Für Feier- und Tanzwütige jedes Alters und jeder Zielgruppe hat Berlin etwas im Angebot. Das dürfte hinlänglich bekannt sein. Die neue Discoreihe der Stephanus-Werkstätten Berlin Süd-Ost aber schafft es doch noch zu überraschen. Es handelt sich dabei um eine inklusive Disco für Erwachsene. Deren Ziel ist es, Barrieren abzubauen und Begegnungen auf Augenhöhe zu ermöglichen.
Die „Disco für alle“ wurde erstmals im Oktober vergangenen Jahres getestet und kam gut an. Deshalb haben sich die Stephanus-Werkstätten dazu entschieden, einen solchen Abend jetzt ein- bis zweimal im Jahr zu veranstalten. Das nächste Mal ist am kommenden Donnerstag, 19. März, von 17 bis 21 Uhr im ABC in der Hirschgartenstraße 14 in Köpenick (Eintritt als Spende).
Köpenick: Sogar blinde Menschen tanzen im Arthur-Becker-Club
„Wir als Stephanus-Werkstätten richten regelmäßig Feiern für unsere Beschäftigten aus – aber im Werkstattkontext. Wir bekommen jedoch immer wieder die Rückmeldung, dass es zu wenige inklusive Freizeitangebote gibt. Es fehlt an Begegnungsmöglichkeiten im Kiez zwischen Menschen mit und ohne Beeinträchtigungen“, erklärt Stefanie Heiber, zuständig für Job-Coaching bei der Stephanus gGmbH, das Zustandekommen. Zudem seien die Beschäftigten leidenschaftliche Tänzer.

Die ehrenamtlich organisierte „Disco für alle“ ist eigentlich ein Gemeinschaftsprojekt der kommunalen Jugendfreizeiteinrichtungen „Grimau“, „WK 14“ und „Würfel“ sowie des Jugendamtes Treptow-Köpenick und des „Arthur-Becker-Clubs“ (ABC). Deren Zielgruppe: Kinder und Jugendliche. Die Stephanus-Werkstätten waren von dem Format aber so begeistert, dass sie diese Disco auch für ein erwachsenes Publikum anbieten wollten. Auf der Tanzfläche finden sich dabei Menschen mit körperlichen und seelischen Beeinträchtigungen. Sogar blinde Menschen sind darunter.
Disco für alle: An der Bar gibt es alkoholfreie Getränke zu warmen Würstchen
Der Ablauf ist dabei nicht anders als in anderen Discos. „Man kommt und tanzt oder schaut vom Rand aus zu. Ein paar Stephanus-Mitarbeitende tanzen mit und laden auf die Tanzfläche ein, wenn wir den Eindruck haben, dass Schüchternheit die einzige Barriere zum Mittanzen ist“, berichtet Stefanie Heiber. „Es gibt warme Würstchen und an der Bar Alkoholfreies“, ergänzt sie. Beim Pilotversuch im vergangenen Herbst sei die Tanzfläche von Anfang bis Ende voll gewesen. Es habe keine Anlaufschwierigkeiten oder Aufwärmphasen gegeben.
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Auch wenn die Disco hin und wieder im „Würfel“ im Allende-Viertel stattfindet, soll der Arthur-Becker-Club zur Stammlocation werden. Das ABC ist ein legendärer Jugendclub, gegründet in den 1950er-Jahren für junge Menschen in der DDR. Bekannte Bands wie „City“ und „Puhdys“ traten dort auf. 2012 musste das Haus schließen, blieb anschließend gut ein Jahrzehnt ungenutzt. Seit rund zwei Jahren finden dort aber wieder Kulturveranstaltungen statt.



