Urlaub soll Erlebnisse bringen, mit denen ich mich auf der Arbeit schmücken kann. Meine jungen Kolleginnen beeindruckt es aber überhaupt nicht, wenn ich davon berichte, wie mir eine liebevolle italienische Verkäuferin zu meinem gegrillten Schweinerollbraten noch etwas Kruste dazugeschenkt hat. Porchetta ist zwar eine Spezialität meiner Urlaubsregion. Allein der Begriff „Schweinerollbraten“ löst in meinen Kolleginnen aber einen Grusel aus, als hätte ich im Kreise anderer Unverbesserlicher Kitzblut getrunken.
Meine Kolleginnen sind dabei durchaus aufgeschlossen gegenüber Horrorgeschichten. Wie die von den Cottbusser Motorradfahrern, die ich in einem schönen kleinen Dorf in der Nähe der Adriastadt Pesaro sehen musste. Jeder von denen fuhr ein Ding, das „schweres Wehrmachtsgespann“ heißt. Die Wehrmachtskennzeichen waren deutlich zu erkennen, die Hakenkreuze nur oberflächlich übermalt. In den Beiwagen saßen Frauen, die keine intelligenten Partner finden konnten. Deswegen diese Typen nehmen mussten, die gerne mit einem Wehrmachts-Stahlhelm auf dem Kopf italienische Serpentinen fahren. Ich gönne meinen Kolleginnen aber auch nicht, dass sie sich gleich wieder wie selbstlose Antifaschistinnen fühlen können. Nur weil sie Wanderurlaub machen, statt mit einer problematischen Internetbekanntschaft bei Geschützferien im ehemaligen Kessel von Halbe zu biwakieren. Und ja, ich habe dazu gelernt: es heißt nicht mehr Wanderurlaub, sondern man geht „hiken“.
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Die Glühwürmchen waren toll. Jeden Abend, in jedem Gebüsch. Die fühlen sich nur dort wohl, wo keine Laterne oder Leuchtreklame ihren Schimmer in den Schatten stellt. Ich dachte an „Glühwürmchen, Glühwürmchen, glimmre“. Das Lied aus der Operette „Lysistrata“ von Paul Lincke. Erstmals aufgeführt 1902. Romantischer kann keine Nachtbeleuchtung sein und mir fällt ein 120 Jahre altes Lied eines begeisterten Marschmusikers ein. Na bravo. Urlaub macht alt.


