Kann man Satzzeichen sprechen? Man kann. Durch Pausen, Betonungen, Heben und Senken der Stimme, durch Crescendo (Anschwellen) und Decrescendo (Absenken) des Redeflusses wird dem Zuhörer oder der Zuhörerin das Gesagte verständlich. Wer uns mit einem monotonen Redeschwall ohne Höhepunkte eindeckt, ist ein sogenannter Dampfplauderer, dem man beibringen muss, kürzere Sätze zu bilden und zwischen ihnen eine Zäsur wenigstens anzudeuten. Kann man Satzzeichen auch schreiben? Man kann nicht nur, man muss! Ohne solche Lesehilfen hätten wir keinen Text, sondern ein Silbenrätsel vor uns. Wir benötigen die Satzzeichen, um die Gliederung und Zuordnung der einzelnen Wörter und Satzteile mit einem Blick zu erfassen.
Wann schreibt man
Am Ende eines Aussagesatzes steht ein Punkt: „Es wird endlich Sommer.“ Am Schluss einer Frage wird ein Fragezeichen gesetzt: „Wann wird es endlich Sommer?“ Das Komma (Plural Kommas, deutsch Beistrich) trennt Aufzählungen, Wortgruppen oder Teilsätze voneinander ab. Das Semikolon, der Strichpunkt, ist weder Punkt noch Komma. Das Semikolon ersetzt den Punkt, wenn dieser zu stark trennt; es ersetzt das Komma, wenn dieses zu schwach trennt. Der Doppelpunkt (Kolon) kündigt an, dass noch etwas folgt, was sinngemäß zum Kontext (Zusammenhang) gehört.
Weitere Blogs und Kolumnen von Peter Schmachtenhagen und anderen lesen Sie hier.
Der Gedankenstrich kennzeichnet etwas Folgendes, oft Unerwartetes: „Hier hilft nur eines – nichts wie weg!“ Für eine Parenthese, also für einen Einschub außerhalb des eigentlichen Satzverbandes, benötigen wir gleich zwei Gedankenstriche. „Die Berliner Morgenpost – sie erscheint auch sonntags – ist bereits 126 Jahre alt.“ Bei der Textverarbeitung sollten Sie unbedingt darauf achten, eine Parenthese vorn und hinten mit Leertaste, langem Strich und wieder Leertaste zu tippen. Folgt auf den Einschub jedoch ein Nebensatz, entfällt das hintere Leerzeichen: „Die Millionenstadt Berlin – sie war 28 Jahre lang durch eine Mauer geteilt –, die gleichzeitig ein Bundesland ist …“
Kurze und lange Striche darf man nicht verwechseln
Ein (kurzer) Binde- oder Worttrennungsstrich darf nicht mit dem (langen) Gedankenstrich verwechselt werden. In den meisten Textverarbeitungen erzeugen Sie den Gedankenstrich mit der Tastenkombination [Strg]+minus auf dem Zehnerblock.
Die Anführungszeichen, bundesweit im Volksmund auch Gänsefüßchen genannt, stehen vor und hinter der direkten Rede und bei Zitaten. „Wenn doch endlich Ferien wären!“, stöhnte sie. „Die Europawahl“, sagte er, „kann noch Folgen haben.“ Die Klasse las Goethes „Faust“. Habeck will „verantwortlich mitarbeiten“.
Sie müssen genau auf die Reihenfolge von Abführung und Punkt bzw. Komma achten. Das Komma steht immer nach der Abführung, der Punkt bei einer vollständigen wörtlichen Rede jedoch stets vor der Abführung. Haben wir es aber mit einem Teilzitat zu tun, ändert sich die Reihenfolge bei Abführung und Punkt: Sie las Goethes „Faust“. Befindet sich ein Zitat innerhalb eines anderen Zitats, wird das zweite Zitat in einfache An- und Abführung gesetzt. „Ab morgen lesen wir Goethes ,Faust‘“, sagte der Lehrer.
In Klammern kann man Zusätze, Erläuterungen oder Nachträge unterbringen. „Die Zeichensetzung (Interpunktion) ist ein weites Feld.“ „Er erreichte Frankfurt (Oder).“ Ein Ergänzungsstrich steht, wenn in Zusammensetzungen ein gleicher Bestandteil nur einmal genannt wird: „Land- und Forstwirtschaft“.
Der Genitiv und der Deppenapostroph
Der Apostroph (der!) zeigt das Fehlen eines oder mehrerer Buchstaben in einem Wort an. Der Apostroph ist vor Kurzem an dieser Stelle ausführlich erklärt worden. „Geht’s dir gut?“ „So ’n Schiet!“ Der Apostroph darf jedoch nicht beim entfallenen Schluss-e von Verbformen oder bei der Befehlsform (Imperativ) gesetzt werden: „Ich komm gleich.“ „Hör mal zu!“
Zur Kennzeichnung des Genitivs, des Plurals oder anderer Flexionsformen steht kein Apostroph. So etwas wird allgemein als „Deppenapostroph“ bezeichnet: nicht „Karl’s“ Auto, sondern Karls Auto – selbst bei abgekürztem Namen (K.s Auto) steht kein Genitiv-Apostroph.
Der Genitiv muss auch bei Fremdwörtern auf -us ohne Apostroph gebildet werden: „das Scheitern des Kommunismus.“

