Mein Freund Lothar bereiste Portugal und die Algarve vor 40 Jahren: „Ein Traum“. Freund Wolfram schlug in Armacão de Pêra oft im November sein Winterdomizil auf, auch das ist aber ein paar Jahre her. Meine Partnerin Maria verbrachte vor 30 Jahren häufig gemeinsam mit ihrer Familie ihre Schulferien an der Algarve und der portugiesischen Westküste, später kam sie dann allein.

Sie kennt Land und Leute gut, arbeitete sogar kurz hier. Und allen geht das Herz auf, denken sie an ihre Auszeiten in Portugal. Für mich war es das erste Mal und am Mittwoch der letzten Woche setzten Maria und ich mich gemeinsam in den Flieger. Und Maria sollte mir nicht nur ihr Traumland zeigen, sondern auch ein Stück ihrer Kindheit und Jugend.

Dieter Puhl macht Urlaub
Aktuell macht Kolumnist Dieter Puhl Urlaub mit seiner Freundin in Portugal.© BM | Dieter Puhl

Die Portugiesen fahren gerne im Kreisverkehr, haben alles zugebaut und trinken gerne Sangria und Weißwein: Das waren die Eindrücke meiner ersten Tage hier. Unsere Unterkunft in Alvor ist wunderschön, ein hübsches, kleines Appartement, vorwiegend unser Nachtlager, von unserem Balkon in der vierten Etage sieht man am Horizont sogar einen Zipfel vom Meer. Und dennoch fühle ich mich etwas wie im „Märkischen Viertel an der Ostsee“.

Die Küste ist hier überwiegend zugebaut

Ich glaube es, das war hier sicher mal alles anderes und man konnte hier früher bestimmt Traumurlaube verbringen. Aber bevor die Küste überwiegend zugebaut wurde. Und Althergebrachtes, portugiesisches Leben, Traditionelles, ich kann heute wenig davon entdecken. Am ehesten dann noch morgens um halb Acht in der kleinen Bäckerei: Keine Touristen hier um diese Zeit, frische, einfache Backwaren, ein leckerer Galão (dem Milchkaffee ähnlich), Einheimische, die hier ihren Tag beginnen. Normales Leben. Eine schöne Alternative zu Touristenhochburgen und Partymeilen.

Was mir sonst gefällt: Ich bin überrascht wie preiswert das Leben ist, wie angenehm das Wetter und ich habe mich sofort in das gute Essen und den leckeren Wein verliebt. Die Sangria ist so gut, ich muss aufpassen, mir nicht morgens bereits die Zähne damit zu putzen. Ich kann verstehen, sehr viele deutsche Pensionäre bringen hier den gesamten Winter zu oder haben ihren Lebensmittelpunkt ganz hierher verlegt. Denn das mit den Ärzten und der sonstigen Infrastruktur, die ältere Menschen schätzen, haut auch hin.

Wo sind hier übrigens die Straßenköter und die Katzen?

Aber: Maria und ich haben Zeit füreinander, um miteinander zu reden, auch zu schweigen, uns noch immer kennen- und lieben zu lernen, uns unsere Geschichten zu erzählen. Sie und ihr Bruder Tim in einer kleinen Bucht an der Westküste. Praia de Castelejo, umgeben von hohen Felsen mit etlichen Sanddünen, Ebbe und Flut treiben ein interessantes Spiel mit dem Meer, Bucht schließt an Bucht und so kann man wohl etliche Kilometer spazieren gehen. Die Geschwister hatten hier entspannte Tage, Jahr auf Jahr.

Gestern zeigte Maria mir ihren Traumstrand. Einen schöneren habe ich im Leben noch nie gesehen. Ein kleines Restaurant auf den Klippen, die Fischsuppe und die Muscheln waren gut, lieber Gott, du hast uns verwöhnt. Nur ein Tropf wird hier nicht seinem Schöpfer danken.

Hier möchte ich wieder hin und es bleiben uns ja noch ein paar Tage, bevor es diesen Samstag zurück nach Berlin geht. Es ist zwar mit Fahrerei verbunden, die nächsten Tage werden wir aber vermutlich mehr an der Westküste zubringen. Und vielleicht ist das dann ja noch etwas mehr typisches Portugal, nicht so gezähmt und gebändigt. Wo sind hier übrigens die Straßenköter und die Katzen?

Zweimal hat Maria mich übrigens schon nach Kreta begleitet, das mit den viele Hauskatzen dort findet sie nun auch gut. Georgia, eine steinalte, griechische Vermieterin hat sie auch in ihr Herz geschlossen und sich an einfache Wohnverhältnisse gewöhnt. Gute Chancen also, im Frühjahr Kreta erneut anzusteuern. „Du, Maria, bist meine Queen“ und Portugal ist für micht nicht abgehakt, aber sorry: Es bleibt zweite Wahl.

Mehr zum Thema