In Berlin stehen laut aktuellen Zahlen gut 2,1 Millionen Quadratmeter Bürofläche leer. Gleichzeitig spitzt sich die Wohnungskrise weiter zu. Es wirkt schon lebensfremd, wenn in dieser Situation neue Büros gebaut werden, wo eigentlich Wohnungen entstehen könnten.
Zu beobachten ist das aktuell etwa in Tempelhof-Schöneberg. Am Nollendorfplatz feierte diese Woche das NO6 Richtfest – ein Neubau mit 4900 Quadratmetern Bürofläche. Auch am Innsbrucker Platz entsteht mit „The Friedenauer“ gerade ein Hochhaus ausschließlich für Büros. Warum wurden diese Gebäude also überhaupt gebaut?
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Akteure aus Bauwirtschaft und Politik argumentieren, dass der Markt damals, bei Planungsbeginn, noch ein anderer war. Das mag sein. 2019 lag die Quote beim Büroleerstand mit 1,8 Prozent auf einem Rekordtief. Die Vermietung lief gut. Allerdings hätte man schon damals auf die Idee kommen können, dass reine Bürogebäude in urbanen Gebieten städtebaulich unklug sind. Schließlich fehlten Berlin da bereits Zehntausende Wohnungen.
Wohnraum statt Büros: Projektentwickler stärker in die Pflicht nehmen
Wichtiger ist aber, dass mit dem Argument des sich wandelnden Marktes auch ein Handlungsauftrag einhergeht. Wer argumentiert, dass der Markt damals ein anderer war, sagt gleichzeitig, dass es so nicht weitergehen kann. Reine Büroneubauten in urbanen Gebieten wie Schöneberg müssen der Vergangenheit angehören.
Ob es deswegen gleich einen pauschalen Baustopp für Büros braucht, so wie Linke und Grüne es fordern, ist fraglich. Sinnvoller wäre es, Projektentwickler zu einem gewissen Anteil an Wohnungsbau zu verpflichten. Zumindest da, wo es möglich ist. Also vor allem in innerstädtischen, urbanen Gebieten. Gleichzeitig sollte leer stehende Bürofläche möglichst in Wohnraum umgewandelt werden. Hier ist der grüne Vorstoß richtig. Jetzt wird es Zeit, diesen umzusetzen.




