Was für ein traumhafter Donnerstag. Blauer Himmel. So schön, dass ich einem jungen Fachmann entsetzlich hässliche Sportschuhe abkaufe.
Meine Freundin Viviane erklärt mir erneut, wie ich mich auf die launischen Pigmente in Aquarellfarben einstellen muss, damit ich endlich in der Saison 2027 meine Bilder an Touristen vor der Alten Nationalgalerie verkaufen kann.
Auch interessant
Als ich Vivianes Haus verlasse, lerne ich Werner Voss kennen. Und seine Frau Liselotte. Sie sind durch diese Tür im Bezirk Tiergarten gegangen. Der kaufmännische Angestellte Werner Voss, der nach dem frühen Tod des Vaters schon in Schöneberg und Kreuzberg gelebt hatte. Hier waren sie für sich, als junges Paar. Auch als sie ihrer eigentlichen Arbeit nicht mehr nachgehen durften. Als sie schon nicht mehr auf Bänken an der Spree sitzen durften. Als sie einen Judenstern tragen mussten. Bis sie hier nicht mehr wohnen durften und verhaftet wurden, ohne jemandem etwas getan zu haben. Weil es viele ihrer Mit-Berliner so wollten und weil es viele ihrer Mit-Berliner nicht verhindert haben, sind Willy und Liselotte nach Polen transportiert und ermordet worden. Wie die Mutter, die Schwägerin und der Neffe von Willy. Wie Liselottes komplette Familie.
Auch interessant
Ich bin vor einem Haus in einem sehr schönen Viertel Berlins auf die Stolpersteine von Willy und Liselotte Voss aufmerksam geworden. In einer Stadt, in der die Linkspartei im vergangenen August ein antisemitisches Sommerfest mit Hamas-Unterstützern organisiert hat. Einer Stadt, in der die AfD im kommenden September zu einer der stärksten Kräfte gewählt werden wird. Die Partei, in der Gestalten wie der Rechtsextremist Höcke wollen, dass die Verbrechen an Menschen wie Willy und Liselotte Voss möglichst bald vergessen werden.
Der spendenfinanzierten Stolperstein-Initiative kann nicht genug gedankt werden. Dafür, dass sie auch an den schönsten Frühlingstagen im Pflaster von deutschen Städten steckt.



