Die Hochwassersituation der Neiße in Guben (Spree-Neiße) ist weiterhin sehr kritisch. Das sagte Brandenburgs Ministerpräsident Matthias Platzeck (SPD) am Dienstag im Inforadio des RBB. Südlich der Stadt sei am Montagabend bei Grießen ein Deich an der Neiße gebrochen. Dort befinde sich aber unbewohntes Gebiet. Er hoffe, dass größere Evakuierungen vor allem auch des Krankenhauses in Guben vermieden werden können, sagte Platzeck. Die kritische Phase dauere etwa bis zum Nachmittag. „Es stehen spannende Stunden vor Guben“, sagte Platzeck. Noch steigt dort das Wasser an. Der Pegelstand näherte sich um 6.30 Uhr auf wenige Zentimeter den 6,40 Meter, dem Grenzwert für die höchste Alarmstufe 4.
In Guben ist die Bundesstraße 112 wegen des Hochwassers gesperrt. Einige Uferstraßen wurden geräumt. In Klein Bademeusel, einem Ortsteil von Forst (Lausitz) südlich von Guben, werde dagegen überlegt, ob die Bewohner am Vormittag wieder in ihre Häuser zurückkehren dürften. Die Evakuierung hat nach Angaben Platzecks reibungslos geklappt.
Der Pegelstand des Grenzflusses steige weiter und erhöhe den Druck auf die Deiche, sagte der Landrat des Spree-Neiße-Kreises, Harald Altekrüger (CDU). Am Pegel Guben wurde seinen Angaben zufolge um 8 Uhr ein Wasserstand von 6,25 Meter gemessen, um 5.30 Uhr waren es noch 6,14 Meter. Evakuierungen sind laut Altekrüger in der Stadt aber nicht erforderlich – auch nicht im Krankenhaus, wie zunächst befürchtet. In drei kleineren Orte an der Neiße weiter südlich mussten dagegen insgesamt rund 180 Bewohner in Sicherheit gebracht werden. Das Hochwasser der Spree oberhalb von Spremberg geht unterdessen langsam zurück. Dort gilt die stufe Alarmstufe drei.
Das Hochwasser der Neiße wird am Abend oder am Mittwoch bei Ratzdorf in die Oder fließen. Da die Oder derzeit kein Hochwasser aufweist, könnte der Fluss nach Einschätzung von Platzeck das zusätzliche Wasser aufnehmen.
Zur Entspannung der Hochwassersituation hat die Flutung an der Talsperre Spremberg wie geplant begonnen. Seit Dienstagmorgen werden 30 Kubikmeter Wasser pro Sekunde aus dem Stausee in die Spree abgelassen, sagte ein Sprecher des Landesumweltamtes. Damit soll das Wasser kontrolliert in Richtung Cottbus, Spreewald und Berlin abfließen. Obendrein können zur Flutung bereitstehende Tagebaurestlöcher der Braunkohleregion einiges aufnehmen. Von 12 Uhr an sollen 50 Kubikmeter Wasser pro Sekunde abgelassen werden, ab 16 Uhr dann rund 70 Kubikmeter.
Ministerpräsident Platzeck will sich in Spremberg selbst dort davon überzeugen, dass dort alles glatt geht. Es komme darauf an, nur so viel Wasser abzulassen, dass Cottbus nicht überflutet werde. Vorsorglich sind in der Stadt an der Spree Deichläufer im Einsatz.
Die Polizei in Guben musste zuletzt auch noch gegen Katastophentouristen einschreiten. Zahlreiche Gaffer erschwerten in der Nacht zum Dienstag den Kampf gegen die Wassermassen an mehreren Orten in Brandenburg. „Es gab sehr unvernünftige Leute, die bis zwei oder drei Uhr nachts auf den Deichen waren und Fotos gemacht haben. Teilweise wurden Deichläufer bei ihrer Arbeit behindert“, sagte ein Sprecher der Katastrophenschutzbehörde des Landkreises Spree-Neiße am Dienstagmorgen. In Guben musste die Polizei gegen Schaulustige auf einer Brücke einschreiten.
dpa/sh





