Als ich einst mit dem Rucksack durch Sumatra streifte, fragten die Einheimischen, woher ich denn käme. Ah, Deutschland. Weitgehend unbekannt. Aber zwei Figuren fielen den Indonesiern immer ein: Der eine, die Schreckgestalt schlechthin. Der andere ein Weltsympath: Franz Beckenbauer. Wenn ich wiederum über Wolfgang Schäuble schrieb, und nicht immer nett, mündeten die Reaktionen der Leserschaft in einem Satz: Politisch sei man vielleicht anderer Meinung, aber diese Lebensleistung verdiene enormen Respekt.

Wolfgang Schäuble aus dem badischen Freiburg und Franz Beckenbauer aus dem Münchner Arbeiterviertel Giesing klangen zeitlebens ein wenig nach Hinterwäldlern. Aber beide waren das komplette Gegenteil. Sie hatten sich mit Fleiß und Talent emporgerackert, international exzellent vernetzt, der eine bisweilen bärbeißig, der andere geradezu quälend freundlich. Der Kicker und der Politiker – zwei Weltmänner, denen infantiles Wutbürgertum unheimlich war. Der beste Kaiser und der beste Kanzler, den Deutschland nie hatte.

Nur mal angenommen, der Bauernverband hätte vor knapp dreißig Jahren über die Hauptstadtfrage entscheiden dürfen: Das Land würde wohl immer noch aus einer Submetropole regiert. Und was wäre gewesen, wenn der Steuerzahlerbund darüber gerichtet hätte, ob Deutschland sich für die WM 2006 bewerben soll? Auf keinen Fall, das kostet ja. Uns wäre das Sommermärchen versagt geblieben, jenes Großereignis, bei dem mancher im Land vielleicht erstmals den Unterschied zwischen Nationalismus und Patriotismus kapiert, aber seitdem leider wieder vergessen hat.

Nun haben die Götter den großen Sympathen und die knorrige Respektsperson fast in derselben Spielminute vom irdischen Platz genommen. Fortan werden die beiden mit Pele, Walerij Lobanowskyj und Rinus Michels, mit Jean Monnet, Willy Brandt und Simone Veil über die langen Linien in Politik und Fußball philosophieren, über das, was wirklich wichtig ist. Wir hier unten müssen derweil mit Carsten Linnemann und Bernd Neuendorf klarkommen.

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