Risse in Brücke

Köpenick droht der Verkehrsinfarkt

Die Salvador-Allende-Brücke wird ab sofort komplett gesperrt. 28.000 Autos müssen nun täglich durch die Innenstadt.

Die Salvador-Allende-Brücke über der Müggelspree in Köpenick.

Die Salvador-Allende-Brücke über der Müggelspree in Köpenick.

Foto: dpa

Berlin und die maroden Brücken: Auf die Sperrung der Elsenbrücke folgt nun die Salvador-Allende-Brücke in Köpenick – und zwar komplett, wie die Senatsverwaltung für Verkehr am Donnerstag mitteilte. 28.000 Autos und Busse nehmen täglich diese Strecke. Sie ist eine der wichtigsten Verkehrsverbindungen im Südosten der Hauptstadt, verbindet Köpenick und Hellersdorf und entlastet die Altstadt von Köpenick vom Durchgangsverkehr. Damit droht rund um die Köpenicker Altstadt vor allem im Berufsverkehr ein monatelanges Chaos.

Am Mittwoch waren bei einer Prüfung frische Risse entdeckt worden, die Brücke wird ständig überwacht. Am Donnerstag wurde dann der Entschluss gefasst, die Brücke komplett zu sperren. Am Donnerstagnachmittag wurde die Sperrung vorbereitet, so ein Sprecher der Senatsverwaltung. Ab 19 Uhr konnte die Brücke schließlich nicht mehr befahren werden. Für Fußgänger und Radfahrer ist sie weiterhin nutzbar. Auch die Wasserstraße unter der Brücke sei frei, hieß es, was den wenigsten etwas nutzen wird. Es habe sich gezeigt, dass sich der Brückenaltbau um wenige Millimeter Richtung Westen verschoben habe, die Brücke sich damit „verdrehe“.

Daher sei der weitere Autoverkehr aus Sicherheitsgründen nicht mehr zu verantworten. Auch Geschwindigkeitsbegrenzungen und Lasteneinschränkungen auf zuletzt 7,5 Tonnen hätten die weiteren Schäden nicht verhindern können. Mögliche Gründe für diese Abweichungen könnten durchaus die Arbeiten am Neubau auf der Westseite sein. Dort wurde der sogenannte Betonkrebs festgestellt.

Sperrung für Autos wird etwa zehn Monate dauern

Die Sperrung für den Autoverkehr wird etwa zehn Monate dauern. Besonders betroffen davon wird der Bereich rund um die Altstadt in Richtung Lindenstraße und der ohnehin stark befahrenen Bahnhofstraße als Ausweichstrecke Richtung Friedrichshagener Straße sein. Auch auf der Umfahrung über die Lange Brücke – auf der der Verkehr Richtung Westen derzeit wegen Sanierungsarbeiten ohnehin nur eingeschränkt fließt – über Oberspreestraße und Spindlersfelder Straße zur Wuhlheide dürfte das Verkehrsaufkommen massiv zunehmen.

Bereits seit vergangenem Jahr wird ein Teil der Brücke über die Müggelspree saniert. Bislang war aber noch der Ostteil befahrbar, der jetzt gesperrt wurde. Für den Ersatz sind 37 Millionen Euro veranschlagt. Nun möchte man versuchen, in diesem Teil schneller als geplant bis Ende 2019 fertig zu werden. „Doch Brückenbau ist riskant“, so der Sprecher Jan Thomsen. Mitte 2021 soll das gesamte Brückenwerk fertig sein. Erbaut wurde die 1979 bis 1981, schon seit 2014 war der Westteil gesperrt, der im Laufe des Neubaus abgetragen wird. Bei der BVG indes arbeiteten die Planer auf Hochtouren. Bereits am Donnerstagabend sollte ein neues Routenkonzept für die betroffenen Busse greifen. „Alle Linien auf eine Umleitung durch die Köpenicker Altstadt zu schicken, wurde die zu erwartende Stausituation zusätzlich verschärfen“, erklärte BVG-Bus-Chef Torsten Mareck.

Und so fahren jetzt die Busse: Die Linie X69 fährt ab der Friedrichshagener Straße über die Bellevuestraße und zurück über Seelenbinder- und Bahnhofstraße. Die Linie 169 wird aufgeteilt. Teil eins fährt vom U-Bahnhof Elsterwerdaer Platz über die Bellevuestraße und zurück über Friedrichshagener Straße und Bahnhofstraße. Teil zwei fährt von Müggelheim, Odernheimer Straße, zum Müggelschlößchenweg. Die Linie 269 fährt die Umleitung durch die Köpenicker Altstadt über Lindenstraße, Alt-Köpenick, Müggelheimer Straße, Salvador-Allende-Straße zum Müggelschlößchenweg.

Die Nachtbusse der Linie N67 fahren eine Umleitung über Lindenstraße, Bahnhofstraße, Friedrichshagener Straße und Bellevuestraße. An der Bahnhofstraße/Lindenstraße können Fahrgäste auf die Linie N69 umsteigen. Die entsprechenden Fahrgastinformationen dazu sollen schnellstmöglich verteilt werden.

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