Das Bölschefest hat eine mehr als 30 Jahre lange Tradition. Entlang der 1,2 Kilometer langen Einkaufsstraße und auf dem Marktplatz Friedrichshagen tummeln sich immer Tausende Menschen, verfolgen das Bühnenprogramm, durchstöbern die zahlreichen Stände, essen, trinken und quatschen auf Bierbänken neben dem Denkmal vom „Alten Fritz“, Friedrich dem Großen.
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Traditionell findet es am zweiten Wochenende im Mai statt, doch in diesem Jahr erstmals im September. Das liegt daran, dass diesmal mit dem Verein Hauptstadtkultur ein neuer Veranstalter das Bölschefest organisiert – und das mit einem langfristigen Plan.
Bölschefest fiel in den vergangenen Jahren mehrmals aus
Viele Menschen in Friedrichshagen dürfte diese Nachricht freuen, denn in den vergangenen Jahren hatte das Bölschefest keinen leichten Stand. 2020 und 2021 musste es aufgrund der Corona-Pandemie ausfallen. 2022 konnte es stattfinden, dann aber fiel es im vergangenen Jahr erneut aus, diesmal wegen Bauarbeiten an den Gasleitungen in der Bölschestraße.

Im Frühling 2024 musste der bisherige Veranstalter Laubinger Events GmbH erneut passen. In den sozialen Medien wurde gemutmaßt, der Glasfaserausbau der Deutschen Telekom könnte der Grund dafür gewesen sein. Wie Christian Jüttner von Hauptstadtkultur allerdings im Gespräch mit der Berliner Morgenpost erklärte, habe Laubinger das Bölschefest aus wirtschaftlichen Gründen nicht mehr fortführen wollen. Man habe sich daher darüber verständigt, dass Hauptstadtkultur die Organisation übernimmt.
Neuer Veranstalter ist erfahren bei der Austragung von Volksfesten
Hauptstadtkultur organisiert bereits an zahlreichen anderen Orten in Berlin und Brandenburg Volksfeste, zuletzt auch am vergangenen Wochenende das Fest an der Panke. Dort hatte es am Sonnabend einen Zwischenfall gegeben. Als die Polizei eine Person kontrollieren wollte, die einen verdächtigen Gegenstand in der Hand gehalten haben soll, konnte diese sich der Kontrolle entziehen und verschwinden.
Angesichts der Messerangriffe der vergangenen Wochen in Deutschland – so hatte am 24. August auf einem Stadtfest in Solingen ein Mann mit einem Messer drei Menschen getötet und acht weitere Personen verletzt – brach der Veranstalter das Fest am Sonnabend daraufhin ab.
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Am Sicherheitskonzept für das Bölschefest will Christian Jüttner deswegen aber nichts ändern, obwohl er zugibt, dass jeder Vorfall ihn schon ein Stück weit sensibler werden lasse. „Wir machen unsere Sicherheitskonzepte schon seit Jahren für Tausende Menschen“, betont er jedoch. Hauptstadtkultur stehe vor Ort in engem Austausch mit der Polizei und dem Ordnungsamt. Auf auffällige Personen werde geachtet. Taschenkontrollen für die Besucher wird es nicht geben.
Von einem Kran aus auf die Bölschestraße blicken
Beim Bölschefest, das dieses Mal unter dem Namen „Bölschestraßenfest“ stattfindet, soll laut Jüttner der Fokus auf der Bespaßung von Kindern bis zwölf Jahren liegen. So wird es ein Bungee-Trampolin, eine Riesenrutsche, ein Kettenkarussell und Kinderschminken geben. Highlight soll ein Kran werden, von dem aus Festbesucher den Blick aus luftiger Höhe über die Bölschestraße und Friedrichshagen genießen können.

Neben Imbissklassikern wie Bratwurst, Lángos und Crêpe will Hauptstadtkultur kulinarische Abwechslung anbieten. Deshalb wird es auch Streetfood aus Nepal und Südafrika geben, außerdem türkische Hausmannskost, jedoch kein Döner, sondern beispielsweise Reisgerichte und Zucchinipuffer. „Mal ein bisschen was anderes“, sagt Jüttner.
Politische Parteien kehren mit Ständen zurück
Musikalisch verspricht er eine „gute Mischung“. So wird die Bühne auf dem Marktplatz, wo noch am Freitag der Wochenmarkt stattfindet und es dann quasi einen „fliegenden Wechsel“ gibt, unter anderem am Freitag um 19 Uhr von RBB-Moderator Ulli Zelle und seiner Band bespielt. Am Sonnabend um 13 Uhr tritt ein brasilianischer Musiker mit Reggae, Jazz und Blues auf. Auch auf ein wenig Lokalkolorit wurde geachtet. So spielt am Sonntag um 14 Uhr die in Friedrichshagen verwurzelte „The Blue Haley Band“.

Im Gegensatz zu den Vorjahren wird es den politischen Parteien auch wieder erlaubt sein, mit Ständen vertreten zu sein. Da am Sonntag im benachbarten Brandenburg die Landtagswahl stattfindet und sicher auch einige Brandenburger auf dem Bölschefest zu Besuch sein werden, bleibt abzuwarten, wie die Reaktionen darauf ausfallen werden.
Warum ein Feuerwerk beim Bölschefest kein Thema mehr ist
Ein Feuerwerk, wie es früher mal fest zum Programm gehört hat, wird es nicht geben. „Feuerwerk ist ein schwieriges Thema geworden, auch von unserer eigenen Firmenphilosophie her“, erklärt Christian Jüttner. Beim Köpenicker Sommer Mitte Juni, ebenfalls von Hauptstadtkultur ausgerichtet, hatte es eines gegeben. Für das Bölschefest habe er jedoch nicht einmal darüber nachgedacht. Auch eine umweltfreundlichere Lasershow sei kein Thema gewesen. Davon hätten immer nur die Menschen in unmittelbarer Nähe der Bühne etwas, so Jüttner. Was ihm eher vorschwebt, wäre eine Drohnenshow, doch das sei Zukunftsmusik.

Das Bölschestraßenfest solle vor allem den Ort in besonderer Lage betonen und widerspiegeln, „was die Friedrichshagener wollen“. Die Bölschestraße bezeichnet Jüttner als „besondere Einkaufsstraße mit besonderen Geschäften zum Bummeln“. Der Rudower ist, wie er erzählt, auch früher schon öfter mal dort gewesen. Die Bölschestraße sei „wirklich eine Idylle“, die es nicht mehr so oft gebe. Allerdings müsse die Einkaufsstraße auch belebt werden, zum Beispiel mit einem Fest. Nicht überall in Berlin funktioniere das. In Friedrichshagen seien fast alle, mit denen man gesprochen habe, froh über das Fest.
Zukünftiger Termin noch nicht entschieden
Eine hundertprozentige Auslastung der Stände entlang der gesamten Straße werde es bei der Premiere, bei der er auf „ganz viele zufriedene Gesichter“ bei Gastronomen, Ausstellern und in erster Linie den Gästen hofft, aber noch nicht geben. Ob das Bölschefest im kommenden Jahr wieder zum gewohnten Termin im Mai stattfinden wird, werde danach beratschlagt. „Wir müssen das Rad nicht neu erfinden“, sagt Jüttner.
Geöffnet ist das Bölschefest, 20. bis 22. September, am Freitag von 14 bis 22 Uhr (18 Uhr Bühneneröffnung mit Fassanstich), am Sonnabend von 12 bis 23 Uhr und Sonntag von 12 bis 20 Uhr bei freiem Eintritt.



