Die Flut aus Sachsen hat Brandenburg erreicht. An der Spree in Spremberg und an der Neiße bei Klein Bademeusel (Spree-Neiße) gilt seit Montagvormittag die Alarmstufe 3, teilte das Landesumweltamt mit. Bis zum Abend müsse jeweils mit der höchsten Alarmstufe 4 gerechnet werden, sagte Wolfgang Genehr, Leiter der Regionalabteilung Süd der Behörde. Eine genauere Prognose sei allerdings schwierig, weil es an Pegeln zwischen Sachsen und Brandenburg mangele, an denen sich der Anstieg des Wassers offiziell ablesen lässt. So befinde sich der letzte Pegel für die Neiße im sächsischen Görlitz. „Das ist eine lange Laufstrecke“, meinte Genehr. „Das ist eine ungünstige Ausgangslage.“

Die Nacht verlief zwar ruhig, dennoch stiegen die Pegel an. So lag der Pegel der Lausitzer Neiße bei Klein Bademeusel (Spree- Neiße) mit 2,76 Metern am Montag kurz nach Mitternacht um mehr als einen Meter höher als am Sonntagnachmittag. Auch die Pegel an der Spree stiegen an. Am Messpunkt Spremberg lag der Wasserstand um 3.00 Uhr bei 3,34 Metern - knapp 30 Zentimeter höher als Sonntagnachmittag (3,06 Meter). Damit war an dieser Stelle die Alarmstufe 2 erreicht. Das brandenburgische Landesumweltamt warnte zudem am frühen Montagmorgen um 5 Uhr vor Hochwasser an der Mittleren Elbe im Landkreis Elbe-Elster.

Flut könnte sogar in Berlin bemerkbar sein

Für die Spree sieht das Landesumweltamt aber die Chance, die Hochwasserwelle an der Brandenburger Talsperre Spremberg zwischenzuspeichern, weil dort wegen Bauarbeiten Wasser abgelassen worden war. Bis Dienstag werde die Baustelle am Auslauf der Talsperre geräumt, sagte Präsident Matthias Freude. Damit würden größere Wassermengen Richtung Spreewald abgegeben.

„Seit 1981 hat es so ein Hochwasser an der Spree nicht mehr gegeben“, so Freude. „Das wird sich in drei bis vier Tagen auch in Berlin bemerkbar machen.“ Allerdings werde der Müggelsee dies ausgleichen können, der Wasserabfluss der Spree sei zudem über das Wehr am Mühlendamm in der Stadtmitte regulierbar.

Platzeck macht Flut zur Chefsache

Auch an der Oder rechnen die Experten trotz zunächst sinkender Pegel wieder mit steigenden Wasserständen, da die Neiße bei Ratzdorf in die Oder fließt. Das Meldezentrum Frankfurt (Oder) prognostizierte am Sonntag für Montag einen Stand von bis zu 3,35 Metern. Am Dienstag könnte das Wasser auf bis zu 4,55 Meter steigen.

Angesichts der dramatischen Lage wird das Hochwasser zur Chefsache in Brandenburg. Ministerpräsident Matthias Platzeck (SPD) soll heute einen Krisenstab zum Hochwasser von Spree und Neiße in Cottbus leiten. Dies berichtet das Inforadio des RBB.

dpa/ap/gm