Pünktlich um 13 Uhr ist am Mittwoch der neue Abschnitt der A100 eröffnet worden. Berlins Regierender Bürgermeister Kai Wegner (CDU) und Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder (beide CDU) durchschnitten ein Band in den Nationalfarben Schwarz-Rot-Gold. Seit dem Nachmittag rollen dann auch Autos über den neuen Abschnitt.

Wegner sprach von einem „guten Tag für Berlin“. Für viele Berlinerinnen und Berliner, aus der Wirtschaft, aber auch aus den anliegenden Kiezen bringe der neue Autobahn-Abschnitt eine Entlastung. Mit Blick auf die Proteste sagte Wegner, diese seien sehr überschaubar. „Ich bin überzeugt, dass diejenigen, die skeptisch sind und die heute protestieren, sehr schnell davon überzeugt werden, wie wichtig dieser Teilabschnitt ist“, so Wegner.

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Bürgermeister von Treptow-Köpenick nicht eingeladen – sein Neuköllner Kollege schon

Er betonte auch, dass die neue Autobahn trotz der gewollten Verkehrswende in Berlin gut sei. „Eine Verkehrswende bedeutet nicht, dass wir keine leistungsfähige Infrastruktur brauchen, ganz im Gegenteil.“ Diese sei notwendig, um den Verkehr besser zu steuern.

Oliver Igel (SPD), Bezirksbürgermeister von Treptow-Köpenick, war – anders als sein Neuköllner Kollege Martin Hikel – nicht zur Eröffnungsfahrt eingeladen. „Ich bin für die A100. Es werden immer Autos durch Wohngebiete fahren, ohne dieses neue Teilstück. Es fallen ja nicht neue Autos vom Himmel, nur weil eine Autobahn eröffnet wird“, sagte er der Berliner Morgenpost an der Ausfahrt Sonnenallee, von der er sich die Ankunft des offiziellen Autokonvois anschaute, mit dem die Politiker zur Eröffnungszeremonie im Hotel Estrel in Neukölln anreisten.

Freigabe des 16. Bauabschnitts der A100
Kai Wegner (CDU, Mitte) betonte die Wichtigkeit des neuen Teilstücks für die Berliner Wirtschaft, aber auch für viele Anwohner.© Sebastian Christoph Gollnow/dpa | Sebastian Gollnow

Bundesverkehrsminister Schnieder: 16. Bauabschnitt nur sinnvoll, wenn auch der 17. kommt

Dort hob auch Bundesverkehrsminister Schnieder die Bedeutung der A100 für Berlin hervor: „Es gibt 5000 Kilometer an Straßen in Berlin, nur knapp 80 Kilometer davon sind Autobahnen“, sagte Schnieder. Dennoch würden sich dort fast 20 Prozent des Autoverkehrs in Berlin abspielen. Das zeige die Bedeutung der A100 – weshalb mit dem 16. Bauabschnitt auch noch nicht Schluss sein soll.

Bundesverkehrsminister Patrick Strieder (Mitte) schneitet am Treptower Park das symbolische Band durch.
Bundesverkehrsminister Patrick Strieder (Mitte) schneitet am Treptower Park das symbolische Band durch.© Sebastian Christoph Gollnow/dpa | Sebastian Gollnow

Der 16. Bauabschnitt ergebe nur richtig Sinn, wenn der 17. Bauabschnitt folge, so Schnieder weiter. Daher sei der nun erreichte Meilenstein auch nur ein Zwischenschritt. „Deshalb plant die Autobahn GmbH bereits intensiv den 17. Bauabschnitt. Wir erwarten noch in diesem Jahr einen Vorschlag für eine stadtverträgliche technische Lösung“, kündigte Schnieder an.

Autobahn-Chef: „Das hat uns einiges abverlangt“

Das bestätigte auch Michael Güntner, Vorsitzender der Geschäftsführung der Autobahngesellschaft des Bundes. Wenn es einen Beschluss gebe, setze man alles daran, diesen auch umzusetzen, sagte Güntner, der zugleich die Herausforderungen ansprach, die es bereits beim 16. Bauabschnitt gegeben hat.

„Das Projekt hat uns einiges abverlangt“, sagte Güntner, der auf archäologische Funde in Baugruben, Lieferengpässe in der Stahlindustrie oder die Corona-Pandemie verweis. Er betonte aber auch: Dieses Durchhaltevermögen, das man beim nun eröffneten Teil gezeigt habe, werde man auch in der Planung des 17. Bauabschnitt beweisen. „Der verkehrliche Nutzen und die Entlastung des Straßennetzes im Osten der Stadt wird erst dann nachhaltig rezipiert werden“, so Güntner.

Demonstranten fordern keinen weiteren Ausbau der A100

A100 Protest
Die Eröffnung des 16. Bauabschnitts wird von Protesten begleitet. © Philipp Siebert | Philipp Siebert

Schon Stunden vor der Eröffnung hatten sich mehrere Dutzend Autobahngegner zu einem ersten Protest versammelt. Das Bündnis „A100 wegbassen“ hatte zu einer symbolischen Aktion am Treptower Park aufgerufen. „Wir setzen uns für eine verbesserte Infrastruktur für alle Verkehrsteilnehmenden ein“, sagte Teilnehmerin Mechtild Lutze. Eine Autobahnerweiterung sei „aus der Zeit gefallen“, so die Vorsitzende des Allgemeinen Deutschen Fahrradclubs (ADFC) Tempelhof.

Die Demonstrierenden wollen erreichen, dass die A100 nicht über den Treptower Park hinaus gebaut wird. Den 16. Bauabschnitt konnte man nicht verhindern, weshalb sich der Protest vor allem gegen den 17. richtete. Ein aufgestellter Schriftzug „ENDE“ in großen roten Lettern unterstrich ihre Forderungen. „Es wird keinen Meter Neubau einer Autobahn in dieser Stadt mehr geben“, wurde immer wieder skandiert. Für den 16. Abschnitt seien 450 Bäume gefällt, 99 Wohnungen abgerissen und eine Fläche von 14 Fußballfeldern versiegelt worden, sagte Demonstrantin Briti Beneke. „Die Erweiterung bedeutet auch täglich 12.000 Autos mehr auf der Elsenbrücke.“ Der 16. Abschnitt sei der „Highway to Hell“.

Protest gegen A100
Der Protest richtete sich vor allem gegen den geplanten 17. Bauabschnitt.© Philipp Siebert | Philipp Siebert

Wenige Festnahmen auf der Sonnenallee

Gegen 13.30 zog der Demonstrationszug zum Hotel Estrel, wo die Feierlichkeiten um 14 Uhr starteten. Davor machten die Autobahngegner ihrem Ärger lautstark Luft. Auch hierzu hatte „A100 wegbassen“ aufgerufen – ein breites Bündnis aus Umweltschutz- und Verkehrswende-Initiativen sowie Bürgerinitiativen aus den betroffenen Kiezen im Norden Treptows.

Am Hotel Estrel wuchs die Menge dann nach Polizeiangaben auf rund 280 Personen an. Die Berliner Polizei selbst war mit ebenso vielen Kräften rund um die Eröffnung sowie einem Hubschrauber im Einsatz, der permanent über dem Südosten Berlins kreiste. Vor dem Hotel wurde ein Rauchtopf geworfen, der die Straße kurz in grünen, schweflig-stinkenden Dunst hüllte. „Das kam nicht von uns“, beteuerte ein Demonstrationsteilnehmer via Lautsprecher.

Lage des 16. Bauabschnitts der Stadtautobahn A100 zwischen Neukölln und Treptow
Lage des 16. Bauabschnitts der Stadtautobahn A100 zwischen Neukölln und Treptow© Berliner Morgenpost Infografik/OSM | C. Schlippes /Google Earth

Ein Beamter sei beleidigt worden, eine Drohne sei in der Flugverbotszone gesichtet worden, zählt eine Polizeisprecherin weitere kleinere Zwischenfälle auf. Bei den Protesten gab es vereinzelte Festnahmen: Ein Demonstrant hatte sich auf den Boden gekauert und angekündigt, „wie ein Frosch auf allen vieren“ über die Autobahn kriechen zu wollen. Er wurde schließlich abgeführt.

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Etwas dynamischer schien die Situation kurz zu werden, als der Protestzug vom Estrel auf die Hatun-Sürücü-Brücke knapp 200 Meter südlich ziehen wollte. Das Bauwerk führt direkt über den neuen Autobahnabschnitt und verfügt über Zu- und Abfahrten. Allerdings wurden die Autobahn-Gegner nicht auf, sondern aus Sicherheitsgrünen, nur bis vor die Brücke gelassen – sehr zum Unmut einiger.

Die Demo wurde um kurz nach 15 Uhr beendet – eine Stunde, bevor die Autobahn tatsächlich freigegeben wurde. Da waren nur noch wenige der A100-Gegner vor Ort.

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Auch Befürworter demonstrieren

Neuer A100-Abschnitt wird eröffnet. Demonstranten am Treptower Park
Neuer A100-Abschnitt ist bereits eröffnet. Die Jungen Liberalen demonstrieren für einen Weiterbau der Autobahn.© Philipp Siebert | Philipp Siebert

Am Treptower Park und später vor dem Estrel demonstrierten auch Befürworter: Sie fordern einen Weiterbau der A100. Angemeldet hatten die Aktion die Jungen Liberalen, die Jugendorganisation der FDP. Einige der fünf bis zehn Teilnehmer war extra mit dem Auto gekommen, um später unter den ersten auf dem neuen Autobahnabschnitt zu sein. Von der anderen, deutlich größeren Demonstration mussten sich die Jungliberalen einiges an Häme gefallen lassen.

Auch Anwohner stehen dem neuen Abschnitt positiv gegenüber. „Wir erhoffen uns von dem neuen Abschnitt, dass der Verkehr etwas aus unserer Straße genommen wird“, sagt Mario, der in Neukölln unweit der A100 lebt und an der Sonnenallee darauf wartet, dass die ersten Autos über den Abschnitt fahren. „Ich stehe hier, um zu gucken, wie lang es bis zum ersten Stau dauert.“ Den Weiterbau jetzt zu eröffnen, obwohl die Elsenbrücke noch nicht fertig ist, sei nicht sinnvoll. „Und für den Preis erst recht nicht.“

Neuer Abschnitt ist das teuerste Stück Autobahn überhaupt

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Das neue Teilstück vom Dreieck Neukölln bis zur Anschlussstelle Treptower Park ist 3,2 Kilometer lang und liegt überwiegend in sogenannter Troglage. Mit Kosten von mehr als 720 Millionen Euro ist der 16. Bauabschnitt das teuerste Stück Autobahn, das je in Deutschland entstanden ist. Nach den letzten Tests wurde es nun für den Verkehr freigegeben. Auf Schildern vor Ort ist die neue Verbindung aus Treptow schon eingezeichnet.

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Erklärtes Ziel der Autobahnverlängerung war es immer, die dicht besiedelten Gebiete der östlichen Innenstadt vom Durchfahrtsverkehr zu entlasten und die dort lebenden Menschen besser an den Flughafen BER anzubinden. Mittlerweile sind sich Befürworter darin einig, dass dies nur über einen weiteren, den 17. Bauabschnitt, gelingen kann.

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Der soll vom Treptower Park über die Spree und weitere vier Kilometer gen Norden bis zu einer Anschlussstelle Storkower Straße in Lichtenberg führen. Auf dem Weg lägen die Anschlüsse Ostkreuz und Frankfurter Allee. Die Autobahn GmbH hatte zuletzt angekündigt, 2027 das Genehmigungsverfahren beim Fernstraßenbundesamt beantragen zu wollen.

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Dann sollen wieder drei Spuren jeweils von Treptow nach Friedrichshain und umgekehrt zur Verfügung stehen. Die Behelfsbrücke verfügt aktuell nur über drei.