Sprenstoffexperten

In Oranienburg noch Hunderte Bomben vermutet

In und um Oranienburg ruhen noch rund 300 Blindgänger aus dem Zweiten Weltkrieg in der Erde. Sie sind vom gleichen Bautyp, wie die Fliegerbombe, die in Göttingen explodierte. Dabei starben drei Menschen.

Bei der Suche nach Weltkriegsbomben müssen Städte und Länder verstärkt zusammenarbeiten. Das forderten Experten aus Oranienburg und Göttingen (Niedersachsen) am Mittwoch vor einer Sitzung des Kreistages von Oberhavel.

Am 1. Juni war in Göttingen eine Fliegerbombe mit chemischem Langzeitzünder explodiert, wobei drei Menschen ums Leben kamen. Baugleiche Bomben sind mehrfach auch in Oranienburg entdeckt worden, im Boden werden noch mehr als 300 solcher Blindgänger vermutet.

Die Havelstadt soll darum künftig teilweise für Busse und Schwertransporter gesperrt werden. Details dazu will das Landratsamt in Kürze vorstellen. Außerdem wurde ein Zeitplan erarbeitet, nach dem die Bomben-Suche in den kommenden drei Jahren auf den 18 kreiseigenen Grundstücken in Oranienburg erfolgen soll. Für das laufende Jahr sind sechs Grundstücke in der Prioritätenliste angegeben.

Der Kreistag wollte am Mittwoch grünes Licht für die Suche geben, für die nach Angaben der Verwaltung knapp elf Millionen Euro bereitstehen.

Basis der Arbeiten ist ein Gutachten des Kampfmittelexperten Wolfgang Spyra von der Brandenburgischen Technischen Universität Cottbus von 2008. Nach dessen Angaben wächst die Gefahr, dass die im Boden lauernden Blindgänger explodieren. Spyra sieht sich durch das Unglück in Göttingen bestätigt. Ihm zufolge hat es binnen zehn Jahren 80 solcher Selbstdetonationen in Deutschland und Österreich gegeben.

Über dem 42.000 Einwohner zählenden Oranienburg wurden im Zweiten Weltkrieg mehr als 10.000 Bomben abgeworfen. Mehr als die Hälfte von ihnen hatten einen chemischen Langzeitzünder, rund zehn Prozent davon hätten nicht gezündet, heißt es in Spyras Gutachten. Nach Angaben des Landratsamtes sollen weitere Untersuchungen an der BTU Cottbus die bisherigen Erkenntnisse ergänzen.

Bei der Suche nach Bomben und deren Bergung wollen die Verantwortlichen auch weiterhin bei einem Sperrkreis von 1000 Metern bleiben. Die Schilderungen der Experten von Katastrophenschutz und Feuerwehr aus Göttingen hätten die brandenburgischen Maßnahmen bestätigt, sagte eine Sprecherin des Landratsamtes. Bei dem Unglück seien auch noch in 800 Metern Entfernung Schäden aufgetreten.