Vergangene Woche gab es einen Vorstoß der Grünen: Sie forderten Frauenwaggons in Berliner U-Bahnen – nicht zum ersten Mal. Anlass war diesmal der besorgniserregende Anstieg von Sexualdelikten in Berlin. Ein schrecklicher Fall ereignete sich im Februar 2024, als eine Frau in der U3 in Steglitz-Zehlendorf vergewaltigt wurde. Der Tatverdächtige konnte durch eine Öffentlichkeitsfahndung ermittelt werden, aber die Frage blieb: sind U-Bahnen gefährliche Orte? Oder (ich weiß, ich provoziere): Sind es nicht doch eher die Täter, die gefährlich sind?

Die Idee mit den Frauenwaggons ist nicht neu. In Japan gibt es sie seit 25 Jahren, in Rio de Janeiro seit 2006, auch in vielen asiatischen und vor allem muslimischen Ländern gibt es Frauen-Bereiche, nicht nur im ÖPNV. In Deutschland führte der Betreiber Transdev Regio Ost 2016 in sächsischen Regionalbahnen Frauenabteile ein – und schafft sie nun wieder ab. Wegen mangelnder Nachfrage. Wie kann das sein?

Gerade der sichere Nachhauseweg ist in Party-Berlin ein wichtiges Thema. Wer nachts in Bussen und Bahnen unterwegs ist, braucht, um das mindeste zu sagen, oft Nerven. Meine Erfahrung sagt mir aber: Gegen Gewalt sind Frauenabteile keine Lösung. Täter suchen sich ihre Gelegenheit, wenn nicht der U-Bahn, dann eben am Bahnhof oder davor. Ich erinnere mich, wie wir als Mädchen auf dem Schulweg und im Schulbus bedrängt wurden. Da half es nicht, den nächsten Bus zu nehmen oder zu laufen. Die Typen warteten dann eben auf dem Nachhauseweg, sie versuchten, uns mit Geschichten irgendwohin zu locken.

Was uns Mädchen damals half

Was uns Kindern half war, dass wir schließlich gemeinsam den Mut fanden, den Erwachsenen davon zu erzählen. Noch wichtiger: Dass diese uns ernst nahmen. In einem Fall kam die Polizei, es gab einen Gerichtsverhandlung und, damals selten, sogar ein Urteil. Das ganze Thema wurde aber nicht nur mit uns Mädchen besprochen, sondern auch mit den Jungs. Die sollten uns nicht in erster Linie beschützen, auch wenn sie das selber dachten. Sondern vor allem verstehen, was sexualisierte Übergriffe sind (auch wenn es diesen Begriff damals noch nicht gab). Sie sollten auch erkennen, wo die Grenzen sind. Auch die eigenen. Und welche Konsequenzen dann drohen.

Das Schlimmste, was ich als junge Frau erlebt habe, waren im Sommer 1997 die überfüllten Linienbusse in Rom, wo ich ein paar Wochen lang arbeitete. Es schien völlig normal, dass Männer das Gedränge für Körperkontakt der widerlichsten Art nutzten. In Rom habe ich dieses unfassbar widerwärtige Verhalte einige Male bei anderen Frauen angesprochen. Der lapidare Tipp war, zu laufen oder jemanden zu finden, der einen auf der Vespa mitnahm. Mehr könne man nicht tun.

Die Mauer der Gleichgültigkeit durchbrechen

Noch im Jahr 2022 antworteten bei eine Umfrage in Rom sieben von zehn Frauen, sie hätten sexualisierte Belästigungen im ÖPNV erlebt. Dennoch fordert niemand Frauenabteile für römische Busse. Sondern, so die Initiatorinnen, „ein Klima der Aufmerksamkeit auch im öffentlichen Verkehr“. Sensibilisierungskampagnen für die Betroffenen allein, etwa, um sich an die Opferhilfe zu wenden, reichten nicht. Vielmehr müsse man die „Mauer der Gleichgültigkeit“ durchbrechen, die es gegenüber diesen „schwerwiegenden und inakzeptablen Verhaltensweisen“ immer noch gebe.

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Die Berliner Senatssozialverwaltung hat kürzlich eine Kampagne gestartet, es geht um „queerfeindliche“ Gewalt im ÖPNV. Auch solche Taten haben laut einer Umfrage der Verwaltung zugenommen, gut jede zehnte Tat fand in im öffentlichen Nahverkehr statt. Plakate fordern nun dazu auf, entsprechende Taten schnell anzuzeigen. Die Zahlen dazu sind interessant. So fühlen sich einerseits die befragten Personen in Berlin überdurchschnittlich sicher. Andererseits hatte mehr als die Hälfte in den letzten fünf Jahren Übergriffe erfahren. Vor allem aber liest man auch hier: „Die polizeilich ermittelten Tatverdächtigen sind fast ausnahmslos männlich.“ Ich sag‘s ja nur mal. Vernünftigerweise hat bisher niemand „Queere Waggons“ gefordert. Die Diskussion über solche Sonderbereiche halte ich nur für eine Ausflucht, um einer unangenehmen Wahrheit nicht ins Gesicht zu sehen.

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