Der SPD-Abgeordnete Lars Düsterhöft hat den Bau des Fahrstuhls am S-Bahnhof Johannisthal schon einmal sarkastisch als „Jahrhundertprojekt“ bezeichnet. Ganz so lange hat es dann doch nicht gedauert. Zwei Jahre Verspätung sind aber dennoch eine Hausnummer.

Am Montag dieser Woche war der Fahrstuhl noch mit Zäunen abgesperrt. Eine am selben Tag gestellte Anfrage der Morgenpost beantwortete die Deutsche Bahn dann schließlich am Donnerstag. Dabei teilte das Unternehmen mit, dass der Fahrstuhl seit Mittwoch, 21. Oktober, in Betrieb ist. Zwei Morgenpost-Leser, die den Bahnhof regelmäßig nutzen, bestätigten das inzwischen.

S-Bahnhof Johannisthal: Warum die Deutsche Bahn erst jetzt die Freigabe erteilte

„Da noch Nacharbeiten am Blitzschutz der neuen Anlagen erforderlich waren, konnten wir die Anlage erst jetzt freigeben. Wir bitten um Ihr Verständnis, dass wir bei solchen sicherheitsrelevanten Themen alle nötige Sorgfalt walten lassen müssen“, erklärte ein Bahnsprecher.

Auf die Frage, warum noch vor der Inbetriebnahme auch tagsüber dauerhaft das Licht am Fahrstuhl brannte, antwortete er: „Die Beleuchtung an der Personenüberführung wird, wie üblich, über einen Helligkeitssensor gesteuert. Unter gewissen Lichtverhältnissen, zum Beispiel bei starker Bewölkung, kann es sein, dass das Licht auch während der Tagesstunden an ist.“

Fahrstuhl bzw. Aufzug am S-Bahnhof Johannisthal
Zwei Tage vor der Inbetriebnahme wurde dieses Foto aufgenommen. Es zeigt den hier noch gesperrten Ausgang auf der Fußgängerbrücke, die zum Bahnsteig führt.© Berliner Morgenpost | Philipp Hartmann

Noch Anfang Oktober waren Zweifel an der baldigen Freigabe des Fahrstuhls aufgekommen. Ein Leser schickte in einer E-Mail Fotos. Auf diesen war zu sehen, dass rund um den Fahrstuhl sogar noch Steine im Gehweg verlegt werden mussten. „Statt einer Fertigstellung sieht es eher nach erneuten rückläufigen Baumaßnahmen aus“, schrieb der Mann. Und weiter: „Es wäre schon toll, als Anwohner mal zu erfahren, was da wieder alles schiefläuft. Material- und Lieferprobleme ist man ja bereits gewohnt.“

Zeitplan für den Bau des Aufzugs wurde mehrmals verschoben

In der Tat hatte die Deutsche Bahn mit dem Bau des Aufzugs, dessen Inbetriebnahme eigentlich mal für September 2024 angekündigt wurde, erhebliche Probleme. Bereits Ende 2024 teilte sie mit, dass sich der Bau aufgrund der „schwierigen Marktlage im Baugewerbe“ verzögere. Das Vorhaben wurde immer wieder verschoben, weil es der Bahn nicht gelang, Kapazitäten wie Personal und Materialien zu binden. Ausschreibungen blieben längere Zeit ergebnislos.

Fahrstuhl bzw. Aufzug am S-Bahnhof Johannisthal
Der Fahrstuhl sorgt nun dafür, dass Menschen aus Johannisthal barrierefrei zum Bahnhof kommen.© Berliner Morgenpost | Philipp Hartmann

Ende 2025 ging die Bahn auf Anfrage noch davon aus, eine Inbetriebnahme im Frühsommer 2026 realisieren zu können. Nun ist es Ende Oktober geworden.