Es sollte alles wieder so werden wie früher. Für das Wochenende am 10. und 11. Mai 2025 sollte das beliebte Bölschefest unter dem langjährigen Veranstalter Laubinger Event GmbH wieder stattfinden. Nun aber kommt alles anders als geplant.
„Wir haben es uns nicht einfach gemacht. Lange haben wir mit dieser Entscheidung gerungen. Nun müssen wir sie bekannt geben. Wir sagen die Organisation des Festes auf der Bölschestraße ab“, leitet Geschäftsführer Hans-Dieter Laubinger seine am Dienstag auf der eigenen Internetseite veröffentlichte Stellungnahme ein. Der Grund für die Absage: „Diese Straße können wir gegen Angriffe von Personen mit Fahrzeugen nicht ausreichend sichern.“
Bölschefest 2025: Finanzielle Möglichkeiten reichen nicht für genügenden Terrorschutz
„Nach Absprache mit der Polizei“, so erklärt Laubinger, „würden wir die Straßenflächen für Fahrzeuge auf der Bölsche mit Beton schützen“. Die Einfahrten und Ausfahrten für die Straßenbahnen der BVG müssten aber offenbleiben. Zusätzlich seien alle zur Bölschestraße führenden Seitenstraßen ebenfalls nicht gegen durchbrechende Fahrzeuge gesichert. „Unsere technischen und wirtschaftlichen Möglichkeiten reichen nicht aus, um die offenen Zugänge zur Bölschestraße ausreichend zu sperren“, erläutert der Geschäftsführer.
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„Diese Entscheidung wird eventuell zu Unverständnis führen“, äußert sich Hans-Dieter Laubinger mit Blick auf die Bölschefest-Absage. „Wir können diese Verantwortung nicht tragen, weil uns bereits im Vorfeld bewusst ist, die Besucher und Teilnehmer nicht ausreichend schützen zu können“, ergänzt er.
Veranstalter will nicht schuld sein, „wenn etwas passiert“
Im Gespräch mit der Berliner Morgenpost sagte Hans-Dieter Laubinger am Donnerstagvormittag, er habe sich nach den vielen Anschlägen, die es in Deutschland in den vergangenen Monaten gegeben hat, Gedanken gemacht. Die Polizei wäre seiner Auskunft nach damit zufrieden gewesen, wenn er am Anfang und am Ende der Bölschestraße Betonpoller zur Absicherung aufgestellt hätte. Ihm persönlich reiche dieser Schutz aber nicht.

„Wenn die Straßenbahnschienen offenbleiben, kann da jeder reinfahren“, betont er. Er finde keine Maßnahme, wie die Bölschestraße wirklich sicher für ein Volksfest dieser Art gemacht werden kann. „Zum Schluss wird doch der gesucht, der schuldig ist, wenn etwas passiert“, so Laubinger. Diese Verantwortung wolle er sich nicht mehr aufladen.
Dabei dürfte er vor allem den Anschlag auf den Weihnachtsmarkt in Magdeburg am 20. Dezember 2024 im Sinn haben, als ein Mann saudi-arabischer Herkunft mit einem Auto durch eine nicht gesicherte Straßenlücke raste, sechs Personen tötete und 299 weitere verletzte.
Überraschender Rückzieher: nun kleine Festvariante auf dem Marktplatz Friedrichshagen
Eigentlich wollte die Laubinger Event GmbH das Bölschefest nach schwierigen Jahren durch die Corona-Pandemie und den Ausfällen 2020 und 2021, woraufhin viele Partner sich zurückgezogen hatten, dieses Jahr noch einmal so richtig neu beleben. Nun lautet sein Fazit jedoch: „Straßen wie die Bölschestraße sind fast gar nicht mehr geeignet für solche Feste in diesen Zeiten.“
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Wenige Minuten nach dem Telefonat mit dieser Redaktion meldete sich Hans-Dieter Laubinger dann überraschend noch einmal zurück, um einen zumindest teilweisen Rückzieher zu verkünden. Man habe sich intern kurzfristig abgesprochen und wolle nun zumindest ein kleines Fest auf dem Marktplatz Friedrichshagen am zweiten Mai-Wochenende austragen. Die Bölschestraße aber sei kein Teil der Planungen mehr. Eine Austragung des von Tausenden Menschen besuchten Volksfests auf der Bölschestraße selbst wird es damit wohl auch in Zukunft unter dem langjährigen Veranstalter nicht mehr geben.
Christian Jüttner vom Verein Hauptstadtkultur, der im September 2024 erstmals ein Bölschestraßenfest organisiert hatte, sagte am Donnerstag, dass derzeit Sicherheitskonferenzen für alle eigenen Events in diesem Jahr stattfänden. Das betreffe nicht nur die am dritten September-Wochenende 2025 stattfindende, zweite Auflage des Bölschestraßenfests, sondern auch alle weiteren Volksfeste. Um einen verstärkten Schutz zu leisten, gebe es feststehende Barrikaden aus Beton sowie temporäre Sperrungen durch Transporter, die immer bei Bedarf für Rettungsfahrzeuge zur Seite gestellt werden. Mehr könne er aktuell dazu nicht sagen.




