Chiara und Carsten sollen Deutschland regieren. Wobei ich Friedrich Merz bald aus Mitgefühl gut finde. Die Kolleginnen und Kollegen der Polit-Journaille erleiden im Moment einen allzu bekannten Affektdurchbruch. Alles ist nur noch Rage. Ein Maß für Kritik am Bundeskanzler gibt es nicht mehr. Merz ist am Donnerstag bei einem Termin im sachsen-anhaltinischen Salzwedel eine halbe Stunde zu spät gekommen und hat sich dafür beim wartenden Publikum entschuldigt. Der ihn begleitende Politikreporter aus Berlin warf dem Kanzler daraufhin vor, über die Verspätung nicht hinweggegangen zu sein. Höflichkeit als Führungsversagen. So was fällt einem nur ein, wenn im Mund die Spucke ganz ungut schäumt.

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Chiara und Carsten arbeiten im Handwerk. Bei beiden gibt es auch noch anderes, wie Sport oder eine Ausbildung in Naturheilkunde. Aber beruflich bringen diese jungen Leute die Welt in Ordnung. Die Installateurin Chiara hat mich vor der Kälte des Winters in Sicherheit gebracht. Das Heizungsproblem war kompliziert. Aber nicht zu schwierig für die leise suchende Chiara. Carsten verschafft Einlass. Er kann Tore und Türen öffnen. Dazu schraubt er Kästen in der Nähe von Eingängen auf und versteht nach einer Weile, welche Elemente des elektronischen Universums sich in diesem einzelnen Kasten zu einem Defekt verschworen haben. Zu diesem Zweck saß er schon nach 21 Uhr bei mir vor der Tür.

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Warum so spät? Weil er versprochen hatte, das Problem zu lösen. Versprechen halten. Wissen, was man tut. Aus sich selbst heraus freundlich sein. Nicht nur, weil es gut ankommt. Es gibt ganz sicher noch viel mehr Hoffnungsträger wie Chiara und Carsten. Denen man nicht wirklich wünschen kann, dass sie sich mit Millionen selbstmitleidiger Deutscher zanken müssen, die glauben, sie würden im Rentenelend umkommen. Diese Aufgabe bleibt denen überlassen, die sie so sehr wollten, wie dem amtierenden, meistens sehr höflichen Bundeskanzler.