Es freut mich, dass etliche von Ihnen diese Kolumne hier regelmäßig lesen. Noch mehr freut mich, dass Sie ganz gut leben können mit mir und meinen Geschichten. Etwa der von der freundlichen, nunmehr sehr alten, ehemaligen Besitzerin einer kleinen Pension auf Kreta. Leider ist Georgia seit zwei Jahren sehr gebrechlich und an Demenz erkrankt, vielen ist sie ans Herz gewachsen. Georgia lebt noch, nun zusammen mit ihren beiden Schwestern in einer gemeinsamen Wohnung in der kleinen Stadt Mires. Alle drei Damen sind alt. Ihre Pension musste Georgia längst aufgeben. Da es keine direkten, jungen Erben gibt, zerfällt diese. Über 70 Jahre waren Urlauberinnen und Urlauber hier glücklich.
Vor 33 Jahren machte ich gemeinsam mit meiner damals dreijährigen Tochter hier Urlaub. Als Erwachsene kam sie wiederum mit ihren beiden Töchtern her. Ich lernte hier Freunde fürs Leben kennen. Im November treffe ich mich mit Lothar auf Kreta, wir haben uns vor knapp 30 Jahren bei Georgia kennen gelernt.
Manchmal schreiben Sie mir, zwei sehr freundliche Kolleginnen der Berliner Morgenpost leiten die Post dann weiter. Mit einem Leser treffe ich mich bald. Ich vermute, er möchte mir sein Herz ausschütten. Er selbst ist nun Rentner, ist wohlhabend, gesund, genießt seinen Ruhestand, alles scheint geordnet. Wenn da nicht die Sache mit seinem Bruder wäre. Der lässt sich seit Jahrzehnten nicht nur hängen, seine Psyche lässt ihn einfach im Stich. Und aktuell droht sein Leben zu entgleiten. Gut, dass er noch in der Eigentumswohnung des Bruders leben kann. Ob ein pensionierter Sozialarbeiter helfen kann, wir werden sehen. Zuhören kann ich immerhin.
Dass Menschen sich trauen, „etwas anders“ zu leben, gehört zu Berlin
Herrn K. habe ich als Leser aber leider verloren. Geschichten über obdachlose Menschen interessierten ihn sehr, deren Lebenswege und Geschichten, ihre Hintergründe. Mit meiner Krankheitsgeschichte, dem Krebs und der Prostataoperation konnte er noch leidlich leben, mein „Beziehungsstatus“ mit einer deutlich jüngeren Partnerin aber brachte das Fass zum Überlaufen. Ich bedauere das sehr! Dass Menschen sich trauen, gelegentlich „etwas anders“ zu leben, konventionelle Bahnen dabei verlassen, macht für mich seit 50 Jahren auch den Reiz aus, in Berlin zu leben. Richtig ist aber, das muss nicht jede und jeden interessieren.
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Um obdachlose Menschen wird es hier weiter gehen, um soziale Ungerechtigkeiten, auch um die Art und Weise, wie wir fair miteinander leben. Gelegentlich schimpfe ich dabei mit der Politik. Politikerinnen und Politiker können im Regelfall aber gut damit leben und lassen sich durchaus an Schwachstellen erinnern, wenn das höflich passiert. Kriegen wir hin. Und sie wissen doch, ich schätze ihre Arbeit und ihren Einsatz ungemein. Nicht wenige sogar persönlich.
Jesus kommt dann auch immer wieder vor. Zu meinem Leben gehört er dazu und ich möchte wissen, wem ich dankbar bin. Wenn‘s richtig gut läuft, im Job und im Leben, das sind doch oft einfach nicht unsere Verdienste. Eine gute Sache ist das mit Gott, das hilft sogar bei Eitelkeit und Hochmut, sorgt für Bodenhaftung. Barmherzigkeit und Nächstenliebe halten uns beieinander. Wenn wir denn daran erinnert werden. Trost und Annahme und Liebe aber finde ich auch bei Gott; es läuft ja nicht immer gut.
Schön sind die persönlichen Begegnungen mit Ihnen
Schön sind die persönlichen Begegnungen mit Ihnen. Mehr Menschen, als ich persönlich oft vermute, lesen die Berliner Morgenpost, auch diese Kolumne. Und wollen sich darüber austauschen. Das machen wir, treffen wir uns zufällig bei Festen, im Café, im Supermarkt oder auf der Straße. Etwas anfällig für Lob und ein bisschen Anerkennung bin ich schon, danke. Aber auch bei Kritik sind Sie freundlich und oft sehr charmant. Danke – oftmals teilen wir freitags ein Stück Leben und Alltag.
Und um Optimismus geht es hier auch oft, trotz gelegentlicher Härten des Lebens. Es ist nicht immer alles gut und schön und richtig, wir sind alt genug, um das zu wissen. Wir können es aber ändern. Ohne Liebe und Zuversicht und Optimismus ist nämlich alles nichts. Genieße sie das Wochenende. Das Wetter und der liebe Gott meinen es gut mit uns.



