pro Sekunde rein, das ist unglaublich viel Wasser für die Spree“, erklärte Freude. Unten hinaus geflossen seien zunächst nur zehn Kubikmeter pro Sekunde. Nun aber sei die Baustelle dort komplett geräumt, die Stauwehre seien am Morgen geöffnet worden. Die Dramatik, die bei einem Dammbruch zu erwarten gewesen wäre, sei damit gebannt.

Der Abfluss durch die Wehre werde langsam erhöht, um die Auswirkungen im Blick zu behalten, sagte Freude. Vor allem gelte es, die Spree im Bereich Cottbus nicht zu überlasten. Das sei eine „sehr sensible Angelegenheit“. „Wenn wir den heutigen und morgigen Tag vernünftig überstehen, dann ist das Gröbste vorbei“, schätzte Freude. „Das heißt aber nicht, dass unterhalb nicht noch Überflutungen kommen werden, gerade von wirtschaftlichen Nutzflächen. Das ist sogar zu erwarten.“

Im Tagesverlauf wollte Freude sich auch die Deichbruchstellen an der Neiße ansehen. Dort müsse geklärt werden, warum die Dämme nachgaben, um Lehren daraus zu ziehen. Auch die Lage dort schätzte Freude positiv ein. „An der Neiße wird das Ganze in ein, zwei Tagen vorbei sein, zumindest die großen Wassermassen.“

Die Aufräumarbeiten danach würden allerdings Wochen bis Monate in Anspruch nehmen. Jetzt schon Aussagen über die Schadenshöhen zu machen, sei aber Kaffeesatzleserei. Auf jeden Fall würden sie moderater ausfallen als in Sachsen.

Der zum Weltkulturerbe gehörende Fürst-Pückler-Park im sächsischen Bad Muskau hat das Neiße-Hochwasser offensichtlich glimpflich überstanden. Es habe keine größeren Schäden gegeben, sagte Bürgermeister Andreas Bänder (CDU) im Deutschlandradio Kultur. In dem im Park gelegenen Schloss sei lediglich ein bisschen Grundwasser und etwas Wasser durch die Kellerfenster eingedrungen, das jetzt abgepumpt werden müsse. Im Vergleich zum großen Hochwasser von 1981 habe sich zudem im Park verhältnismäßig wenig brauner Schlamm abgelagert. Bänder geht davon aus, dass der Park zum Wochenende wieder für Besucher geöffnet werden kann.

In Bad Muskau hatte das Neiße-Hochwasser am Montagmorgen seinen Scheitelpunkt erreicht. Weite Teile des berühmten Fürst-Pückler-Parks, der sich über Gebiete in Deutschland und Polen erstreckt, standen unter Wasser. Das Wasser geht aber bereits seit Montagnachmittag wieder zurück, auch aus den anderen Hochwasserregionen wurden sinkende Pegelstände gemeldet. In Görlitz, wo die Neiße-Flut erhebliche Schäden anrichtete, wurde der Katastrophenalarm inzwischen aufgehoben. Auch in Zittau gilt kein Katastrophenalarm mehr.

Die Hochwasserschäden in der Sächsischen Schweiz beschränken sich nach Einschätzung des Tourismusverbandes auf drei Regionen. Zerstörungen gebe es vor allem im Kirnitschtal sowie in Bad Schandau und Sebnitz, sagte Geschäftsführer Tino Richter in MDR Info. 95 Prozent der touristischen Angebote wie etwa Pirna oder Rathen könnten aber genutzt werden.

dpa/AFP/sh