Auf der Online-Plattform GoFundMe ist aktuell ein nicht alltäglicher Spendenaufruf zu finden. Darin bittet ein Berliner um finanzielle Unterstützung für Landwirte in Brandenburg, die in Not geraten sind. Es handelt sich dabei um Nicolas Marcellak, Gründer des Unternehmens „Bauer Direkt“ aus Niederschöneweide. Seit 2022 fährt er jede Woche quer durch Brandenburg. Dort holt er beispielsweise Gemüse aus dem Spreewald, Obst von der Havel, Eier und Säfte bei Bauernfamilien ab. Diese transportiert er direkt nach Berlin.

„Heute jedoch bin ich an einem kritischen Punkt angelangt“, schreibt Nicolas Marcellak in seinem Spendenaufruf. „Ein Restaurant, das unsere Werte teilte, ist kürzlich in Konkurs gegangen. Es geht nicht darum, ihnen die Schuld zu geben, denn die Restaurantbranche steht unter enormem Druck. Aber wenn ein Restaurant mit monatelangen unbezahlten Rechnungen schließt, bleibt die Auswirkung nicht an seiner Tür stehen. Es entsteht ein Schneeballeffekt“, erklärt er.

Bauern in Brandenburg: Wofür die Spenden verwendet werden

Einige der Landwirte seien dadurch nun „in einer kritischen Lage“. Sie müssten Saatgut und Jungpflanzen kaufen, um sich auf die nächste Saison vorzubereiten. Die Spenden will Nicolas Marcellak deshalb dafür verwenden, um die bedürftigsten Landwirte zu bezahlen. Sein Ziel sind 6500 Euro. Bis Mittwochabend waren allerdings erst 1400 Euro eingegangen.

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Sollten über die gewünschte Summe hinaus noch weitere Spenden dazukommen, hätte er auch schon einen konkreten Plan. Das Geld würde er dann für die Reparatur seines Lastwagens und die Rückzahlung von Krediten verwenden. „Was dazu beitragen wird, das Geschäft langfristig zu stabilisieren“, so der Gründer von „Bauer Direkt“.

Obst und Gemüse werden direkt nach Berlin gebracht

Das Konzept seines Unternehmens ist es, frische, saisonale Lebensmittel von kleinen Höfen aus Brandenburg direkt nach Berlin zu bringen. „Wir arbeiten eng mit bäuerlichen Betrieben zusammen, die seit Generationen im Familienbesitz sind und traditionelle Landwirtschaft mit moderner Sorgfalt verbinden. Unser Ziel ist einfach: ehrliche Produkte, kurze Wege, faire Preise und totale Transparenz“, erklärt Nicolas Marcellak.

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Manche Landwirte in Brandenburg sind auf unbezahlten Rechnungen sitzen geblieben. (Symbolfoto)© FUNKE Foto Services | Uwe Ernst

Seiner Auskunft nach werden das Obst und Gemüse erst 24 bis 48 Stunden vor der Lieferung geerntet. Es gebe keine unnötige Zwischenlagerung oder industrielle Verarbeitung. „Was bei uns ankommt, ist das, was auf dem Feld gewachsen ist: frisch, aromatisch und im natürlichen Rhythmus der Jahreszeiten“, so Marcellak. Die Landwirte legten ihre Preise selbst fest. Kunden erhielten „hochwertige Lebensmittel mit vollem Geschmack“. Es gehe darum, gemeinsam eine respektvollere, transparentere und zukunftsfähigere Landwirtschaft zu stärken.

Die Spenden werden verwendet, um die Landwirte zu bezahlen, die sie am dringendsten benötigen.

Nicolas Marcellak, Gründer „Bauer Direkt“ 

„Bauer Direkt“: Diese Ziele verfolgt der Unternehmensgründer

Über sich selbst sagt der Unternehmensgründer, der bald Vater wird, dass er seit seiner Kindheit kocht. Als er nach Berlin kam, habe er einen Food-Blog gegründet und Kochworkshops geleitet. Später habe er im Lebensmittelhandel gearbeitet. Dort habe er einen direkten Einblick in ein System bekommen, „das oft völlig aus dem Gleichgewicht geraten ist“.

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Es sei einfacher gewesen, Kartoffeln aus Zypern zu kaufen als solche, die nur wenige Kilometer rund um Berlin angebaut werden. Für ihn sei das eine „Absurdität“. Dies habe ihm gezeigt, „wie tief die Entfremdung zwischen Stadt und Umland“ sowie zwischen Erzeugern und Konsumenten geworden ist. Die Gründung von „Bauer Direkt“ sei seine Antwort darauf. „Ich möchte wieder Kohärenz, Respekt und Nähe in den Mittelpunkt unserer Ernährung stellen. Eine kleinbäuerliche Landwirtschaft stärken, die Menschen sichtbar machen, die unsere Lebensmittel anbauen, und Produkten wieder ihre Saison, ihren Geschmack und ihre Geschichte zurückgeben“, erläutert er.

Bekannte Berliner Restaurants zählen zu den Kunden

Mit seinem Engagement wolle er dazu beitragen, ein Ernährungssystem aufzubauen, das die Umwelt schützt, statt sie auszubeuten. Erzeuger sollten fair behandelt und Verbrauchern soll eine direkte und natürliche Beziehung zu ihren Lebensmitteln ermöglicht werden.

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Zu den Partnerhöfen von „Bauer Direkt“ gehört der Gemüsebaubetrieb Kuprat, der im Biosphärenreservat Spreewald 30 verschiedene Gemüsesorten anbaut. Ebenfalls zum Netzwerk gehören der Familienbetrieb Obstbau Riedel aus Werder (Havel), das Hofgut Klein Schneen, die Spreewaldmühle, von wo aus Getreide direkt an Bäckereien geliefert wird, und der Hühnerzuchtbetrieb „WeideEi“.

Deren Produkte können online über „Bauer Direkt“ bestellt werden. Das gilt sowohl für Privatpersonen als auch für Gastronomiebetriebe. Zu den Kunden gehören auch bekannte Restaurants wie „Clärchens Ballhaus“ und „Nobelhart & Schmutzig“. Jeden Mittwoch wird in ganz Berlin ausgeliefert.