Außen zieren Graffiti-Schmierereien die Fassade, innen blättert der Putz von den Wänden. Das verfallene Sozialgebäude in der Wilhelminenhofstraße direkt gegenüber der Hochschule für Technik und Wirtschaft (HTW) Berlin gehörte einst der „Accumulatoren-Fabrik Aktiengesellschaft“ (AFA). Die AFA lieferte Anlagen zur Speicherung elektrischer Energie.

In Oberschöneweide befand sich laut dem Landesdenkmalamt das zentrale Werk für tragbare Akkumulatoren und Batterien. Nach 1950 richtete der VEB Werk für Fernsehelektronik in dem Arbeiterwohlfahrtsgebäude an der Wilhelminenhofstraße 66-67 ein werkseigenes Kulturhaus ein. Die Mauern des denkmalgeschützten Gebäudeensembles stammen noch aus dem Jahr 1912, als dieses nach den Plänen des Berliner Architekten Felix Lindhorst erbaut wurde.

Unter dem Titel „Projekt Wilhelmine“ beginnt noch in diesem Jahr die Sanierung des alten Bauwerks, von denen entlang der Wilhelminenhofstraße noch so viele andere existieren – und die nach und nach modernisiert werden. Die Trockland Management GmbH hat dort Großes vor. Im Sommer 2022 hat der Immobilienentwickler das Gebäudeensemble von der Voreigentümerin Liveuniversal GmbH erworben.

Entstehen soll im Rahmen des Projekts Wilhelmine ein begrünter Hof.
Entstehen soll im Rahmen des Projekts Wilhelmine ein begrünter Hof.© Trockland | Trockland

An etlichen Standorten in Berlin kümmert sich das 2009 gegründete Unternehmen um die Sanierung historischer Gebäude. Zwei fertiggestellte aktuelle Beispiele sind das Wohnquartier „Bricks Berlin Schöneberg“ im denkmalgeschützten Postareal sowie das Wohn- und Gewerbequartier auf dem ebenfalls denkmalgeschützten Areal der Eisfabrik in Mitte. In Treptow-Köpenick entwickelt Trockland außerdem derzeit das Projekt „Funkytown“ an der Rummelsburger Landstraße, wo knapp 30 Jahre lang unter anderem der DDR-Jugendsender DT64 funkte.

Schöneweide: Gebäude stark baufällig

Hinsichtlich des Grundstücks an der Wilhelminenhofstraße 66-68 kündigt eine Sprecherin des Unternehmens auf Nachfrage der Berliner Morgenpost an: „Wir planen die Sanierung der historischen Bestandsgebäude sowie eine Ergänzung des Ensembles durch neue Gebäudeteile.“ Dafür arbeite man mit dem renommierten Architekturbüro Bruno Fioretti Marquez zusammen. Für die zukünftige Nutzung sei eine „lebendige Kombination“ aus Beherbergung, Veranstaltung, Gastronomie, Arbeitsplätzen/Co-Working und Einzelhandel geplant. Entstehen soll beispielsweise ein Boutique-Hotel mit etwa 80 Zimmern im Alt- und Neubau.

So sieht eines der Treppenhäuser nach jahrzehntelangem Leerstand aus.
So sieht eines der Treppenhäuser nach jahrzehntelangem Leerstand aus.© Trockland | Trockland

Im vergangenen Jahr hat Trockland bereits mit bauvorbereitenden Maßnahmen begonnen. Die Baugenehmigung wird im dritten Quartal 2024 erwartet. Im Anschluss soll der Baustart erfolgen. Das Vorhaben wird umfangreich. „Der Zustand der Bestandsgebäude ist stark baufällig, und wir haben bereits weitreichende Sicherungs- und Schutzmaßnahmen durchgeführt, um einen weiteren Verfall zu verhindern. Die Gebäude sind seit etwa 30 Jahren weitgehend ungenutzt. Die Bausubstanz hat leider sehr darunter gelitten“, erklärt die Unternehmenssprecherin.

Im Saal des alten Kulturhauses blättert der Putz von den Wänden und der Decke.
Im Saal des alten Kulturhauses blättert der Putz von den Wänden und der Decke.© Trockland | Trockland

Dennoch sollen keine Gebäude abgerissen werden. Stattdessen sollen die denkmalgeschützten Gebäude – ein ehemaliges Kulturhaus, ein Beamtenwohnhaus und die Seitenflügel – umfangreich und in enger Abstimmung mit der Denkmalpflege saniert werden. „Es werden dabei partiell einige wenige Gebäudeteile in enger Abstimmung mit den Behörden zurückgebaut“, heißt es.

Geschütztes Atrium mit begehbarem Dachgarten 

Das Kulturhaus gehe straßenseitig in das historische Beamtenwohnhaus über, das zukünftig durch eine Neubau-Erweiterung, ein Gartenhaus, im hinteren Bereich des Ensembles mit dem Seitenflügel verbunden werde. So soll ein geschütztes Atrium entstehen. „Als Ort der Begegnung und Kommunikation bietet dieses Atrium künftig viele Nutzungsoptionen: So ist hier unter anderem eine Lounge mit einem parkähnlichem Gartendeck geplant“, erläutert Trockland.

Speis und Trank mit Industriecharme. Eröffnen soll nach der Fertigstellung auch ein Restaurant.
Speis und Trank mit Industriecharme. Eröffnen soll nach der Fertigstellung auch ein Restaurant.© Trockland | Trockland

Nach der Sanierung werde das Gebäudeensemble an verschiedene Nutzer vermietet. Trockland bleibt jedoch Eigentümer. „Ziel ist es, das Areal für ganz unterschiedliche Bedürfnisse attraktiv zu gestalten und vor allem auch für den Bezirk wiederzubeleben.“ Das Projekt Wilhelmine liege „inmitten des Boom-Korridors Berlin-Südost“ und sei aufgrund seiner besonderen Architektur und seiner Geschichte sehr attraktiv.

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Rund 8000 Quadratmeter Gesamtmietfläche umfasse der neue Co-Working- und Hotelstandort. Er befinde sich in bester Nachbarschaft mit vielen Unternehmen, der HTW mit ihren rund 14.000 Studenten und 500 Beschäftigten sowie dem neuen Stadtquartier Behrens-Ufer der DIE Deutsche Immobilien Entwicklungs AG (DIEAG), das bis 2027 gebaut wird.

Diese Visualisierung zeigt den Saal des geplanten Hotels.
Diese Visualisierung zeigt den Saal des geplanten Hotels.© Trockland | Trockland

Ein wichtiger Bestandteil des Projekts Wilhelmine wird der Saal im denkmalgeschützten Kulturhaus sein, das laut Trockland seit der Schließung Anfang der 90er-Jahre nicht mehr genutzt wird. „Wir planen und sanieren diesen Raum so, dass er künftig auch wieder für Veranstaltungen genutzt werden kann“, betont das Unternehmen. Wie viel Geld der Immobilienentwickler in das Bauprojekt investiert, wird öffentlich nicht kommuniziert. Eine Fertigstellung ist für Ende 2026 geplant.