Bis heute sind in Schöneweide insgesamt 21 Stolpersteine für Menschen verlegt worden, die der brutalen Herrschaft der Nationalsozialisten zum Opfer gefallen sind, die ermordet, deportiert oder vertrieben wurden. Ihnen wird jetzt im Industriesalon Schöneweide eine Ausstellung gewidmet. Zudem kommen demnächst sechs weitere Stolpersteine in der Gegend hinzu.

Für Montag, 23. September, lädt die Stolpersteingruppe Schöneweide interessierte Anwohner zu gleich mehreren Verlegungen mit dem Künstler und Stolperstein-Initiator Gunter Demnig ein. Diese werden gemeinsam mit Schülern der anliegenden Grundschulen durchgeführt. „Die Vermittlung der Geschichte im Rahmen der Verlegung von Stolpersteinen und dabei die Zusammenarbeit mit den Schulen ist das Hauptaugenmerk unserer Erinnerungsarbeit“, erklärt Anette Küntzel von der Stolpersteingruppe Schöneweide.

Neue Stolpersteine in der Schnellerstraße und Schillerpromenade

Zunächst werden um 9 Uhr vor der Schillerpromenade 12 gleich vier Steine für Armin und Julianna Friedmann sowie deren Kinder Edith und Hans in den Gehweg eingelassen. Die Friedmanns lebten seit 1898 in Ober- und Niederschöneweide und erlebten so mit, wie die Region zu einem großen Industriestandort aufblühte. Armin Friedmann war sogar ein Teil davon. Er arbeitete als leitender Angestellter in der Allgemeinen Elektricitäts-Gesellschaft (AEG) in der Wilhelminenhofstraße. In der Nazi-Zeit floh die Familie nach Frankreich. Ein Teil überlebte letztendlich unter schwierigsten Bedingungen.

Ebenfalls am 23. September verlegt werden um 9.30 Uhr zwei der kleinen Messingtafeln für Ludwig und Margarete Friedmann in der Schnellerstraße 97/98. Die beiden wollten ihre Heimat während der Naziherrschaft nicht verlassen. Das hatte fatale Konsequenzen: Ludwig Friedmann starb im Arbeitserziehungslager Wuhlheide an den Folgen der unmenschlichen Behandlung dort.

Gunter Demnig kommt am 23. September nach Schöneweide, um dort sechs neue Stolpersteine zu verlegen.
Gunter Demnig kommt am 23. September nach Schöneweide, um dort sechs neue Stolpersteine zu verlegen.© FUNKE Foto Services | Rainer Raffalski

Auch er war zuvor mehr als Vierteljahrhundert als leitender Angestellter in der AEG tätig. Der scheinbare Schutz durch seine evangelische Ehefrau Margarete reichte nicht aus, um sein Überleben zu sichern. Armin und Ludwig Friedmann waren Brüder. Erwartet werden vor Ort Angehörige der Friedmanns aus Frankreich.

Ausstellung im Industriesalon Schöneweide zeigt Lebensgeschichten der Opfer

Neben den Stolpersteinverlegungen zeigt der Industriesalon Schöneweide in der Reinbeckstraße 10 vom 1. bis 29. September mittwochs bis sonntags jeweils von 14 bis 18 Uhr die Ausstellung „Stolperstein-Geschichten unserer jüdischen Nachbarinnen und Nachbarn in Schöneweide“. Eröffnet wird sie am Sonntag um 15 Uhr.

Die Ausstellung ist ein Projekt der Stolpersteingruppe im Kiezclub KES in Oberschöneweide, die seit 2021 zu den Schicksalen jüdischer und anderer verfolgter und entrechteter Menschen aus dem Kiez forscht. In der Schau werden unter anderem die Lebensgeschichten von 25 Personen dargestellt, zu denen die Stolpersteingruppe umfangreiche Daten und Bildmaterial zusammengetragen hat. Dabei erfahren die Besucher, wo die einstigen Nachbarn gelebt haben und wie ihr bisheriges Leben abrupt durch Vertreibung und Deportation endete – oft im Konzentrationslager.

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Zu sehen ist im Industriesalon auch, wo die Hobbyforscher noch Hinterbliebene finden konnten. „Einzelne haben sogar die Reise nach Schöneweide zum Stolperstein eines Verwandten auf sich genommen. Sie sind dankbar, dass wir ihre Angehörigen nicht vergessen haben“, berichtet Anette Küntzel. Eine Karte in der Ausstellung zeigt die Positionen aller bisher verlegten Stolpersteine im Kiez. Der Eintritt ist kostenlos.