Treptow

Ehemaliger Spreepark soll „Ort der Überraschungen“ werden

Nach einem Bürgerdialog zur Zukunft des ehemaligen Vergnügungsparks stellte Umweltsenatorin Regine Günther einen Rahmenplan vor.

Im Spreepark soll sich bald wieder was drehen

Im Spreepark soll sich bald wieder was drehen

Foto: Jens Kalaene / dpa

Berlin. Das rote Riesenrad soll sich wieder drehen, Besucher könnten zwischen Baumwipfeln auf der alten Achterbahn spazieren oder im früheren Tassenkarussell einen Latte Macchiato genießen. Nach Jahren des Stillstands sind am Freitag erste Pläne für den einstigen DDR-Vergnügungspark im Berliner Plänterwald vorgestellt worden.

Umweltsenatorin Regine Günther (parteilos, für Grüne) sagte bei einem Rundgang über das 23 Hektar große Areal an der Spree, es solle „ein Ort der Überraschungen, nicht der Events“ werden, in dem Natur und Kultur gleichermaßen Platz hätten. 48 Millionen Euro aus verschiedenen Töpfen stehen laut Umweltverwaltung für die Wiederbelebung bereit.

„Der Spreepark ist Teil der Geschichte der Stadt“, betonte die Senatorin. Einen Rummel wie früher werde es aber nicht wieder geben. Millionen von DDR-Bürgern pilgerten in den Stadtteil Treptow, um sich zu amüsieren. Der „Kulturpark Plänterwald“ war der einzige große Vergnügungspark im Osten. Er war 1969 zum 20. Geburtstag der Republik eröffnet worden.

Niemand will sich auf Eröffnungstermin festlegen

Indes dürfte es noch Jahre dauern, bis die schönen Vorstellungen wahr werden. Ab 2020 könnte es in die vertiefte Planung gehen, sagte Christian Pfeuffer von der landeseigenen Grün Berlin GmbH, die Anfang 2016 das abgesperrte Gelände mit verfallenden Häuschen, trockenem Teich, abgewracktem Wikingerschiff und Rest-Fahrgeschäften übernahm. Abgeschlossen ist indes laut Pfeuffer der Austausch von 1700 Kubikmeter mit Arsen belastetem Boden.

Noch immer gebe es Vandalismus, Abenteurer würden heimlich einsteigen, beklagte Pfeuffer. Unlängst seien aber zwei abgeschnittene Köpfe von Saurier-Figuren zurückgebracht worden. Dabei gebe es regelmäßig Führungen für Besucher. Eine Million Euro koste derzeit pro Jahr der Unterhalt des Geländes. Die Wachschützer seien nachts mit Hunden unterwegs.

Auf einen Eröffnungstermin wollte sich niemand festlegen. Pfeuffer meinte, der Park werde Stück für Stück wieder öffentlich. Zumindest das historische Eierhäuschen soll laut Umweltverwaltung bis 2021 saniert sein und dann neben Gastronomie und Biergarten auch Ateliers für Künstler bieten.

Auch die Eintrittspreise für den Park stehen noch nicht fest. „Sie sollen familienverträglich sein“, versprach die Senatorin. Sie will auch den Bürgerdialog fortführen, in den Ideen für das Gelände eingebracht werden können. „Wir wollen nicht vorgeben, wie sich die Menschen zu amüsieren haben.“

Landschaftsarchitekt Pfeuffer schwärmte ebenso wie die Senatorin von dem „besonderen Ort“. „Tolle Natur, Überbleibsel der Geschichte und Kunst - diesen Dreiklang finde ich faszinierend“, so Projekt-Manager Pfeuffer mit Blick auf die Zukunft.

Noch ist unklar, ob das Riesenrad wieder in Betrieb geht

Das 45 Meter hohe Riesenrad habe die DDR als Nachfolger einer kleineren Konstruktion noch kurz vor dem Ende 1989 aufgebaut. „Die Grundkonstruktion ist noch in gutem Zustand“, meint Pfeuffer. Ob in den 40 Gondeln aber wieder Besucher sitzen werden, sei noch offen. Der Manager stellt sich einen Teich ringsherum vor, in dem sich das Rad spiegeln könnte.

Der Park hat nicht nur alte, efeuumwucherte Bäume, sondern auch eine wilde Geschichte. Der Neustart eines Rummelbetreibers nach dem Mauerfall mit Millioneninvestitionen endete im Chaos. Viel blieb von den Fahrgeschäften aus der DDR nicht übrig. 2001 wurde der Park geschlossen, der Betreiber war pleite und mit einigen Karussells nach Peru gegangen. Dort wurde der Sohn des einstigen Betreibers zu 20 Jahren Gefängnis verurteilt - geplant war demnach der Schmuggel von 167 Kilogramm Kokain in einem Mast des Fahrgeschäfts „Fliegender Teppich“ zurück nach Berlin. Er sitzt jetzt in Berlin seine Strafe ab, auch der Betreiber war mehrere Jahre in Haft.

Das Gelände verfiel zusehends. Inzwischen siedelten sich auch die seltenen Armleuchteralgen an, die auf der Roten Liste bedrohter Arten stehen. 2014 kaufte der Berliner Liegenschaftsfonds den Spreepark zurück. Seitdem wird am Neustart getüftelt.

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