Am Samstagmittag rollt eine Frau mit Lastenfahrrad über die Görlitzer Brücken. Ein Grünzug, der über einen Bahndamm und alte Bahnbrücken vom Görlitzer Park bis nach Alt-Treptow führt. Sie klingelt und ruft lachend: „Brücken. Gemeinsam. Offenhalten.“ Denn mit dem Radeln soll hier bald Schluss sein. Kleine Schilder der Deutschen Bahn an den Brückengeländern verkünden: „Diese Anlage ist ab dem 01.07.2026 dauerhaft gesperrt.“

Dagegen regt sich Widerstand in der Nachbarschaft. Rund vierhundert Menschen sind dem Aufruf der Initiative „Zusammenbrücken“ gefolgt. Auf Schildern und Transparenten stehen Sprüche wie „Brücken beglücken“ und „Jeder Tag ist Brückentag“. Auf die Melodie von „Wake Me Up Before You Go, Go“ singen die Demonstrierenden gemeinsam: „Halt ihn auf, den Görli-Bahndamm“.

Görlitzer Brücken: Das steckt hinter dem Streit um die Schließung

Der ist ein Überbleibsel einer längst stillgelegten Eisenbahnstrecke. Die alten Brücken führen über die Elsenstraße, Bouchéstraße, Lohmühlenstraße und den Landwehrkanal von Alt-Treptow in den Görlitzer Park. Eine wichtige Verbindung zwischen Treptow-Köpenick und Friedrichshain-Kreuzberg für Fußgänger, Radfahrer und Gassigänger.

Demo gegen Sperrung der Görlitzer Bahnbrücken
Mit Schildern protestieren die Demonstranten gegen die drohende Schließung des Bahndamms.© FUNKE Foto Services | Maurizio Gambarini

So wie für Maxi Fischer. Die Anwohnerin geht hier ein- bis zweimal am Tag mit ihrem spanischen Bodeguero-Terrier Nami spazieren. Für sie ist der Bahndamm eine „grüne Oase“, die erhalten bleiben muss. Auch für Jürgen Hans darf die Schließung „keine Option sein“. Er radelt täglich zu seinem Job über die alten Brücken und glaubt, eine Schließung hätte „gravierende Folgen“. „Zusammenbrücken“ hatte am Vortag noch gezählt, wie viele Menschen die Brücke nutzen. Innerhalb von einer Stunde hatten 517 Personen alleine die Brücke am Görlitzer Park überquert.

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Die Brücken gehören der Deutschen Bahn – die hatte die Strecke an den Bezirk Treptow-Köpenick verpachtet. Und den Vertrag überraschend beendet. Wegen „Korrosionsschäden“. Der Bezirk soll den Bahndamm Ende Juni an die Bahn übergeben. Laut Bezirksamt habe die Bahn den Vertrag gekündigt „um die Verkehrs- und Standsicherheit insbesondere der Überbauten weiter gewährleisten zu können“ – aber auch aus „Gründen der Wirtschaftlichkeit“. Die Bahn ist bereit, die Brücken zu verschenken – setzt den Senat, der für Brücken zuständig ist, mit der angekündigten Sperrung aber auch gehörig unter Druck und stößt den Bezirk dabei vor den Kopf.

Das sagt das Bezirksamt von Treptow-Köpenick zur Sperrung

Der Bezirksbürgermeister von Treptow-Köpenick, Oliver Igel (SPD), hatte die Sperrung „dramatisch“ genannt und eine Lösung vom Senat gefordert. Er sprach zu Beginn der Demonstration auf der Brücke über die Elsenstraße zu den Demonstrierenden, ebenso wie seine Kollegin aus dem Bezirksamt, Claudia Leistner (Grüne), die für Straßen und Grünflächen zuständig ist. Sie nannte das von der Bahn gesetzte Datum „willkürlich“. Und kritisierte, dass das Bezirksamt kein Gutachten über den Zustand der Brücke kenne.

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Sie kündigte Gespräche zwischen dem Bezirksamt, Senat und der Bahn für kommende Woche an. Bisher waren die Bemühungen der Bezirkspolitiker vergeblich. Auch das Bezirksamt von Friedrichshain-Kreuzberg kritisierte den Vorgang. Die Demo zog von der Brücke aus Alt-Treptow über den Bahndamm bis zum Görlitzer Park. Ob Fahrradfahrer, Spaziergänger und Co. sich bald neue Wege bahnen müssen, bleibt offen.