Eine Wohnung suchen gerade viele in Berlin. Die Kellnerin aus meinem Stammcafé in der Seelingstraße sucht eine kleine und bezahlbare Wohnung im Kiez am Klausener Platz. „Das ist doch eine wunderschöne Gegend und hier würde ich auch prima Arbeit, Studium und Freunde unter einen Hut bekommen.“ Nicht nur eine, gleich mehrere Einzimmerwohnungen dagegen sucht mein Bekannter Jan, „egal, wo in Berlin gelegen, sie müssen nur bezahlbar sein.“ Jan arbeitet bei „My Way“, einem Träger, der obdachlose Menschen in Berlin im Rahmen von „Housing First“ betreut.

„Housing First“: Aktuell bieten dies sieben Projekte in Berlin an. Sie arbeiten sehr solide, mit Wohnung und guter und freiwilliger Betreuung fallen Klienten wieder auf die Füße. Vieles beruht auf Freiwilligkeit, an erster Stelle steht die eigene Wohnung, dann kommen die Hilfen. Als ehemaliger Sozialarbeiter kann ich das beurteilen: Es gibt eigentlich keine Abbrüche, keine Kündigungen, dafür gute Zusammenarbeit, Perspektiven für ein geordnetes Leben. Es ist alles sehr fair für die Menschen. Für alle ist übrigens existenziell wichtig, dass die Mieten bezahlt werden.

Die Projekte, die es im gesamten Bundesgebiet und in Europa gibt, werden von der Politik geliebt. Manchmal klingt es fast wie ein Heilsversprechen, wenn „Housing First“ angeführt wird, um Obdachlosigkeit bis 2030 in Berlin, Deutschland und Europa zu überwinden.

Wem würden Sie als Hausbesitzer eine freie Wohnung anbieten?

Jan Pillardy aber hat Sorgen, denn „Housing First“ funktioniert nur im eigenen Wohnraum. Neben dem sozialpädagogischen Fachpersonal, sogar eine Psychologin gehört dazu, ist Jan für die Wohnungssuche, die Anmietung und die Ausstattung der Wohnungen zuständig. Er ist Fachmann, war als Immobilienkaufmann lange in der Wohnungswirtschaft tätig.

Aber seien Sie ehrlich, wem würden Sie als Hausbesitzer eine freie Wohnung anbieten? Dem Polizisten oder der Krankenschwester, der Studentin mit Mietübernahme der Eltern oder dem manchmal doch gezeichneten, obdachlosen Menschen? Oft bekommt dann ein Handwerker die Wohnung. Macht er doch am wenigsten Ärger und ruft nicht bei jeder kleinen Reparatur die Hausverwaltung an.

Wollen und können Sie also helfen, möchten Bonuspunkte beim lieben Gott erwerben oder sind einfach ein hilfsbereiter Mensch? Hier sehr gerne die Anschrift von Jan beim Träger: „My Life My Way – Soziale Dienste gGmbH“: pillardy@mywayberlin.de. 25 ehemals obdachlose Menschen betreut man aktuell in ihren Wohnungen und sucht händeringend nach weiteren Wohnungen.

Händeringend sucht man weiter einen Haushandwerker

Hilfe bekommt Jan übrigens vielleicht durch meinen Freund Michael C. Geiss, der die Bedürftigkeit sozialer Träger im Auftrag der Klaus und Gertrud Conrad-Stiftung prüft. Die Stiftung hilft weltweit, „Hilfen für obdachlose Menschen in Berlin liegen uns aber sehr am Herzen.“ Immobilien hat die Stiftung aber auch nicht. Trotz finanzieller Hilfen bei der Einrichtung knirscht es dabei manchmal nämlich. „Manchmal fehlt dann doch noch dieses oder jenes.“ Die Stiftung wird schauen, drücken wir also die Daumen.

Apropos Wohnungseinrichtung: Händeringend sucht man weiter einen Haushandwerker, jemanden der liebevoll zupackt und gestaltet, die Wohnungen einrichtet, Schönheitsreparaturen vornimmt. Welch Wunder, Geld ist auch hier nur begrenzt vorhanden und würde gelegentlich für eine Aufwandsentschädigung reichen. Ehrenamtler also bitte vor, wenngleich der Job nicht leicht ist.

Obdachlosigkeit: Wir müssen in die Verlängerung

Wohnungen, Geld, praktische Hilfe – hier ist bitte Ihre Mithilfe gefragt. Für obdachlose und wohnungslose Menschen sind es nämlich gerade schlimme Zeiten. Eine aktuelle Prognose für Berlin stimmt mich gerade mehr als traurig. Eigentlich bin ich empört. Die Anzahl der wohnungslosen Menschen verdoppelte sich demnach in einem Jahr fast, bis 2030 geht man von einem Unterbringungsbedarf von 114.500 Plätzen aus.

Alle müssen helfen. Am Ziel, Obdachlosigkeit und Wohnungslosigkeit bis 2030 zu überwinden, hält der Senat übrigens fest. Das Ziel finde ich richtig, die Zeitvorgabe halte ich bereits länger für illusorisch. Wir müssen in die Verlängerung. Und was sagt eigentlich die Reservebank?

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