Zwei Männer und zwei Frauen haben mit einem Auto in der Nacht zu Dienstag auf der Langen Brücke in Köpenick ein Geländer durchbrochen, sind rückwärts die Uferböschung hinunter gerast und in die eiskalte Dahme gestürzt. Eine Frau und ein Mann konnten sich selbst aus dem Fahrzeug befreien, die beiden anderen wurden lebensgefährlich verletzt von der Feuerwehr gerettet.
Während der 18 Jahre alte Fahrer weiter in Lebensgefahr schwebt, starb seine 20 Jahre alte Beifahrerin in der Nacht zu Mittwoch im Krankenhaus. Der Zustand des Mannes soll nach Angaben der Polizei auch am Mittwoch sehr kritisch sein. Auch die beiden Mitfahrer werden weiterhin in einer Klinik behandelt.
Rückwärts in den Fluss gerast
Wie ein Polizeisprecher der Berliner Morgenpost sagte, war das Auto gegen 0.50 Uhr auf der Brücke nahe der Schlossinsel in Richtung Spindlersfeld unterwegs, als der 18-Jährige aus noch unbekannten Gründen die Kontrolle über das Fahrzeug verlor. Das Auto brach rückwärts durch ein Sperrgitter an der Uferböschung am Brückenkopf und stürzte rund acht Meter tief in die Dahme. Dabei soll es sich überschlagen haben und mit dem Dach zuerst im Fluss versunken sein. Die Dahme ist an dieser Stelle etwa drei Meter tief.
Einem 20-jährigen Mann und einer 18-jährigen Frau, die auf der Rückbank gesessen hatten, war es noch gelungen, die Türen zu öffnen und aus dem Auto zu klettern. Sie schwammen ans Ufer und wurden dort von Passanten aus dem Wasser gezogen. Nach Angaben eines Zeugen soll auch ein Angler in die Dahme gesprungen sein, um den verunglückten Personen zu helfen. Das Wasser war aber so kalt, dass er wieder an Land schwimmen musste.
Nach Schätzung des Meteorologischen Instituts der Freien Universität Berlin hat die Dahme aktuell eine Wassertemperatur von rund drei Grad. „Ein Anwohner, der noch vor Eintreffen der Feuerwehr versucht hatte, an die im Auto eingeschlossenen Personen zu gelangen, wurde medizinisch betreut“, sagte der Sprecher der Feuerwehr, Björn Radünz, am Dienstag.
Fahrer soll nüchtern gewesen sein
Der Fahrer und seine Beifahrerin konnten sich nicht selbst befreien. „Die beiden Insassen waren in dem Fahrzeug unter Wasser eingeschlossen“, sagte Radünz. Ein erster Befreiungsversuch der Feuerwehr misslang. Ausgerüstet mit einem Überlebensanzug versuchte ein Retter von einem Mehrzweckboot aus, an die Personen in dem Auto zu kommen. „Die Befreiung gelang jedoch erst nach dem Eintreffen der Feuerwehrtaucher.“
Nach etwa 30 bis 40 Minuten konnten die Taucher der Berliner Feuerwehr die beiden Eingeklemmten aus dem auf den Grund gesunkenen Pkw befreien und an die Wasseroberfläche bringen. An Land begannen Notärzte sofort mit der Reanimation der stark unterkühlten Unfallopfer und brachten sie wenig später mit Rettungswagen zur intensivmedizinischen Behandlung in ein Krankenhaus.
Ob das Wasser unmittelbar in das Auto eingedrungen war oder die beiden Personen unter Wasser möglicherweise Sauerstoff aus einer Luftblase im Auto bekamen, ist noch unklar. „Bei diesen sehr niedrigen Temperaturen gehen die Vitalfunktionen des Körpers automatisch nach unten. Der Körper befindet sich dann in einer Art Sparmodus“, sagte Radünz. „Das kann die Überlebenschancen erhöhen.“
Stundenlange Bergung
Vor dem Unfall sollen die vier noch in Köpenick gegen ein geplantes Containerdorf für Flüchtlinge demonstriert haben, sagte ein Zeuge der Morgenpost. Anschließend habe man noch in einer Gaststätte zusammen gesessen. Alkohol soll der Unglücksfahrer nicht getrunken haben.
Am Unfallort waren neben den Rettungskräften der Feuerwehr und Notärzten auch die Wasserschutzpolizei und der Verkehrsunfalldienst der Polizei im Einsatz. Ein Kran der Feuerwehr zog den Opel Vectra aus dem Fluss. Dazu wurde der Kran zwischen den gespannten Oberleitungen der Straßenbahn in Stellung gebracht. Die Bergung dauerte bis 2.30 Uhr. Die Polizei wird das Unfallauto auf technische Mängel untersuchen. Das beschädigte Brückengeländer wurde provisorisch gesichert. Gegen 5 Uhr wurde die Brücke, die in beide Fahrtrichtungen gesperrt war, für den Verkehr freigegeben.











