Holzbretter, Teppiche, Steine, Mülltüten, Farbeimer, Putzlappen und vieles mehr türmen sich auf dem Gelände des ehemaligen Reifenwerks in Schmöckwitz. Es ist eine Umweltsünde auf einem Privatgrundstück mitten im Landschaftsschutzgebiet. Nun greifen die Behörden durch und räumen das Gelände am Adlergestell auf.
„Da trotz Anordnung zur Entsorgung der unzulässigen Abfallablagerungen bisher keine Entsorgung durch den Eigentümer erfolgte, wird aktuell das bezirkliche Umwelt- und Naturschutzamt in Ersatzvornahme tätig“, heißt es in einer gemeinsamen Stellungnahme der Senatsumweltverwaltung und des Bezirksamts Treptow-Köpenick am Donnerstag. Ersatzvornahme bedeutet, dass die Behörden die Arbeiten übernehmen, für die eigentlich der Eigentümer verantwortlich ist, um diese anschließend dem Eigentümer in Rechnung zu stellen. Aus Datenschutzgründen werden Eigentümer von den Behörden in der Regel nicht namentlich genannt.
Schmöckwitz: Ehemaliges Reifenwerk liegt heute im Landschaftsschutzgebiet
Die Senatsumweltverwaltung hat nach eigenen Angaben in diesem Jahr Finanzmittel zur Verfügung gestellt, die erst einmal nur für die Teil-Beräumung des Grundstücks ausreichen. Ziel bleibe es aber, sämtliche dort gelagerten Abfälle zu beseitigen. „An den Eigentümer der Flächen stellen die Behörden erhebliche Forderungen“, heißt es in der Pressemitteilung. Das an das Privatgrundstück mit der Mülldeponie angrenzende Grundstück wurde bereits im Jahr 2014 zwangsversteigert. Es befindet sich mittlerweile im Eigentum der Berliner Forsten. Die gesamte Fläche des Reifenwerks, also sowohl das Privat- als auch das landeseigene Grundstück, ist seit 2022 Teil des Landschaftsschutzgebiets Grünauer Forst.
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„Berlins Bürgerinnen und Bürger haben das Recht auf saubere Straßen, Parks und Wälder. Zurecht fordern wir deshalb von allen Menschen in dieser Stadt ein, sich entsprechend zu verhalten und unsere Grünanlagen sauber zu halten. Nicht zuletzt haben wir deshalb mit der Reform des Bußgeldkatalogs Möglichkeiten für die Bezirke verstärkt, die wenigen Menschen, die sich nicht daranhalten, zu bestrafen“, äußert sich Umweltstaatssekretär Andreas Kraus. „Wir gehen mit gutem Beispiel voran und finanzieren – auch in Zeiten knapper Kassen – die Räumung von großen illegalen Müllablagerungen. Damit Natur, Grundwasser und die Menschen frei von Müll in Berlin leben können“, ergänzt er.

„Unser Ziel ist ein sauberes, gesundes und nachhaltiges Lebensumfeld für alle Menschen im Bezirk. Die finanzielle Unterstützung durch die Senatsverwaltung bei der Ersatzvornahme zeigt, wie wichtig gute Zusammenarbeit zwischen den Ebenen ist“, sagt Treptow-Köpenicks Umweltstadträtin Claudia Leistner. „Wir werden auch weiterhin gegen illegale Ablagerungen sowohl im öffentlichen Raum als auch auf privaten Grundstücken vorgehen“, betont die Grünen-Politikerin.
Das ist über die Geschichte des Lost-Place-Areals bekannt
Das frühere Reifenwerk hat eine lange Geschichte. Der Unternehmer Georg Müller ließ es im Jahr 1944 und damit während des Zweiten Weltkriegs errichten. Nach Kriegsende diente es für die Runderneuerung und Reparatur von Lkw- und Pkw-Reifen. Nach der Enteignung 1953 und der Gründung des VEB (Volkseigener Betrieb) Berliner Reifenwerk entwickelte sich der Standort zu einem bedeutenden Betrieb der DDR-Reifenindustrie. Ab 1990 wurde der zuvor auswärtig produzierte Rohgummi am Standort selbst produziert, wie auf der Internetseite der Senatsverwaltung nachzulesen ist.
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Nach der Wende kam es demnach zur Rückübertragung an die Erben. 2008 wurde dann der Betrieb am Standort endgültig eingestellt. Ab 2015, nachdem das Areal bei einer Zwangsversteigerung zurück an das Land Berlin ging, erfolgte nach jahrelangem Leerstand der Abriss der ehemaligen Produktionsgebäude. Das heute brachliegende Gelände am Adlergestell soll sich durch „Naturverjüngung“ als natürliche Regenerationsmethode wieder in den umliegenden Grünauer Forst eingliedern.
Verseuchter Boden durch Einsatz von Löschschaum bei Großbrand
Probleme machten auf dem Gelände Brände in den Jahren 2005, 2008 und 2009, insbesondere der Brand vom 30. April bis 1. Mai 2005. Dieser gilt laut Senatsverwaltung als größter Brand der Berliner Nachkriegsgeschichte. Damals waren etwa 20.000 Kubikmeter Altreifen in Brand geraten. Durch den Einsatz von Löschmitteln versickerten langlebige Chemikalien, sogenannte per- und polyfluorierte Alkylsubstanzen (PFAS), im Boden.
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Nach dem Großbrand wurde auf Veranlassung des Umweltamts Treptow-Köpenick die betroffene Fläche vom Bauschutt beräumt. Zudem wurde nach den umgehend erfolgten Bodenuntersuchungen die oberste, kontaminierte Bodenschicht, etwa 30 Zentimeter, abgezogen und entsorgt. Bis heute werden in dem Gebiet Grundwasserproben genommen, auch weil das Wasserwerk Eichwalde nicht weit entfernt von dem Gelände liegt. Schadstoffe sind nach wie vor im Untergrund nachzuweisen.




