Uschi hechelt und zittert am ganzen Körper. Ist es Aufregung oder Angst? Steffi Schubbert hat die Hündin auf ihren Tisch gesetzt. Unter einer hellen Lampe greift sie zur Schere und schneidet Uschi ein paar zu lange Haare ab. Dass der das nicht besonders gefällt, ist deutlich zu sehen. „Ich bin nicht gerade beliebt“, sagt die 46-Jährige. Damit muss sie jetzt aber zurechtkommen. Schließlich hat sie sich bewusst dazu entschieden, in der Bölschestraße in Friedrichshagen einen Hundesalon zu eröffnen.

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Dafür übernahm sie einen früheren Barbershop. Gut einen Monat dauerte die Renovierung des Ladens, der in einem Hinterhof in der Bölschestraße 91a liegt. Erst seit März gilt der Mietvertrag. „Einen besseren Start hätte ich mir gar nicht vorstellen können“, erzählt Steffi Schubbert. Zur Eröffnung am 4. April reichte die Schlange der Besucher gleich mal bis vor zur Straße. Etliche Hundehalter stellten sich zusammen mit ihren Tieren vor.

Bölschestraße in Friedrichshagen: Bekannt als Gastronomin aus der Kneipe „Josef Heinrich“

„Man glaubt gar nicht, was es da für eine Nachfrage gibt.“ Nach drei Wochen zählt sie bereits 80 Kunden. Vielleicht liegt das auch an der fehlenden Konkurrenz in der Gegend. Die nächsten Hundesalons liegen ihr zufolge in Köpenick, Waldesruh, Hoppegarten und Neuenhagen.

Hundesalon in der Bölschestraße in Friedrichshagen
Der Hundesalon Friedrichshagen befindet sich in einem Hinterhof in der Bölschestraße 91a. Vorher befand sich dort ein Barbershop. © FUNKE Foto Services | Joerg Carstensen

In Waldesruh hat sie auch ihre Ausbildung gemacht – im Hundesalon „Die Pudelfrau“ von Inhaberin Jana Posna. Nach einem erfolgreichen Probetag war die Sache klar. Mehr als ein Jahr dauerte die Ausbildung, die Schubbert als „sehr umfangreich“ bezeichnet. „Ich habe das ein bisschen unterschätzt“, gibt sie zu. Nun aber darf sie sich Fachkraft für Hundepflege nennen.

30 Jahre habe ich mich um Zweibeiner gekümmert, jetzt um Vierbeiner.

Steffi Schubbert, Inhaberin Hundesalon Friedrichshagen

Viele Menschen in Friedrichshagen kennen Steffi Schubbert bereits. Das liegt daran, dass sie zuletzt sieben Jahre lang die Bar „Josef Heinrich“ betrieben hat. Besonders, wenn der 1. FC Union Berlin spielt, ist es dort rappelvoll. Auf fünf großen Fernsehern läuft Fußball und anderer Sport. In der urigen Kneipe im hinteren Teil der Bölschestraße darf auch noch geraucht werden. Der Laden lebt von seinen Stammgästen. Menschen mit schmalem Geldbeutel und Leute, die mit dem Porsche vorfahren, sitzen hier nebeneinander am Tresen. „Das ,Josef Heinrich‘ ist für viele ein zweites Wohnzimmer“, so die gebürtige Rostockerin.

Hundesalon in der Bölschestraße in Friedrichshagen
„Ich habe keine Lieblingsrasse“, sagt Steffi Schubbert. Statt weiter in der Kneipe zu arbeiten, betreibt sie in der Bölschestraße jetzt den Hundesalon Friedrichshagen. Hier frisiert sie Hündin Uschi.© FUNKE Foto Services | Joerg Carstensen

Berufswechsel wegen der harten Nachtarbeit

Nach Jahrzehnten in der Gastronomie hatte sie darauf aber keine Lust mehr. „Die Nachtarbeit hat mich fertig gemacht“, berichtet sie. Den Wunsch zum Berufswechsel hatte sie deshalb schon ein paar Jahre. „Mit 50 wollte ich nicht mehr in der Kneipe stehen.“ So übernahm ihr Mann Thomas Müller, der die Kneipe bereits drei Jahre vor ihr betrieben hatte, wieder die Verantwortung. „Mein Mann ist mehr ein Nachtmensch.“

Kneipe Bar Josef Heinrich in Friedrichshagen
Die Kneipe und Bar „Josef Heinrich“ in der Bölschestraße 11 in Friedrichshagen hat Steffi Schubbert sieben Jahre lang betrieben. © FUNKE Foto Services | Joerg Carstensen

Es ist zu spüren, dass Steffi Schubbert glücklich mit ihrer Entscheidung ist. „Ich brauchte was fürs Herz. Jetzt kann ich den ganzen Tag mit Hunden arbeiten. Ich kann mir nichts Schöneres vorstellen“, betont sie. Hundefriseurin sei einfach ein toller Beruf. „30 Jahre habe ich mich um Zweibeiner gekümmert“, scherzt die gelernte Restaurantfachfrau. „Jetzt hoffentlich bis zur Rente um Vierbeiner.“

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Welche Herausforderungen im Job als Hundefriseurin warten

In ihrem neuen Job warten allerdings auch immer wieder Herausforderungen. Zum Beispiel, wenn sie sich um Hunde mit einem stark verfilzten Fell kümmern soll. Das kommt dann vor, wenn die Halter zu nachlässig im Umgang mit ihren treuen Wegbegleitern sind. Gleich an ihrem ersten Arbeitstag am 7. April hatte sie einen Hund mit einem regelrechten „Filzpanzer“ vor sich. „Ganz schlimm“ sei das gewesen. „Es liegt an der Pflege, wie stressig es für den Hund ist“, erklärt Schubbert. Je ungepflegter der Hund, desto unangenehmer der Besuch beim Hundefriseur.

Hundesalon in der Bölschestraße in Friedrichshagen
Kerstin gehört von Anfang an zu den Kundinnen des Hundesalons Friedrichshagen. Sie lässt ihre Hündin Uschi dort frisieren.© FUNKE Foto Services | Joerg Carstensen

Eine schwierige Situation ist auch immer, wenn nach dem Waschen des Hundes der Hochleistungsföhn eingeschaltet wird, denn dieser ist sehr laut. Damit sich die Vierbeiner nicht so sehr erschrecken, bekommen sie vorher ein Stück Watte in die Ohren. „Föhn und Filz – das ist das, was den Hunden richtig Stress bereitet“, erläutert die Expertin.

Leckerli als Belohnung für die Hunde

Damit die Hunde sie nicht in schlechter Erinnerung behalten, belohnt sie Steffi Schubbert hinterher immer mit einem Leckerli. Um nicht das falsche Futter zu reichen, informiert sie sich bei ihren Kunden vorab über mögliche Allergien. Die kleine Bestechung scheint auch bei Uschi zu funktionieren. Kaum hat die kleine Hündin nach ihrer Behandlung die Schnitthaare abgeschüttelt und sich ein Leckerli abgeholt, flitzt sie wieder schwanzwedelnd umher.

Hundesalon in der Bölschestraße in Friedrichshagen
Falls es doch mal dazu kommt, dass ein Hund noch nicht abgeholt wurde, der nächste Kunde aber schon da ist, kann Steffi Schubbert die Vierbeiner durch dieses Gitter trennen.© FUNKE Foto Services | Joerg Carstensen

65 Euro werden im Hundesalon Friedrichshagen pro Stunde genommen. Bei großen Hunden sind es 80 Euro. Wie lange das Waschen und Schneiden dauert, hängt vom Pflegezustand des Tieres ab. „Für einen Königspudel kann man drei Stunden einplanen, je nach Frisur“, so die Inhaberin. Währenddessen können die Hundehalter Erledigungen machen.

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Warum bei Hunden aus dem Tierschutz oft mehrere Termine nötig sind

Bei manchen Hunden steht alle sechs bis acht Wochen ein Termin beim Hundefriseur an. Bei einigen Rassen reicht auch ein Termin alle zehn bis zwölf Wochen aus. Und dann gibt es auch Rassen, bei denen die Haare gar nicht erst so lang wachsen, als dass diese geschnitten werden müssten. Das ist auch bei Schubberts eigenem Hund Bulli, einem Mix aus Französischer Bulldogge und Mops, so. Eine Herausforderung sind ihr zufolge Hunde aus dem Tierschutz. Weil diese oft sehr ängstlich sind, braucht es auch mal drei, vier Besuche, bevor sie zum ersten Mal die Schere ansetzen kann.

Hundesalon in der Bölschestraße in Friedrichshagen
Dieses Dekorationsobjekt einer Französischen Bulldogge steht im Hundesalon Friedrichshagen im Eingangsbereich. Inhaberin Steffi Schubbert hat selbst einen Hund, der ein Mix aus dieser Rasse und einem Mops ist.© FUNKE Foto Services | Joerg Carstensen

Aktuell frisiert sie drei Hunde am Tag. Bald sollen es bis zu fünf werden. Zwischen den Terminen plant sie genug Zeitpuffer ein, sodass es zu keinem Zoff zwischen zwei Hunden kommt. An einem Tag pro Woche wird sie unterstützt von einer Minijobberin. Dabei handelt es sich um Marika Toleikis, die erst im März ihren eigenen Hundesalon „Schnieke Schnauze“ in Erkner aufgegeben und sich in den Ruhestand verabschiedet hat. Von ihr konnte Steffi Schubbert nicht nur einige Geräte abkaufen, die sonst wesentlich teurer gewesen wären. Sie profitierte auch davon, dass so gleich einige Kunden aus Erkner zu ihr gewechselt sind.