Noch bevor das Boot ablegt, taucht der erste Schrott aus dem Wasser auf. Direkt unter dem Motorkatamaran „Rockfisch“ wird ein E-Scooter aus der Spree geborgen. Er ist voll mit schwarzem Schlick, aus dem Lenker wächst der Schwamm mit kleinen Muscheln, winzige Krebse eilen davon. Schätzungsweise zwei bis drei Monate hat er vor der Insel der Jugend im Treptower Park im Wasser gelegen.
Drei Stunden später hat der Verein „Spree:publik“ insgesamt knapp drei Kubikmeter Schrott aus dem Wasser gezogen, darunter auch Straßenschilder und Baustellenabsperrungen. Am Ufer landeten fast 8000 Kippen und 2000 Kronkorken in den bereitstehenden Messbehältern. 26 volle Müllsäcke mit anderem Unrat kamen hinzu.

Der Frühjahrsputz an Land und zu Wasser war der Auftakt in die Cleanup-Saison. Die Aktion wurde von dem Projekt „Alles im Fluss“ bereits zum fünften Mal im Treptower Park organisiert. Es ist ein Projekt der „wirBERLIN gGmbH“, einer gemeinnützigen Initiative, die der Vermüllung in Berlin entgegenwirkt sowie bürgerschaftliches Engagement und die Umweltbildung fördert.
Die Mitstreiter wollen die Berlinerinnen und Berliner mehr in die Verantwortung nehmen: für ihren Kiez, ihre Grünanlagen, Spielplätze und öffentlicher Räume. Unterstützt werden sie dabei von der Berliner Morgenpost als Medienpartner und finanziell von der Stiftung Deutsche Klassenlotterie.
Die Initiative veranstaltet mehrere Aktionen pro Jahr, dazu gehören bis zu 15 öffentliche Cleanups, unter anderem auch im Humboldthain, auf dem Tempelhofer Feld und im Urbanhafen. „Die Hotspots sind die Parks“, sagt Anne Sebald, Geschäftsführerin von „wirBERLIN“. Sie würden am meisten genutzt und vermüllt werden.

Die Kinder einer Umweltschutz-AG an der Klax-Schule kamen auch zum Einsatz
Von allen Seiten trudelten sie kurz vor zwölf Uhr ein. Etwa 150 Freiwillige sind an diesem Tag zur Brücke an der Insel der Jugend gekommen: ältere Damen, junge Männer, Familien, kleine Gruppen, Freundinnen. Unter den 30 Kindern waren allein sechs aus der Klax-Schule Pankow. Sie hätten in der Schule eine AG gegen Plastik, deshalb machten sie hier mit, erklärt die achtjährige Jule. Erzieherin Silke Schaper Schapper bestätigt, dass es ein Ausflug der AG „Our happy future“ sei. Die Kinder haben schon Schwimmwesten an und fahren gemeinsam mit einem der Boote von Spree:publik raus.
Aus Tempelhof war Susanne zum Treffpunkt gekommen. Die 68-Jährige war schon vergangenes Jahr dabei. „Es ist ein Zeichen von Respekt gegenüber der Umwelt und den Menschen, dass man die Natur sauber hält“, erklärt Susanne. Sie hilft nicht nur bei Aktionen mit, für sie ist es eine tägliche Aufgabe, ihren Kiez zu reinigen. Jeden Morgen macht sie eine Stunde lang eine Runde, meistens mit ihrer Schwester. Dann sammeln sie Kronkorken und Kippen auf, zum Beispiel auf dem Kreuzberg, wo oft gefeiert wird, oder in Neu-Tempelhof.

Tilo will sich mit einer Zange in die Büsche schlagen
Auch Tilo ist zum zweiten Mal im Treptower Park dabei. Aber bei den Aktionen von „wirBERLIN“ mache er schon länger mit, erzählt der 44-Jährige. „Ich bin ein ordnungsliebender Mensch“, sagt Tilo. Er sei selbst Raucher, würde aber eine Kippe nie einfach wegschmeißen. Müll könne er nicht leiden, er wolle sich wohlfühlen, sagt der Kaulsdorfer. An diesem Tag hat er schon einen genauen Plan. Er will sich mit einer langen Holz-Zange in die Büsche schlagen. „Dort geht nämlich keiner hin und holt das Glas raus“, so Tilo.
Punkt zwölf steht alles bereit: Eimer, Picker, Handschuhe, Zangen. Laura Claus, Eventmanagerin von „wirBERLIN“ weist die freiwilligen Helfer kurz ein. Sie könnten in jede Richtung ausschwärmen, so weit sie wollten, sagt die junge Frau. Neben Kippen und Kronkorken würden viele Überreste von Freitagabend-Partys warten. An einigen Stellen liegen tatsächlich Berge von leeren Pappkartons und Flaschen.
Spree:publik engagiert sich für den Gewässerschutz
Wer will, kann an diesem Tag auch auf einem Boot von „Spree:publik“ mitfahren. Der Verein engagiert sich für den Gewässerschutz und kooperiert mit der 2017 gegründeten Initiative „Alles im Fluss“. Knapp 20 Cleanups hätten sie schon mitgemacht, sagt Arik Rohloff, Vorstandmitglied bei Spree:publik. Und dabei alles mögliche an Land gezogen: Vom Motorroller bis zum Elektrorollstuhl.
Jan Ebel wartet schon auf dem floßähnlichen Boot. Er ist professioneller Angler und Aktivist bei „Spree:publik“. Etwa 300 E-Scooter habe er bereits aus dem Wasser gezogen, erzählt er. Auch ein Segway sei schon dabei gewesen. An diesem Tag bergen sie gleich nach dem Ablegen einen Einkaufswagen aus dem Wasser im Uferbereich. Mal wieder.



