Die Anwesenden auf der Baustelle mussten sich mehrfach den Staub aus den Augen und von der Kleidung wischen. Der Wind wirbelte den trockenen Sand von den bereits aufgeschütteten Erdhügeln über das Rednerpult am Segelfliegerdamm in Johannisthal. „Bauen Sie schnell, damit uns der Sand nicht mehr ins Gesicht weht“, appellierte dann auch Treptow-Köpenicks Bürgermeister Oliver Igel (SPD) in seinem Grußwort an die Projektbeteiligten.

Auf einem riesigen Areal am Groß-Berliner Damm und Segelfliegerdamm entsteht bis Anfang der 2030er-Jahre eines der größten und bedeutendsten neuen Stadtquartiere Berlins. Direkt an den Landschaftspark Johannisthal angrenzend werden in Zukunft 1800 Wohnungen ein neues Zuhause für etwa 3500 Menschen schaffen.
Segelflieger-Quartier Berlin: Das wird in Johannisthal alles gebaut
Dazu entstehen auf dem ehemaligen Flugfeld rund 153.000 Quadratmeter Gewerbeflächen, eine Kita und ein Stadtteilzentrum. Außerdem werden Grün- und Freiflächen, Angebote für Nahversorgung, Dienstleistungen und Gastronomie sowie soziale Infrastruktur mitgeplant. Das Quartier folgt dabei dem Leitbild der kurzen Wege und verbindet Wohnen, Arbeiten und Freizeit an einem Standort, der durch mehrere Planstraßen auch noch verkehrlich erschlossen wird. Realisiert wird das Vorhaben vom Land Berlin gemeinsam mit dem kommunalen Wohnungsunternehmen Degewo, dem privaten Investor Bauwert AG und der Wista.Plan GmbH.

Die Degewo hatte am Donnerstag zum Projektauftakt geladen. Sie errichtet auf einem rund 25.500 Quadratmeter großen Grundstück im südwestlichen Bereich des Segelflieger-Quartiers sechs Wohngebäude in drei Baublöcken. Dabei entstehen allein 546 Wohnungen. Davon werden 440 öffentlich gefördert. Laut Vorstandsmitglied Kai-Marten Maack werden deren Nettokaltmieten bei sieben Euro pro Quadratmeter beginnen.
Auch interessant
Wohnungen richten sich an Singles und Familien – Nettokaltmieten ab sieben Euro
Es wird ihm zufolge Ein- bis Fünfzimmerwohnungen geben und damit Angebote für Singles und Familien. Geschaffen werde ein „vielfältiges und bezahlbares Wohnungsangebot für Berlinerinnen und Berliner“, verspricht er. „Als landeseigenes Wohnungsunternehmen liefern wir damit einen wichtigen Baustein für eine zukunftsorientierte Quartiersentwicklung an diesem historisch besonderen Ort.“ Derzeit laufen noch die vorbereitenden Arbeiten. Für Herbst ist der Baubeginn vorgesehen. Die Fertigstellung soll Anfang 2029 erfolgen. Geplant sind nach Auskunft von Kai-Marten Maack auch eine Tiefgarage und 800 Stellplätze für Fahrräder.

Bereits seit Anfang 2026 laufen gleich nebenan die Bauarbeiten der Bauwert AG. Ende September folgt dort die Grundsteinlegung der ersten beiden Wohnhäuser „Arthur“ und „Thekla“ mit zusammen rund 180 Wohnungen. Anfang 2029 sollen dort die ersten Mieter begrüßt werden. Insgesamt errichtet der private Projektentwickler acht Gebäude im Quartier und damit auch den Großteil der Wohnungen. Die weiteren Baufelder befinden sich noch in der Planung.
Auch interessant
Gewerbeflächen erweitern den Wissenschafts- und Technologiepark Adlershof
„Das Segelflieger-Quartier zeigt beispielhaft, wie durch die vertrauensvolle Zusammenarbeit von einem landeseigenen Wohnungsunternehmen und privaten Partnern mit dem Land Berlin bezahlbarer Wohnraum in großen neuen Stadtquartieren entstehen kann“, sagte Bausenator Christian Gaebler (SPD). Der Regierende Bürgermeister Kai Wegner (CDU) sprach von einem „großartigen Projekt“ und einem „richtig tollen Zuhause“ für viele Menschen, das vor Ort entstehen wird.

Oliver Igel sieht im Segelflieger-Quartier einen „großen Gewinn“ für Treptow-Köpenick und insbesondere für Johannisthal. „Hier entsteht ein lebendiges Quartier mit Wohnungen für unterschiedliche Lebensphasen, kurzen Wegen, sozialen Angeboten und einer engen Verbindung zum Wissenschafts- und Technologiepark Adlershof“, äußerte er sich.
Auf dem historischen Johannisthaler Flugfeld wächst eines der spannendsten neuen Stadtquartiere Berlins.
Daniel Herrmann, Vorstand der Bauwert AG
Nahversorgung und Gastronomie sollen Entwicklung einer sogenannten Schlafstadt verhindern
Wie Daniel Herrmann, Vorstand der Bauwert AG, der Berliner Morgenpost berichtete, sind bereits Hunderte Wohnungsanfragen eingegangen. Diese kommen demnach überwiegend von Menschen, die am Wissenschaftsstandort Adlershof arbeiten und gern in der Nähe ihres Arbeitsplatzes wohnen möchten. Da die Arbeitnehmer, die in der boomenden Region tätig sind, aus aller Welt kommen, geht er davon aus, dass die Bewohnerschaft einmal sehr international sein wird. Das Segelflieger-Quartier werde verschiedene Menschen, Kulturen und Architekturen vereinen.

Dort, wo vor nicht allzu langer Zeit noch die Fliegerhalle stand, wird es nach Auskunft von Daniel Herrmann einen Neubau im alten Stil geben. Genau hier, zwischen den Wohnhäusern der Degewo und der Bauwert AG, soll es in Zukunft Angebote für Nahversorgung und Gastronomie geben. Konkrete Gespräche mit einem großen Nahversorger finden ihm zufolge bereits statt.
Weitere Themen aus Treptow-Köpenick:
- Wirtschaft: Neue Berliner Eismarke setzt auf Innovation und originales DDR-Softeis
- Verkehr: BVG lehnt Buslinie am Stadtrand ab: Werden ältere Menschen im Stich gelassen?
- Politik: Treptow-Köpenicks Bürgermeister Oliver Igel zieht sich zurück
- Gastronomie: Mega-Baustelle in der Altstadt Köpenick trifft Restaurants und Cafés hart
- Stadtentwicklung: Megaprojekt „Funkytown“ in Berlin belebt Lost Place auf spektakuläre Weise
- Einkaufszentren: Geplanter Ausbau der Taut-Passage am S-Bahnhof Grünau kurz vor dem Durchbruch
Die alte Direktorenvilla, die sich direkt daneben befindet, wird von der Bauwert AG noch denkmalgerecht saniert. Angedacht ist, dass sich darin in Zukunft Büros befinden werden. Daniel Herrmann kann sich zudem ein Ärztehaus vorstellen. Diesbezüglich ist jedoch noch vieles offen. Der Bauwert-Vorstand sieht in jedem Fall „eines der spannendsten neuen Stadtquartiere Berlins“ heranwachsen.





